Gili Trawangan & Kuala Lumpur by Nicola: Sowohl Fisch, wie auch Vogel

Nach dem ganzen Ärger in Flores haben wir uns ein bisschen Ruhe und Erholung aber wirklich verdient (jaja, wir wissen schon, was ihr denkt Smiley)! Entsprechend kamen uns die nächsten fünf Tage “Entspannungsurlaub” auf Gili Trawangan gerade gelegen. Diese kleine Insel (sie misst ca. 6 Kilometer im Umfang) gehört zusammen mit ihren beiden “Schwesterinseln” Gili Meno und Gili Air zum Bezirk Lombok (ebenfalls eine Insel, aber wesentlich grösser) und ist aufgrund ihrer bekannten Tauch- und Schnorchelmöglichkeiten bei Touristen sehr beliebt. Sie ist – abgesehen von “kraftbetriebenen” Fahrzeugen wie Pferdekarren oder Fahrrädern – komplett verkehrsfrei und nur mit dem Boot zu erreichen (auch alle Waren müssen auf dem Seeweg eingeführt werden; als Anlegestelle dient übrigens kein Pier, sondern der normale Strand).

Gut, zumindest unser Boot hat diese Bezeichnung kaum verdient…etwas treffender wäre wohl “schwimmender 1’000-PS-Luxus-Motor” gewesen. Denn unser Speedboat legte die gut 150 Kilometer Distanz in knapp 2.5 Stunden zurück, vor Abfahrt gabs Kaffee und Tee und sogar während der Fahrt wurden noch Wasser und Tabletten gegen Seekrankheit “serviert”. In Gili angekommen haben wir uns sogleich zu unserer “Luxusresidenz” begeben. Obwohl zwar etwas teurer, als es sich ein Weltreisender normalerweise leisten kann, war es doch jeden Rappen wert: extrem freundliches und hilfsbereites Personal, sehr saubere und geschmackvolle Unterkünfte mit Openair-Bad und als Highlight das beste Frühstück seit langem (Pancakes mit Früchten nach Wahl, Fruchtsalat, Toast mit Butter und Marmelade und Eier nach Wahl), welches darüber hinaus zu jeder beliebigen Zeit zwischen morgens um 07:00 und Nachmittags um 16:00 auf die eigene Terrasse serviert wurde (für uns natürlich DAS Kriterium Smiley)! Einziger Wehrmutstropfen: aufgrund der Hitze und der hohen Feuchtigkeit wurde es in unserer ersten Unterkunft, einem sog. “Lumbung” (traditionelles Holzhäuschen auf Pfählen), so unerträglich heiss, dass wir in ein Bungalow aus Stein wechseln mussten…

Die Attraktionen der Gilis befinden sich natürlich nicht über, sondern viel mehr unter Wasser: die Inseln sind umgeben von Riffen mit einer bunten Vielfalt an Korallen und Fischen und man kann sogar regelmässig Wasserschildkröten beobachten! Durch all diese Versprechungen gelockt, haben wir beschlossen, ebenfalls ein bisschen zu tauchen. Allerdings mussten wir das Ganze bereits am zweiten Tag abbrechen, da wir beide Probleme mit der Atmung und Kopfschmerzen bekamen. Liegt evtl. an dem Antibiotikum, welches wir immer noch zur Malariaprophylaxe einnehmen (Doxicycline)… Da die Riffe glücklicherweise nicht alle tief liegen und auch Wasserschildkröten zum Atmen manchmal nach oben kommen müssen Smiley, haben wir aber bereits beim Schnorcheln viel zu sehen bekommen! Als “Rahmenprogramm” zu Strand und Meer wollten wir natürlich auch wieder einmal vielfältig essen und in einigen der schönen Bars ausgehen. Doch weit gefehlt: das Essen war (wie leider an so vielen Touristenorten) ungeniessbar oder zumindest sehr fade (liegt evtl. auch an unseren – durch die Schärfe fast abgestorbenen – Geschmacksnerven) und die übrigen Touristen (= Kriterium für eine Party) schienen alle von der Schlafkrankheit geplagt zu werden oder zu viele der lokal angebotenen “Magic Mushrooms” konsumiert zu haben; sie waren alle irgendwie lethargisch… Für unsere Erholung wars aber eventuell besser so Smiley

Nach fünf Tagen mussten wir dann aber bereits auch schon wieder abreisen um zu verhindern, dass wir des Landes verwiesen werden (wir haben die dreissigtägige Visumsfrist voll ausgeschöpft). Das Speedboat brachte uns deswegen wieder nach Denpasar, von wo Abends dann unser Flug nach Kuala Lumpur gehen sollte. Dank einer Verspätung von AirAsia und der grossen Entfernung des Flughafens zum Stadtzentrum, sind wir dann erst morgens um 04:00 im gebuchten Hostel eingetroffen. Da es sich bei dieser Unterkunft jedoch um ein “Partyhostel” handelt (wird vom Anbieter selbst auf der Homepage betont, damit sich im Nachhinein kein Gast über zu laute Musik beschweren kann Smiley), konnten wir unser Gepäck abladen und sogleich in der Bar auf dem Dach einen Willkommens-Drink geniessen. Weil die Unterkunft auch sonst sehr modern gehalten ist, konnten wir uns zum ersten Mal seit langer Zeit wieder an einer warmen Dusche erfreuen! Wie ihr seht, braucht ein Langzeitreisender nur heisses Wasser und ein Bierchen, um glücklich zu sein Smiley.

Bezüglich Sightseeing war Kuala Lumpur aus unserer Sicht eher mager. Dies liegt aber wahrscheinlich vor allem daran, dass wir inzwischen keinen Tempel oder ähnliches mehr sehen können… Wir haben uns deswegen lediglich das Wahrzeichen der Stadt angekuckt (Petronas-Türme), waren auf der Aussichtsplattform des Menara-Towers (wenn man in Shanghai auf dem World Financial Tower war, ist die Aussicht jedoch eher enttäuschend) und haben den grössten, frei begehbaren Vogelpark der Welt besucht (die Vögel können sich dank gewaltiger Netze frei bewegen; können wir sehr empfehlen!; der Weg dorthin ist jedoch sehr schlecht ausgeschildert). Und selbstverständlich wollten auch die kulinarischen Reize einer Grossstadt genutzt werden: das grosse Angebot des Foodcorners im grössten Shoppingcenter musste getestet und in “Little India” wieder einmal Paneer gegessen werden.

Abgesehen von Besichtigungen und Genuss, hat uns die Hauptstadt Malaysias vor allem mit seiner religiösen Vielfalt und der Toleranz zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen beeindruckt: obwohl mehrheitlich muslimisch, trifft man auch zahlreiche Hindus, Christen, Buddhisten oder Konfessionslose. Trotzdem wird man so gut wie nie kritisch betrachtet oder fühlt sich gar bedroht!

Gili Trawangan & Kuala Lumpur by Jenny: Schildkröten und Vögel in voller Eleganz

Gili Trawangan

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Mit dem Luxusspeedboat von Bali nach Gili Trawangan

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Tauchressort mit Übernachtung im Lumbung (traditionelles Häuschen auf Stelzen)

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Leider wurde aus dem Tauchen nichts und die Ausrüstung blieb trocken Trauriges Smiley

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Schnorchelnd auf der Suche nach den Schildkröten

Sog. Gili Ente

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Tauchboot                                                  Chillen am Strand

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Taxis auf Gili                                               Hafen

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Gepäckverlad in das Speedboat                Ausreise aus Indonesien

Kuala Lumpur

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Petronas Towers

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Malayische Freizeitbeschäftigung

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Menara Tower mit Aussicht auf die Petronas Towers

Openair-Vogelpark von Kuala Lumpur

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Silberreiher                                                                    Roter Edelpapagei

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Roter Ibis                                  Silberner Fasan

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Posieren wie Statuen

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Goldener Fasan

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Nimmersatt (der heisst wirklich so!)           Liebesvögel

Flores by Nicola: Liebe und Hass können so nahe beieinander liegen

Um nicht unser Leben bei einer Überfahrt mit einem der zahlreichen “absaufgefährdeten” Kutter zu riskieren, haben wir beschlossen, den Weg von Bali nach Flores mit dem Flugzeug zurückzulegen (natürlich mit einer Fluggesellschaft, welche auf der schwarzen Liste steht Smiley; lässt sich in Indonesien jedoch nicht vermeiden, da alle einheimischen Airlines auf dieser Liste sind…). Als wir früh morgens am Flughafen eingetroffen sind, kamen uns dann aber doch erste Zweifel, ob das Boot nicht doch die bessere Wahl gewesen wäre: Check-In war lediglich an einem einzigen Schalter möglich, das Gepäck wurde auf einer alten Postwaage gewogen und dann manuell zu einem Loch in der Wand getragen (kein Fliessband) und das Ticket wurde mangels Drucker von Hand geschrieben. Beim Flugzeug selbst handelte es sich dann zwar auch um eine grössere Propellermaschine, allerdings war sie augenscheinlich ziemlich neu und ausserdem fast leer, wodurch die Wahrscheinlichkeit eines Absturzes aufgrund von Übergewicht sehr gering war Smiley

Wir sind dann auch wohlbehalten in Labuan Bajo – seines Zeichens grösster Ort in Westflores, Backpacker-Ghetto und Ausgangspunkt der meisten Touren nach Komodo – gelandet und wurden von der schwülen Hitze fast erschlagen… Da das Städtchen selbst nichts zu bieten hat, haben wir innert möglichst kurzer Frist versucht, ein paar Mitreisende für einen mehrtägigen Komodoausflug zu finden. Spart Kosten und ist unterhaltsamer… Wir hatten auch gleich Glück und trafen ein deutsches Pärchen, welches dieselben Ideen und Vorstellungen bezüglich dieser Exkursion hatte.

Und nachdem wir noch einen interessanten Abend mit zwei anderen Rucksacktouristen aus der Schweiz verbracht haben, gings am nächsten Morgen dann auch schon los: unser privates Boot inklusive Captain und Koch/Matrose/Mädchen für alles empfing uns im Hafen und nach einer gut dreistündigen Fahrt erreichten wir unser erstes Ziel: die Insel Rinca. Diese ist – neben Komodo selbst – das einzige Verbreitungsgebiet der grössten Echse der Welt. Und zu sehen gab es so einige von diesen Untieren (ein Teil lungerte vor der Küche der Nationalpark-Lodge herum; die weiblichen Exemplare sah man eher beim Bewachen ihrer Nester). Uns haben insbesondere auch die Eigenschaften und Fakten zu diesen Tieren fasziniert: ein Komodowaran kann in seinen knapp 60 Lebensjahren bis zu drei Meter lang werden und mehr als 80 Kg wiegen. Trotz ihrem unbeholfen wirkenden Gang und ihrem trägen Erscheinungsbild sollte man sich aber nicht von ihnen täuschen lassen; sie erreichen beim Sprint nämlich bis zu 20 Stundenkilometer, sind – auf kürzeren Strecken – sehr gute Schwimmer UND sie fressen nur Fleisch und dies regelmässig auch von grossen Beutetieren (Wildschweine, Hirsche und sogar Wasserbüffel stehen auf dem Speiseplan)! Die Wanderungen im Nationalpark müssen deshalb auch mit einheimischen Führern gemacht werden, welche mit einem langen, an der Spitze gegabeltem Holzstock bewaffnet sind, mit welchem sie im Notfall das heranstürmende Ungetüm abwehren sollen. Wir haben jedoch ernsthafte Zweifel, ob das in der Praxis auch tatsächlich funktioniert…

Neben Rinca standen noch das Schnorcheln an drei verschiedenen Plätzen, eine Übernachtung an Deck unseres Bootes, sowie natürlich eine weitere Wanderung auf Komodo auf dem Programm. Können wir alles sehr empfehlen, wobei man jedoch erwähnen muss, dass der Ausflug auf Komodo selbst schon fast etwas enttäuschend ist, nachdem man auf Rinca war. Grund dafür ist die viel niedrigere Populationsdichte der Komodowarane. Wir haben im Laufe des zweistündigen Marsches lediglich zwei Exemplare zu Gesicht bekommen! Wenigstens gabs dafür ein paar wirklich sensationelle “Gruppenfotos” mit Waran (Zitat Guide: “Er hat erst vor vier Tagen gefressen und ist jetzt immer noch satt!”), sowie ein paar romantische Strandbilder (natürlich auch mit Waran).

Nach so viel Küste und Meer wollten wir ins bergige Inselzentrum weiterreisen. Und da die Strassen in Flores sehr schmal und von Schlaglöchern durchzogen sind, besteht die einzige Fortbewegungsmöglichkeit in Minibussen, welche in aller Regel völlig überladen sind. Da wir auf zehnstündige Fahrten mit einem Huhn auf dem Schoss und den Füssen eines Kindes im Genick verzichten können, haben wir uns zwei Plätze in einem “Luxus-Minibus” gegönnt. D.h., man hat reservierte Plätze, es werden nicht mehr Passagiere mitgenommen, als Sitze vorhanden sind, das Gepäck kommt in den Kofferraum und nicht aufs Dach (wichtig, da es in Flores jeden Abend für mindestens eine Stunde sehr stark regnet) und der Bus fährt direkt zum Zielort, ohne in jedem Kaff an der Strecke Leute abzuladen bzw. aufzugabeln. Umsteigen mussten wir dann aber irgendwie trotzdem und Pinkelpausen gab es auch keine! So waren wir froh, in Bajawa, unserem Zielort in den Bergen, angekommen zu sein. Die anfängliche Freude währte allerdings nur solange, bis wir festgestellt hatten, dass die Minibusstation ca. 6 Kilometer ausserhalb des Dorfes lag und das örtliche Transportwesen von der “Rollermafia” beherrscht wurde. Trotz unserer Bitte nach einem vierrädrigen Untersatz wollte man uns nur auf den Rücksitz von Motorrädern verfrachten (inklusive unserer zwei Trekking- und zwei Tagesrucksäcken), ganz zu schweigen von den astronomischen Preisvorstellungen. Sogar die von uns selbst herangewinkten Bemos (= Sammeltaxis) wurden von den aggressiven Motorradfahreren unter Androhungen weggejagt. Erst nach etwa fünf Minuten hatten wir Glück und wurden von ein paar halbwüchsigen mitgenommen (der Fahrer war zweifellos nicht älter als 14!). Die mafiösen Tendenzen setzten sich dann auch im Örtchen selbst nahtlos fort: es existieren hier insgesamt nur fünf einfache Hotels. Und obwohl alle Unterkünfte wegen der Nebensaison praktisch keine Gäste hatten und die Zimmer feucht und miefig waren, gab es keinen Nachlass auf die offizielle Preisliste (aus der Hochsaison!). Wo einem in anderen Ländern spätestens beim Hinausgehen 20-30% Rabatt gewährt werden, wird hier einfach geschwiegen, da alle wissen, dass es die Konkurrenz gleich handhaben wird! Wo bleibt hier eine Kartellbehörde?!

Nächster Knackpunkt sind dann die Sehenswürdigkeiten, bei welchen das Spiel von vorne beginnt: Zu sehen gibts in der Region um Bajawa vor allem die Dörfer der Ngada, dem Urvolk von Flores, welches seine Hütten in einer sehr ausgefallenen Bauweise errichtet, ein natürliches Thermalbad (ist aus dem Zusammenfliessen eines kalten und eines extrem heissen Bergflusses entstanden), sowie ein paar schöne Wanderstrecken. Auch führt seit etwa einem Jahr eine wunderbar geteerte Strasse zu all diesen Dingen (mit Ausnahme der heissen Quellen). Aber selbstverständlich wollen die einheimischen Guides einem weiss machen, dass alle Orte nur unter grossen Entbehrungen zu erreichen sind und man deswegen natürlich auf sie und einen erfahrenen Jeepchauffeur angewiesen wäre. Das eintägige Komplettpaket würde dabei aber “nur” 800’000 Rupien kosten (ca. 80 Franken)… Nun, wir haben dankend abgelehnt und – nach langer Suche und viel Überzeugungsarbeit – einen Roller gemietet, mit welchem wir das Ganze auf eigene Faust und ohne labernde Nervensäge absolvieren konnten. Kostenpunkt: 100’000 Rupien Smiley Von den unsagbar schlechten Strassenverhältnissen, den unfreundlichen Dorfbewohnern oder sogar den vergewaltigenden Räuberbanden, welche es nach Aussagen der Guides hier so geben soll, haben wir aber komischerweise nichts mitbekommen.

Am darauffolgenden Tag sind wir dann mit unserer Lieblingsbusgesellschaft ins 8 Stunden entfernte Moni weitergereist. Auch dabei handelt es sich um ein idyllisches Bergdörfchen, welches am Fusse seiner einzigen Sehenswürdigkeit liegt: dem Mt. Kelimutu (erloschener Vulkan, welcher wegen seiner drei Kraterseen bekannt ist; zwei davon wechseln ihre Farbe dauernd, einer ist konstant türkis). Und wie bereits in Bajawa darf natürlich auch hier die lokale Mafia nicht fehlen: ein Roller ist nur gegen einen viel zu hohen Preis zu bekommen; die Besitzerin der Unterkunft dreht einem das Wasser ab, sobald man bezahlt hat (da wir morgens um vier ausgecheckt haben, mussten wir am Abend vorher bezahlen); der – zu Beginn nette – Typ, welcher einem ein Flugticket besorgt, will am nächsten Tag plötzlich mehr Geld, da er angeblich einen Beamten am Flughafen bestechen musste; Benzin kostet für ausländische Gäste das Dreifache; das bestellte Taxi kommt eine halbe Stunde zu spät, weil der Fahrer am Abend vorher zu viel getrunken hat und noch im Bett liegt (der minderjährige Sohn fährt den Wagen), etc.

Schön wars aber trotzdem. Der Fussmarsch auf den Kelimutu (knapp 40 Kilometer und etwas mehr als 1500 Höhenmeter hin und zurück) war zwar extrem anstrengend aber auch vielfältig, da man durch die verschiedensten Vegetationszonen geht. Ausserdem diente er uns als Training für die Besteigung des Mt. Kinabalu in Borneo. Da wir am nächsten Morgen um 04:00 den Berg noch einmal auf die konventionelle Art – d.h. mit Motorfahrzeug – bezwungen haben, kennen wir jetzt ausserdem die verschiedenen Farbenspiele der Kraterseen bei unterschiedlicher Beleuchtung.

Um uns die knapp 20-stündige Rückfahrt per Minibus zu ersparen, haben wir uns einen Flug von Ende (heisst wirklich so) nach Labuan Bajo gegönnt. Nachdem wir – wie oben bereits erwähnt – beim Kauf des Flugticket übers Ohr gehauen worden sind und das Einchecken aufgrund eines defekten PC’s mehr als zwei Stunden in Anspruch genommen hat, sind wir dann nervlich am Ende, physisch aber gesund, auch tatsächlich in Labuan Bajo angekommen. Um den enormen Frust etwas abzubauen, haben wir uns dann am Abend beim Italiener eine exorbitant teure Platte mit ein paar Scheibchen importiertem Käse bestellt Smiley

Leider sollten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, dass der Tiefpunkt bezüglich Verarsche in Flores noch nicht erreicht war! Da unser Rückflug nach Denpasar am nächsten Tag für 15:30 angesetzt war, sind wir schön brav um 13:00 am Flughafen erschienen (falls ihr euch erinnert: es gibt hier lediglich ein Gate!). Leider war bis 14:00 am Schalter von unserer Fluggesellschaft (die heisst Merpati; das soll nur einmal gesagt sein, falls ein weiteres potentielles Opfer sich einmal überlegen sollte, mit diesem Verein zu fliegen) keine Menschenseele zu sehen, weshalb wir dann einmal am Nachbarschalter nachgefragt haben. Der Mitarbeiter dort hat uns dann ins Büro seines Chefs geschickt, wo wir das Büro von Merpati anrufen sollten. Dort bekamen wir die Auskunft, dass unser Flug kurzfristig auf den Morgen verschoben worden sei und man leider nichts machen könne. Einziges Resultat unserer nachfolgenden verbalen Ausrutscher am Telefon war dann, dass die Konkurrenzgesellschaft – welche für denselben Nachmittag den einzigen weiteren Flug nach Bali im Angebot hatte – kurzfristig den Ticketpreis saftig anhob! Da wir leider schon eine Übernachtung in Bali und eine Speedboatüberfahrt nach Gili für den nächsten Tag gebucht hatten, blieb uns keine andere Wahl!

Fazit für Flores: die Insel hat vielfältige und beeindruckende Flora und Fauna zu bieten, das vorherrschende Mass an Abzocke übersteigt aber selbst unsere Schmerzgrenze soweit, dass wir definitiv von einem Besuch dieser Insel auf eigene Faust abraten (geführte Touren sind eventuell eine bessere Alternative)!

Und die lessons learned (abgesehen davon, dass man am Flughafen nicht zu lautstark fluchen sollte, damit die Preise nicht ins unendliche steigen)?

  • Die Landbevölkerung in Flores ohne Bezug zum Tourismus ist extrem freundlich: egal ob im Falle eines heftigen Regengusses, wo einem ein Dach über dem Kopf inklusive Kaffee angeboten wird, beim Fragen nach Richtungen oder beim “Tanken” in den Bergen (das Benzin kommt aus Petflaschen, da es keine Zapfsäulen gibt): es wird einem immer sehr freundlich und ohne Hintergedanken geholfen.
  • Es ist sehr ratsam, Trekkingrucksäcke vor dem Transport in Minibussen oder Flugzeugen in eine extra Schutzhülle einzupacken. In Indonesien wird nämlich immer und überall geraucht, egal ob beim Be- oder Entladen eines Vehikels, beim Mitfahren im Kofferraum (ja, ein Passagier war im Minibus dann doch zuviel dabei…) oder beim Mitfliegen (das Personal auf inner-indonesischen Flügen nimmts mit dem Rauchverbot nicht so genau). Und welcher Ort würde sich besser eignen als ein Rucksack, wenn man seine Zigarette ausdrücken möchte?!

Flores by Jenny: Atemberaubende Tiere und Natur, gemischt mit menschlicher Mafia

Anreise nach Flores

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Ab nach Flores mit einem handgeschriebenen Ticket und im Propellerflugzeug

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Ankunft in der Flughalle                             Gepäckausgabe auf der Holzbank  Smiley

Labuan Bajo (Ausgangspunkt 2-Tagestour nach Komodo und Rinca inklusive Schnorcheln)

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Sonnenuntergang am Hafen und die Strassen von Labuan Bajo

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Unser Fortbewegungsmittel und Schlafmöglichkeit während der 2-Tagestour

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Rinca ist – mit Ausnahme des “einarmigen Krebses” – ausgestorben. Ist er schuld?

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Auf der Suche nach den Schuldigen                           Baumwollbaum

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Da sind die Schuldigen: “Fleischfresser-Komodowarane”

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Fressen für die Babywarane        Eine Mahlzeit für einen ausgewachsenen Waran

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Stelzendorf auf einer kleinen Insel; sogar mit Moschee

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Schnorchel-Orte

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Eindrücke beim Schnorcheln

Bajawa (Bergdorf inmitten der Insel Flores)

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Aussicht beim Rollerausflug

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Ngada Dörfer (Urbevölkerung von Flores)

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Heisse und kalte Quelle, welche aufeinandertreffen

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Tanken in Flores mit Petflasche

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Gigantischer Bambus              Badewanne und WC-Spülung in einem Smiley

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Viehtransport im Lastwagen zur Busstation

Moni (Bergdorf an der Ostküste als Ausgangspunkt zum Vulkan Kelimutu)

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(Noch) Gemütliches Wandern in Richtung Vulkan Kelimutu über Reisfelder

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Das letzte Dorf vor dem Aufstieg mit einem überfüllten Minibus

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Unsere Weggefährten

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Der Weg führte durch den Dschungel mit Tropenregen und tödlichen Gefahren

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Ankunft auf dem atemberaubenden Vulkan Kelimutu mit 3 Seen

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See in türkis, im Hintergrund einer in hellblau und einer in schwarz

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Bekanntschaften                      Am Morgen um 5 Uhr auf dem Kelimutu

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Sonnenaufgang über den Seen

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Erholung nach knappen 40km Auf- und Abstieg      Taxi zum Flughafen mit Hühnern

Bali by Nicola: Planet der Affen und Götter

Unser Ankunft auf der “Götterinsel” Bali war alles andere als göttlich, denn der Bus, welcher uns an der Endstation der Bahn auf Java abgeholt hatte und mit welchem wir auf einer Fähre nach Bali übergesetzt hatten, lud uns mitten in der Nacht eine knappe Autofahrstunde ausserhalb von Denpasar ab, obwohl auf dem Ticket ganz klar vermerkt war, dass wir ins Stadtzentrum gefahren werden. Wir mussten dann wohl oder übel für die restliche Strecke ein Taxi nehmen… Alles natürlich auf eigene Kosten und begleitet vom hämischen Grinsen der Taxi- und Busfahrer an der Station. Auf eine Antwort unseres Beschwerdemails an die indonesische Bahn (wir hatten ja dieses Bahn-/Bus-/Fähre-Kombiticket) warten wir bis heute. Und so geht ein anderes Kapitel in der indonesischen “Mafiageschichte” zu Ende…

Nach diesem nicht sonderlich positiven Einstieg in Bali, waren wir umso positiver Überrascht vom Hotel in Denpasar (“Pop! Harris”; eine Art durchgestyltes Ibis-Hotel) und dann von Ubud, unserer nächsten Reisedestination, welche etwas im Landesinneren von Bali liegt. Denn obwohl Ubud neben Kuta als DIE Touristenfalle auf Bali gilt, gibt es hier viele wunderschöne, familienbetriebene Guest Houses, tolle Wanderwege durch die wunderschöne Umbgebung, traditionelle Tanzshows und vieles mehr. Wir logierten entsprechend auch in einem fantastischen Homestay mit riesigen Zimmern im balinesischen Stil inklusive eigener Terrasse. Die Gastfamilie war sehr freundlich und das von der Besitzerin gekochte Essen war sehr geschmackvoll und eine willkommene Abwechslung zum gängigen “Touristenfood” (Bami Goreng, Nasi Goreng und wieder von vorne).

Weil die Unterkunft etwas ausserhalb von Ubud liegt, haben wir während der gesamten Aufenthaltsdauer einen Roller gemietet, mit welchem wir jedoch nicht nur in die Stadt gefahren sind, sondern auch einen Tagesausflug nach Tirta Empul und Tirta Gangga unternommen haben. Diese beiden Orte sind bekannt für ihre heiligen Quellen, zu welchen auch heute noch gläubige Hindus pilgern, um sich zu waschen (Bali ist die einzige der indonesischen Inseln, deren Hauptreligion nicht der Islam ist). Neben den Quellen selbst, kann auch der Weg dorthin bereits als Abenteuer bezeichnet werden: waghalsige Strassen durch wunderbare Flusstäler, entlang von Reisfeldern und durch Dörfer mit spektakulären Tempeln (aufgrund seiner religiösen Vielfalt verdient Bali wahrlich die Bezeichnung “Götterinsel”), gespickt mit Schlaglöchern, umhersträunenden Hunden und wahnsinnigen Verkehrsteilnehmern (mit zwei, drei oder vier Rädern), machen einen solchen Ausflug unvergesslich. Um nicht Kopf und Kragen zu riskieren, sowie der balinesischen Polizei keinen Grund zu liefern, ein kleines “Trinkgeld” zu verlangen, empfehlen wir aber das Tragen von Schutzhelmen Smiley.

Auch all jenen, welche einen Ausflug in die tolle Natur machen möchten, ohne sich in den gewöhnungsbedürftigen Verkehr Indonesiens zu stürzen, kann geholfen werden. Rund um Ubud existieren nämlich zwei, drei sehr schöne und nicht allzu anspruchsvolle Wanderpfade quer durch Reisfelder und fruchtbare Täler mit wilden Flüsschen. Einziges kleines Hindernis: das Auffinden des Startpunktes des Wegs (wegen zunehmender Überbauung oft versteckt und in Karten von gängigen Reiseführern nicht exakt eingezeichnet). Wem dies zu konventionell klingt oder wer schon lange mal wieder das innere Kind “befreien” will, der soll den örtlichen Affenwald besuchen. Der Tempel in dessen Mitte ist zwar nicht besonders sehenswert, seine Bewohner sorgen jedoch für Unmengen an Unterhaltung: die ansässigen Affenclans toben den ganzen Tag herum, plantschen im Teich oder treiben andere, nicht jugendfreie Dinge und das Beste… sie sind sich an den Menschen gewohnt. D.h. setzt man sich auf einen Stein und verhält sich ganz ruhig, wird man sicherlich bald als zusätzliches “Turngerät” in Anspruch genommen.

Und am Abend gibt es dann noch etwas balinesische Kultur “light”, d.h. speziell für Touristen gemacht…Nichts desto trotz sind die traditionellen Tanzshows sehr ästhetisch und teilweise auch atemberaubend (wenn ein Mitglied der aufführenden Truppe in Trance mit blossen Füssen durch heisse Kohle tanzt, schmerzen die eigenen Füsse schon nur vom Zuschauen).

Kommen wir abschliessend noch zu den balinesischen “lessons learned”:

  • In den hinduistischen Tempeln auf Bali herrscht – ähnlich wie im Süden Indiens- “Rockpflicht”. Und zwar auch für Männer! Da die meisten westlichen Exemplare der Gattung Mann nicht gerade mit der Verfügbarkeit eines solchen Kleidungsstücks im Gepäck glänzen, kann man(n) – natürlich gegen eine milde Spende – ein passendes Wickeltuch am Eingang zum Tempel ausleihen.
  • Das Aushandeln eines angemessenen Preises nimmt – noch mehr als in einem arabischen Land – extrem viel Zeit in Anspruch. Es wird meist nämlich erst dann eingelenkt, wenn der Handelspartner bemerkt, dass man selbst bereit ist, falls nötig den ganzen Tag zu darauf zu warten dass ein “guter” Preis erreicht wird.

Bali by Jenny: Affengeil

Ubud (Ausgangspunkt für alle Ausflüge)

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Traditioneller balinesischer Baustil (Unser Homestay)

Affenwald

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Kein Kommentar Smiley                                                     Attacke

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Läuse überall                                             Affenfriedhof

Feuer- und Trance – Tanz

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Tanzshow im Tempel               Artist in Topform Smiley

Gemütliches Wandern

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Ausflug mit dem Roller

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Auf dem Weg

Tirta Empul (Heiliges Bad für Hindus)

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Tirta Gangga (Gepflegtes, sauberes “Varanasi-Bad” Smiley)

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5 hübsche Statuen

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Auf dem Rückweg                           Massnahme gegen Sonnenbrand auf dem Roller

Java by Nicola: Beitrag zur Beseitigung von Klischees

Wie stellt man sich ein Land vor, von welchem man keine Vorstellungen hat? Genau, man bedient sich an gängigen Klischees. Uns ging es genau so, als wir von Singapur nach Indonesien gereist sind. Von dem Land, welches aufgrund eines kurzfristigen Entscheides zum neuen Reiseschwerpunkt in Südostasien (an Stelle von Vietnam und Kambodscha) “befördert” wurde, hatten wir nur wenig Wissen, aber einige Erwartungen. Welche das waren, ob sie sich erfüllt haben oder doch nur Klischees entsprechen und welches die sich daraus ergebenden Folgen sind, seht ihr nachfolgend:

  • Indonesien besteht aus hunderten von Inseln –> wahr –> Die Fortbewegung im Land wird durch diese Tatsache teilweise massiv erschwert, da nicht alle Inseln gut erschlossen sind. Boote (sinkgefährdet), Züge (gibt es nur auf Java) und Flüge (teuer) sind nicht immer eine Alternative, weshalb man oft gezwungen ist, längere Busfahrten (10-15 Stunden) zu unternehmen, um von A nach B zu kommen.
  • Indonesien hat die viertgrösste Bevölkerung der Welt –> wahr –> Die Befürchtung, dass alle öffentlichen Transportmittel – ähnlich indischen oder chinesischen Verhältnissen – masslos überfüllt sind, ist dennoch nur teilweise berechtigt, da a) viele Einheimische den Roller zum einzigen (Familien-)Fortbewegungsmittel auserkoren haben (wird auch dazu verwendet, einen ganzen Haushalt zu zügeln) und b) gewisse Transportmittel (Zug, spezielle Sammeltaxis, bei welchen garantiert wird, dass man auch einen Sitzplatz erhält) für die meisten Indonesier zu teuer sind.
  • Das Land beherbergt (in absoluten Zahlen) die meisten Muslime der Welt –> wir haben zwar nicht selbst nachgezählt, aber das wird schon so stimmen Smiley–> Folge ist, dass bei uns eine ganze Menge an damit verbundenen Vorstellungen entstanden sind:
    • Die Frauen werden zuhause eingesperrt und man sieht nur Männer auf der Strasse –> völlig falsch: Da es in Indonesien (im Gegensatz zu China und Indien) nicht als Nachteil gilt, Töchter zu haben, ist der Frauenanteil in der Bevölkerung sehr hoch. Auch werden die Damen des Hauses nicht weggesperrt, sondern gehen sehr oft selbst arbeiten, weshalb man oft mehr Frauen als Männer antrifft. Äusserst bemerkenswert ist ausserdem die Tatsache, dass weibliche Angestellte auch nicht davor zurückschrecken, mit männlichen Gästen Augenkontakt aufzunehmen und einen fast schon anzustarren (= “weibliche Inder”?).
    • Diejenigen Frauen, welche doch nach draussen dürfen, müssen ein Kopftuch tragen oder werden sogar komplett “eingepackt” –> völlig falsch: Es tragen zwar etwa rund die Hälfte aller Frauen ein Kopftuch, dies allerdings wohl eher freiwillig und teilweise sogar nur als Mode-Accessoire.
    • Der Muezzin weckt einen früh morgens mit seinem Gebetsaufruf –> teilweise wahr: Logiert man per Zufall in der Nähe einer Moschee (in den muslimischen Städten mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit der Fall), wird man tatsächlich um ca. 05:00 vom “Gesang” (verdient bei einigen Muezzinen diese Bezeichnungen auch, bei vielen klingt es jedoch mehr nach dem Gekrächze eines Kettenrauchers) aus dem Schlaf gerissen. In denjenigen Gemeinden mit mehrheitlich anderen Glaubensrichtungen – und von denen gibt es erstaunlich viele – ist dies jedoch nicht der Fall.

Dass die meisten dieser Klischeevorstellungen eben genau nur das sind und die Menschen in Indonesien einem in aller Regel sehr offen und mit grosser Freundlichkeit begegnen, hat uns sehr positiv überrascht und zu “Fans” von diesem Land gemacht. Bereits der Zollbeamte am sehr kleinen Flughafen von Yogyakarta (eine Piste und ca. drei “Gates”, wobei es jeweils einen Schalter für den Kauf des Visums sowie einen für die Einreise selbst gibt) begrüsste uns mit einem Lächeln, warf einen Blick in unsere Pässe… und ging in die Kaffeepause (nach ca. 10 kontrollierten Pässen! Smiley). Auch der generelle Lebensstandard im Inselreich ist nicht vergleichbar mit indischen Verhältnissen, sondern erreicht schon fast chinesisches Niveau. Die Kehrseite der Medaille ist ein Preisniveau, welches deutlich über unseren Erwartungen liegt und unser Budget etwas ins Schwitzen bringt. Die “Schuld” daran tragen einerseits enorme Preiserhöhungen in den letzten zwei Jahren (Dinge, welche 2010 umgerechnet CHF 10.- gekostet haben, kosten heute CHF 20.- oder mehr!), sowie der Lonely Planet – Reiseführer, welchen wir gekauft haben und dessen Daten so kreuzfalsch sind, dass wir uns ernsthaft fragen müssen, ob die Autoren jemals in Indonesien waren.

In Yogyakarta haben wir uns einige Tage gegönnt, um uns an dieses faszinierende aber auch schwer verständliche Land zu gewöhnen, einen geführten Ausflug zu den Tempelanlagen von Borobudur und Prambanan zu unternehmen, Bahntickets zu buchen (funktioniert reibungslos, vorausgesetzt, dass man Google-Translate griffbereit hat; die Homepage ist nämlich vorwiegend in Indonesisch gehalten), zu bummeln (in Yogyakarta vorwiegend zwischen 07:00 und 14:00 möglich, da dies die regulären Arbeitszeiten sind; kein Witz!), uns mit dem Fahrrad-Rickshaw durch die Stadt fahren zu lassen und gute Donuts zu essen (verkaufen sich hier besser als in den Staaten).

Nach so vielen Städten (Mumbai, Singapur und Yogyakarta) und wenig Bewegung, war das Ziel unserer nächsten Reiseetappe ganz klar auf körperliche Betätigung ausgelegt: wir fuhren mit dem Zug (natürlich erste Klasse Smiley; wobei wir im Nachhinein feststellen mussten, dass es die Zweite genauso getan hätte…) nach Surabaya, einer Stadt an der Nordküste von Java, welche uns als Basis für einen zweitägigen Ausflug auf den – noch aktiven – Vulkan Bromo dienen sollte. Nach einer ziemlich heissen und schlaflosen Nacht in einem Hostel mit vielen Mücken (eine umgebaute Villa mit “Openair-Badezimmer” als Highlight, wobei die Zimmer selbst leider auch ziemlich “open air” sind) sind wir früh aufgestanden, um den ersten Bus in Richtung Probolinggo zu kriegen. Von diesem Örtchen sollte dann ein Minibus an den Kraterrand des Tengger fahren, wo wir die Nacht verbringen wollten. Dank “mafiöser” Umstände (siehe weiter unten für Erklärungen) wurden aus zwei Busfahrten plötzlich eine Bus-, eine Minibus- und eine Taxifahrt, welche mehr kosteten und insgesamt auch noch erheblich länger dauerten… Endlich oben angekommen, haben wir sofort die Kraterdurchquerung des Tengger (erloschener, alter Vulkan, in dessen Kraterzentrum der Bromo entstanden ist; der Kraterboden besteht aus einem Sand-Asche-Gemisch, welches für geschwärzte Füsse sorgt, auch wenn man Socken und geschlossene Schuhe trägt!) und den Aufstieg zum Bromo in Angriff genommen. Zurück in der Unterkunft sind wir dann bereits um 18:30 ins Bett gegangen, um morgens um 03:00 frisch und munter aufzustehen und pünktlich bei Sonnenaufgang beim Aussichtspunkt zu sein. Die Einzigen waren wir dort zwar nicht (die “normalen” Touristen lassen sich mit Jeeps und Motorrädern hinaufkarren, so dass sie schlussendlich nur noch 10 Minuten zu gehen brauchen, anstelle von 2 Stunden!), schön war es aber trotzdem.

Nach unserer (diesmal planmässig verlaufenden) Rückkehr nach Surabaya und einer zweitägigen Erholungsphase (dieses Mal mit Klimaanlage und viiiiel Mückenspray) sind wir per Bahn, Bus und Schiff nach Denpasar (Bali) weitergereist.

Speziell in einem so vielfältigen Land wie Indonesien gibt es praktisch täglich neue Dinge zu entdecken und zu lernen. Die interessantesten “lessons learned” möchten wir jeweils am Ende eines Kapitels vorstellen:

  • Vorausgesetzt, dass man nicht länger als 30 Tage im Land bleibt, kann man als Schweizer das Indonesienvisum direkt bei Ankunft am Flughafen kaufen (sog. “Visa on arrival”). Was in der Theorie einfach klingt, hat zumindest in der indonesischen Praxis jedoch einen Haken: bezahlt werden kann das Visa nämlich a) nur in bar und b) nur mit Dollarscheinen des Druckjahrgangs 2009 oder jünger! Glücklicherweise konnten wir den benötigten 50er gerade so zusammenkratzen…
  • Sollte man, wieso auch immer, als “harter” Individualtourist doch einmal eine geführte Tour buchen (z.B. um andere Leute kennenzulernen, Geld zu sparen oder einfach um sich zu vergegenwärtigen, dass man alleine den Ausflug doch besser hingekriegt hätte Smiley), muss man den Zukauf des optionalen Frühstücks um jeden Preis vermeiden: alte, halb verfaulte Früchte, verbranntes Toastbrot und eine schwarze Brühe, in welcher der Löffel fast stehen bleibt und welche hier Kaffee genannt wird, verdienen nicht, dass man mehr bezahlt (und wenn es auch nur ein Franken ist!).
  • Individualtouri vs. Mafia: Was brutal klingt, ist in Indonesien Alltag. Dabei geht es zwar nicht gerade ums Überleben, sehr wohl aber um den Pegelstand in der Brieftasche und das Durchsetzen der eigenen Reisepläne: damit möglichst viele Einheimische (Taxifahrer, Hotelier, Restaurantbesitzer, Reiseleiter, Reisebüro, Träger, etc.) ein Stück vom “Tourismuskuchen” abkriegen, wird der Besuch von Sehenswürdigkeiten nur als Pauschalarrangement angeboten. Man muss sich somit zwar nicht um Hotel, Transport, Verpflegung, Eintrittsgebühren, etc. kümmern, wird dann aber wie Vieh durch die Sehenswürdigkeiten getrieben und hat auch keinerlei Mitspracherecht. Will man – wie wir – alles auf eigene Faust besuchen, erfordert dies viel Zeit und noch viel mehr Geduld: der Busfahrer lädt einen dann nämlich zu früh aus, damit man noch das Taxi nehmen muss; der Taxifahrer selbst fängt beim Feilschen beim vierfachen Preis an und lässt sich nur sehr langsam drücken (meist wird der angemessene Preis erst angeboten, wenn der öffentliche Bus – den es laut Aussagen des Taxifahrers ja gar nicht gibt – um die Ecke biegt…).
  • Indonesien ist definitiv kein Reiseziel für Nachtaktive und Langschläfer: abgesehen vom “Wecker auf dem Turm” (= Minarett mit Lautsprecher) ist auch sonst nix mit ausschlafen. Die einheimische Bevölkerung steht mit der Sonne auf und geht bald nach Sonnenuntergang zu Bett. Für die Gäste bedeutet dies: man muss regelmässig morgens um 03:00 aufstehen, um pünktlich am Flughafen zu sein (die meisten Flüge starten zwischen 06:00 und 08:30!), den Bus zu erwischen (i.d.R. um 07:00) oder den Sonnenaufgang zu sehen (um 05:00). Auch gibt es Abends maximal bis um 21:00 etwas zu essen, da dann auch der letzte Indonesier zu Bett geht…