Fakarava by Nicola: Vergiss Bora Bora

Nach Rangiroa konnte es ja nur besser werden. Wie viel besser, haben wir uns aber nicht zu träumen gewagt. Bereits bei unserer Ankunft waren wurden wir von der gebuchten Unterkunft sehr positiv überrascht: die kleinen Bungalows im typisch polynesischen Baustil hatten eine eigene Terrasse, waren sehr sauber und zwar einfach aber durchdacht eingerichtet und gut belüftet. Die beiden Gastgeber – zwei ältere Herren deren grosse Leidenschaft höchstwahrscheinlich gutes Essen und Wein ist – waren sehr freundlich und hilfsbereit und immer für einen dummen Spruch zu haben (Müsterchen gefällig: “Wenn du Wale sehen willst, musst du keinen Tauchgang buchen, sondern durch die Strassen von Papeete (Hauptstadt) gehen. Die laufen dort überall frei herum”; gemeint sind damit übrigens die wohlgenährten polynesischen Frauen). Zusätzlich zum Bungalow waren im Übernachtungspreis auch Fahrräder inbegriffen, von welchen wir als Nicht-Taucher (ja, auch Fakarava ist ein Paradies für Tiefseejunkies) kräftig Gebrauch machten, um das Hauptmotu zu erkunden. Gefunden haben wir die schönsten Strände bisher: weisser Sand, geschwungene Palmen, blaustes Wasser (jaja, soweit alles nichts Neues Smiley) UND super gut erhaltene Korallbäume direkt am Ufer! Schnorchler, auch ihr seit hier willkommen!

Ein ganz besonderes Juwel ist ein weit abgelegener Strand, welcher alle oben genannten Vorzüge vereint, das Ganze einfach in etwas wilderer Form (statt Plastiktüten werden hier Kokosnüsse und Korallreste angespült) und menschenleer. Wo genau dieses paradiesische Stückchen Sand liegt verraten wir aber nicht; das kaufen wir uns nämlich eines Tages Smiley (jaja, der gute alte Grössenwahnsinn lässt grüssen…).

Doch damit noch nicht genug der Höhepunkte: da wir das Glück hatten, schönes Wetter zu haben, konnten wir endlich auch einmal an einer Bootsexkursion ans andere Ende der Lagune teilnehmen (ist bei allen Tuamotus in der Regel der besser erhaltene, weil unberührtere Teil). Diese umfasst auf Fakarava das Schnorcheln am südlichen Durchbruch zum Pazifik, wo man sich ganz gemütlich mit der Strömung an Napoleon-Fischen und unzähligen Haien vorbeitreiben lassen kann – eben ein richtiges “Hai-Light” – und ein gemütliches Barbecue bei den “Sables Roses”, einigen kleinen Motus mit rosarotem Sand und – natürlich – Haien. Gutes Wetter, gute Laune, gutes Essen, was will man mehr?

Wenn man in französisch Polynesien nur die Zeit hat, um eine Insel zu besuchen, dann MUSS man Fakarava sehen! Die vielfältigste, schönste und trotzdem nicht sehr touristische Lagune in den Tuamotus!

Fakarava by Jenny: So muss die Südsee sein

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Bei der Landung, Ausschnitte von dem Ring um die riesige Lagune

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Die beste Hütte in Polynesien                                und die schönsten Noten der Welt

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Beim rosaroten Strand im Süden von Fakarava auf einem Motu

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Papageifisch: vorher                                 nachher

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Schwärme von kleinen Fischen bis zu Haien

Einige Eindrücke von der Wasseroberfläche

Essen ist serviert

Haifischschwärme

Eindrücke von der Unterwasserwelt

Gut erhaltene Korallen

Überblick entlang den Korallen im Südpass

Haifischattacke

Unser Traumstrand (weisser feiner Sand, viele Palmen bis ins Hinterland, türkisfarbenes klares Wasser und keine Zivilisation )

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Tschüss Südsee

Manihi & Rangiroa by Nicola: Franzosen und andere Haie

Nach den vielen Touristen in Bora Bora, war es Zeit, für das pure Gegenteil: zwei Menschen auf einer einsamen Insel mitten im Pazifik, umgeben von Kokospalmen, Haien und dem wilden Meer, abgeschnitten von der Umwelt und auf sich alleine gestellt… Robinson Crusoe – Feeling pur. Naja, ganz so extrem wars dann doch nicht auf Manihi, aber wir waren so nahe an dieser Realität, wie wohl kein zweites Mal im Leben: es gab – uns eingeschlossen – drei Menschen und einen Hund auf der Insel, die Kokospalmen trugen keine Nüsse mehr und auf einen komfortablen Lebensstandard inklusive Kommunikationsmöglichkeiten mit der Zivilisation für den Notfall mussten wir auch nicht verzichten.

Der Rest jedoch war Tatsache: die Lagune von Manihi liegt inmitten des Pazifik und es gibt – im Gegensatz zu den Gesellschaftsinseln – keine Hauptinsel mehr, sondern lediglich Motus. Da wir auch die Lebensmittel aus Bora Bora mitgebracht hatten (eine gute Entscheidung, wenn der nächste Laden 30 Kilometer entfernt auf einem anderen Motu liegt), waren wir, abgesehen von gelegentlichen “Zustupfen” der Pensionsbetreiberin in Form von frischem Fisch oder Papayas, autarke Selbstversorger. Und ach ja, Haie gabs auch! Wer nun aber denkt, dass man dann aber ja nicht einmal das wunderbar türkisfarbene Wasser geniessen kann, der irrt; die kleinen Riffhaie mit einer maximalen Länge von ca. 2 – 2.5 Metern sind eher scheu und für den Menschen völlig ungefährlich. Wenn man einige Essensreste vom Vorabend übrig hat, dienen sie – zusammen mit tausenden anderen Fischen – eher als begehbares lebendiges Aquarium ohne Glasscheibe!

Und so waren die drei Tage auf Manihi mit Sonnbaden, Schwimmen, Schnorcheln und einem “Motu-Rundgang” (dauert keine Viertelstunde und offenbarte uns die karge und wilde Landschaft der pazifikzugewandten Seite eines Motus) im nu vorbei und wir wurden auch schon wieder von der netten Pensionsbetreiberin in ihrem Speedboat zum Flughafen gefahren.

Rangiroa – seines Zeichens zweitgrösste Lagune der Welt und Heimat der grössten “Stadt” (800 Einwohner) der Tuamotus – war dagegen eine schlichte Enttäuschung. Im Reiseführer gross angepriesen für seine angebliche Vielfältigkeit, ist Rangiroa aber “lediglich” ein Tauchmekka und gefühlt grösste Kolonie der Auslandfranzosen: jeder zweite Einwohner hier ist aus der Grande Nation und anderssprachige Gäste haben wir während sieben Tagen keine einzigen gesehen! Strände und Schnorchelmöglichkeiten, Fehlanzeige! Und wenn man nichts zu tun hat, nicht Mitglied der eingeschworenen Tauchcommunity ist, darüber hinaus leider nicht zur Gattung der Frühaufsteher gehört (hier wird um 06:30 aufgestanden und Frühstück gibts nur bis 08:00) und dummerweise auch nicht bereit ist, so zu tun, als ob die allgemein gesprochene Sprache die schönste der Welt sei, bleibt einem nicht viel anderes übrig, als die Planung für den nächsten Reiseabschnitt – in unserem Falle Südamerika – zu machen oder Filme zu gucken. Da kam es uns gar nicht so ungelegen, dass es fast fünf Tage geregnet und gestürmt hat.

Die einzig wirklich nette Abwechslung, an welcher man auch als Nicht-Taucher teilnehmen kann, ist eine Führung durch eine der lokalen Perlfarmen. Hier erfährt man, weshalb die Südseeperlen als so exquisit gelten und welche Phasen bei der “Produktion” durchlaufen werden:

  • Da Austern einen “verschluckten” bzw. künstlich eingeführten Gegenstand über die Jahre mit zahllosen Schichten an Perlmutt überziehen, wird aus Qualitätsgründen eine gelbe Süsswasserperle aus dem Mississippi als Basis verwendet. Diese muss gegen teures Geld in den USA eingekauft werden.
  • Damit die Farbqualität, welche eine Auster hervorbringt, verbessert werden kann, wird immer wieder eine eigentlich exzellente Muschel “geopfert” und ein spezieller Teil ihres Fleisches in andere Austern initiiert.
  • Die Zuchtaustern selbst dürfen laut Gesetz nur aus der Lagune von Manihi stammen, was den dort ansässigen Farmen eine Art Monopolstellung gibt, welche sie natürlich auch ausnutzen.
  • Nach dem Kauf der Auster wird diese für 2 Jahre “grossgezogen”, bevor sie zum ersten Mal mit einer gelben Perle und einem Stück “Fleisch” befruchtet werden kann.
  • Bis zur ersten “Ernte” dauert es dann drei weitere Jahre.
  • War das Ergebnis befriedigend, d.h. möglichst grosse, runde Perle von guter Qualität und Farbe, wird die Operation ein zweites Mal wiederholt.
  • Die besten aller Austern können sogar noch ein drittes Mal befruchtet werden, wodurch sie innerhalb von 11 Jahren drei Perlen produziert haben.

Höchst interessant und uneingeschränkt zu empfehlen. Und selbstverständlich hat man nach der Tour noch die Möglichkeit, den hauseigenen Shop zu besuchen Smiley

Manihi & Rangiroa by Jenny: Glänzende Perlen und völlige Abgeschiedenheit

Manihi

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Speedboot-Taxi zum Motu                          Ankunft auf unserem eigenen Motu

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Endlich geklappt: ein Bungalow mit Meerblick               Essbereich

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Ausblick vom Bungalow

Unser Haustier Smiley

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Beobachtungspunkt der Haifische             Korallenfriedhof

Ganz gefrässige Tierchen

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So verflogen die Tage ganz rasch auf dem einsamen Motu

Rangiroa

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So sieht das Innenleben von einer Auster aus, welche schwarze Perlen produziert

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Operation an der Auster damit sie Perlen produziert   Fertige Perle nach 3 Jahren

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Die Lagune ganz ruhig, wie ein See           Nach Unwetter war das Wasser überall

Eine ruhige Lagune, ganz plötzlich mit hohen Wellen bei einem Unwetter

Da schwappte das Wasser bis auf die Insel

Bora Bora by Nicola: Insel der Superlativen

Nach dem Besuch zweier nicht wirklich bekannter Gesellschaftsinseln, waren wir dazu bereit, uns den “touristischen Overkill” zu geben: Bora Bora, Traum aller frisch verheirateten Paare, weltbekannt für die blaue Farbe der Lagune, die weissen Strände und die Luxushotels mit ihren Überwasserbungalows. Und obwohl man meinen könnte, dass Ferien auf Bora Bora für Normalsterbliche mit weniger als zehn Millionen auf dem Konto nicht finanzierbar sind (eine Übernachtung in einem der Hotels kostet in der Nebensaison für die günstigste Bungalowkategorie, welche nicht einmal Meerblick hat, mindestens 600 Franken plus 150.- pro Person für die Halbpension!), gibt es bei sorgfältiger Recherche und Planung durchaus charmante und bezahlbare Alternativen. Dank dem gehobenen Standard der Insel kann man bei Selbstversorgung ausserdem von dem breiteren Angebot an Lebensmitteln profitieren und sich ein, zwei Mal ein saftiges Rindsfilet in einem der exzellenten Restaurants gönnen.

Unsere Unterkunft war denn auch wieder eine Pension, betrieben von einer polynesischen Grossfamilie (sieben Kinder!) mit eigenem “Zoo” (drei Katzen, ein Hund und viele Hühner), privatem Weckservice morgens um fünf (diese ****** Hähne), gratis Internetzugang und einem tollen Willkommens- (Perle) und Abschiedsgeschenk (Muschelkette). Und weil, wie bereits erwähnt, auch die Mahlzeiten nicht ausschliesslich mehr aus Dosenfutter bestanden (es gab Barilla-Sauce statt Dosenfleisch, kopierter Import-Emmentaler aus Frankreich und sogar einige Früchte), war es nicht so tragisch, dass es die ersten vier Tage unseres Aufenthaltes praktisch ununterbrochen geregnet hat und wir deshalb leider nie an den Strand konnten. Die Vorbereitungen für Südamerika müssen schliesslich auch irgendwann gemacht werden Smiley

Als es am fünften Tag dann aber endlich wieder schön wurde, gab es kein halten mehr und wir fuhren mit den gemieteten Fahrrädern auf der “schönsten Strasse der Welt” (zwei Meter vom Rand der Lagune entfernt, mit perfekt geschwungenen Palmen) zum bisher schönsten Strand auf einer Hauptinsel (diejenigen auf den Motus sind teilweise noch etwas attraktiver), gingen im blausten Wasser schwimmen und schnorcheln und tranken Bier zum bisher schönsten Sonnenuntergang unserer Weltreise. Von so viel Superlative muss man sich natürlich auch erholen und so gönnten wir uns ab und zu einen leckeren Cocktail auf der Terrasse eines der teuren Schuppen, wobei zu erwähnen ist, dass dies sogleich auch der günstigste Weg ist, um an ein Kajak für Ausflüge zum Vorgelagerten Korallengarten zu kommen, da alle konsumierenden Gäste das Material gratis nutzen können, anstatt es zu mieten…

Ebenfalls in die Kategorie “Trinken für ein günstigeres Leben” fällt auch unser letztes Highlight des Bora Bora – Besuchs. Die unbezahlbaren Unterkünfte veranstalten ca. zweimal wöchentlich einen traditionellen polynesischen Abend, an welchem jeweils eine einheimische Tanz- und Musiktruppe aufspielt. Da dieses Ereignis eigentlich exklusiv den Hotelgästen vorbehalten ist, erhält man nur Zutritt, wenn man gleichzeitig einen Tisch für das Dinner-Buffet reserviert. Kostenpunkt: ab 120.- pro Person! Als mittlerweile “Profi-Langzeitreisende” weiss man sich aber selbstverständlich auch in dieser Situation zu helfen: ganz zufällig geht man an besagtem Abend eine gute Stunde vor Beginn in die Hotelbar und bestellt sich einen Cocktail, an welchem man dann gaaaaaaanz langsam nuckelt, um ja sicherzustellen, dass er auch nach einer Stunde noch nicht leer ist. Da man sich ja auch das Hotel per Zufall so ausgewählt hat, dass die Bar direkt neben dem Restaurant liegt, kann man die Show gemütlich vom Tresen aus beobachten. Und das “schlimmste” was einem dann passieren kann ist, dass man von der lustigen Truppe in die Show integriert wird. Beweise findet ihr in Jennys Fotoreport… So geht das! Smiley

Zum Abschluss noch einige Hinweise speziell für Bora Bora:

  • Wie auf allen polynesischen Inseln herrscht hier ein “Hundeproblem” aufgrund mangelnder Kastrationen und verantwortungsloser Besitzer, welche ihre Vierbeiner speziell Abends nicht anleinen. Im Vergleich zu Ra’iatea und Maupiti ist es hier aber ungleich schlimmer, wodurch das Radfahren insbesondere nach Dunkelheit zu einem wahren Spiessrutenlauf verkommt. Möchte man nicht vorzeitig als Hundefutter enden und sich lange Sprinteinlagen mit dem Velo ersparen, sollte man wissen, dass die meisten Restaurants bei Reservation einen kostenlosen Abhol- und Bringservice anbieten.
  • Auf Bora Bora wird Privateigentum (zu) gross geschrieben, was ärgerlicherweise dazu führt, dass teilweise sogar Strandabschnitte illegaler weise (hier zählt französisches Recht) abgezäunt und von einem unfreundlichen Vierbeiner bewacht werden. Da der einzige einfach zugängliche Strandabschnitt aber sehr schön ist, ist dies nur begrenzt tragisch.
  • Thema Übergewicht: Obwohl viele Polynesier viel und ungesund essen, meinen wir natürlich nicht den Leibesumfang… Viel mehr geht es um Gepäcklimiten beim Fliegen. Wo andere polynesische Check-In-Beamte auch bei zwei, drei Kilo zu viel im Rucksack nichts zu beanstanden haben und einen lieber durchwinken, statt die Kasse zu bemühen, ist für Bora Bora die Verrechnung von Übergewichtszuschlägen wahrscheinlich ein wichtiges wirtschaftliches Standbein; anders können wir uns nicht erklären, weshalb man bereits ab den ersten hundert Gramm zur Kasse gebeten wird. Hat man – wie wir – einige Kilo mehr, geht die Abreise ganz schon ins Geld… Deshalb immer noch eine zusätzliche Tragtasche mitnehmen, welche man vor den Adleraugen des Personals am Check-In verbirgt! Sollte dieses doch entdeckt werden, wird es ebenfalls gewogen, verlieren kann man aber nicht.

Bora Bora by Jenny: Das Tanzbein schwingen und im grossen Pool ein paar Runden drehen

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Bora Bora mit dem beeindruckendsten Strand der Gesellschaftsinseln

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Die schönste Strasse der Welt                 Hüpfende Geckos von der Decke

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Der Luxus auf Stelzen!                               Korallenriff, vom Kayak aus zu sehen

Unterwasserwelt

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Fühlte sich wie ein grosser Pool an

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Traumhafte Sonnenuntergänge

Traditionelle polynesische Tanzshow

Da muss ich noch etwas üben Smiley

Maupiti by Nicola: Zurückgeblieben im Paradies

Ra’iatea und Taha’a waren zwar schön, dem Südsee-Klischee haben die beiden Inseln aber nicht unbedingt entsprochen. Da natürlich auch wir in erster Linie einen Abstecher nach französisch Polynesien gemacht haben, um den perfekten Strand mit weissem Sand, elegant geschwungener Palme und türkisblauem Wasser zu finden, heisst unsere nächste Destination Maupiti. Die kleine Insel mit etwas mehr als 1’000 Einwohner gilt als absoluter Geheimtipp unter den sog. “Gesellschaftsinseln” und ist vor allem wegen ihrer fünf wunderschönen Motus (kleine Wiederholung vom letzten Mal: ein Motu ist ein kleines Inselchen auf dem ringförmigen Riff rund um die Lagune und besteht grösstenteils aus Korallen) bekannt. Das Erste sieht man schon bei der Landung in seiner vollen Pracht: beim Anflug von oben und nach der Landung bei der Gepäckausgabe. Überhaupt haben wir den Flughafen von Maupiti als den schönsten und einer der spektakulärsten bisher empfunden: da er auf einem Motu liegt, ist die Landepiste so kurz, dass das Flugzeug auch bei schönem Wetter nur unter Einsatz einer Vollbremsung rechtzeitig zum stehen kommt; bei schlechtem Wetter kann die Insel gar nicht angeflogen werden. Ausserdem besteht die “Ankunft- und Abflughalle” aus einem überdachten Viereck mit improvisierter Gepäckausgabe, einer Toilette und zwei Schaltern. Und selbstverständlich liegt das Ganze direkt an der türkisfarbenen Lagune! Entsprechend anders gestaltet sich auch der “Flughafentransfer” zum Hauptort der Insel. Wo in anderen Ländern bzw. auf anderen Inseln der öffentliche Bus verkehrt, setzt man hier mit einem Motorboot über, auf welchem – abgesehen von den Touristen – jeweils auch das gesamte Flughafenpersonal (zwei Schalterangestellte, zwei “Gepäckverlader” und ein Feuerwehrmann) mitfährt, da sowieso nur alle drei Tage ein Flugzeug fliegt…

Im einzigen Dorf der Insel angekommen, wurden wir vom Ehemann der Hostelbetreiberin abgeholt und in unsere Unterkunft gebracht. Dort wurde uns dann noch der einzige andere Gast vorgestellt: eine ehemalige Langzeitreisende, welche nach sieben Jahren unterwegs in Maupiti hängen geblieben ist und nun bereits seit acht Jahren alle wichtigen (und unwichtigen) News von Maupiti für die einzige Zeitung in Polynesien zusammenträgt. Da sie sich in der Pension anscheinend sehr wohlfühlt, wohnt sie auch heute noch dort, wobei “hausen” wahrscheinlich der treffendere Begriff wäre, da in ihrem Zimmer und der eigenen kleinen Küche ein heilloses Chaos herrscht. Bei der ersten Besichtigung unseres Zimmers dann die nächste Überraschung: direkt vor dem Fenster liegen die verstorbenen Familienmitglieder unter der Erde. Sorgt zwar bei entsprechender Windrichtung für etwas Mief, dafür hat man aber keine lärmenden Nachbarn Smiley (leider schreien diese auch nicht, wenn ein Einbrecher sein Glück am Fenster versucht; so geschehen am zweiten Abend! Zum Glück waren wir noch wach und konnten ihn mit Rufen schnell in die Flucht schlagen…)

Unser erster Gang nach Deponierung der Rucksäcke führte uns natürlich in einen von zwei Dorfläden (da hier jeder geöffnet zu haben scheint, wann er möchte, ist es oft reine Glückssache, ob man vor geschlossenen Toren steht oder nicht), wo wir zu unserem grössten Entsetzen feststellen mussten, dass das Sortiment in Ra’iatea verglichen mit hier geradezu als erschlagend bezeichnet werden kann: abgesehen von Dosenkarotten und –mais, Instantkaffee, Reis, Nudeln und Cola, gabs nichts zu kaufen! Zwar sollten wir bereits am nächsten Tag den Grund für die nicht vorhandene Auswahl kennen – das Versorgungsschiff, welches nur einmal im Monat anlegt, hat eine Woche Verspätung!!! – von frischer oder gar gesunder Ernährung konnte aber weiterhin keine Rede sein. Das Problem wird zusätzlich noch durch die Tatsache verschärft, dass die Einheimischen wahrscheinlich zu einem Viertel von Hamstern abstammen: anders lässt sich nämlich nicht erklären, weshalb die gut gefüllten Regale zwei Tage nach erfolgter Warenlieferung bereits wieder leer und die Baguettes beim Bäcker bereits morgens um 9 Uhr ausverkauft waren. Wenigstens wissen wir jetzt, dass in den durchschnittlich fünf Kühltruhen pro Haushalt nicht die Überbleibsel letzten Touristen “zwischengelagert” werden.

Die Mangelernährung, welche langfristig unausweichlich ist, könnte zusammen mit der sicherlich weit verbreiteten Inzucht, dem Konsum von “horizonterweiternden Stoffen” (werden direkt hier angebaut) und der erhöhten atomaren Belastung der Umwelt (die Franzosen haben bis 1997 Polynesien zum Test von Kernwaffen genutzt, streiten bis heute aber jegliche Schuld ab) auch eine Erklärung dafür bieten, weshalb die Leute hier alle etwas “verlangsamt” sind und geistigen Halt in einer der zahlreichen Freikirchen (für die 1’200 Einwohner gibt es neben Katholiken und Protestanten noch sechs weitere Institutionen) suchen, welche oft von ausgewanderten Europäern geführt werden. Speziell diese Tatsache ist es leider auch zu verdanken, dass die ursprüngliche polynesische Kultur auf Maupiti – im Unterschied zu Ra’iatea und Taha’a – praktisch nicht mehr gelebt wird.

Was uns ein weiteres Mal erstaunt hat, ist die Tatsache, dass man trotz tropischem Klima mit viel Regen (praktisch jede Nacht, zweimal sogar am Tag) im Supermarkt so gut wie nie frische Früchte kaufen konnte, da die Leute zwar Bananen, Mangos, Guava und Papaya selbst anbauen, in der Regel aber auch alles selbst konsumieren und nur eventuelle Überschüsse direkt an der Strasse verkaufen. Und so gabs halt die tägliche Dosis an Vitaminen einmal mehr in Form von Kapseln…

Hitze, Feuchtigkeit, Einbrecher, Mücken, schlechtes Essen, etc. Sollte man denn Maupiti überhaupt besuchen? Ja doch, unbedingt! Alleine der Besuch der Motus entschädigt einen für viele Mühseligkeiten. Zwar gibt es auf der Hauptinsel selbst auch einen Strand, dieser verblasst aber komplett gegenüber dem “Motu-Feuerwerk”: Postkartenstrände und –wasser, Stachel- und Mantarochen direkt vor dem Ufer (Letztere sieht man leider nur bei klarem Wasser, da sie sich in einer tiefe von acht Metern aufhalten) und die Möglichkeit, mit einem gemieteten Kajak bis zum äussersten Korallenring vorzustossen, lassen einen Blutsauger, Dosenfrass und dumme Menschen schnell vergessen. Und wenn man besonderes Glück hat, wird man von den Vermietern des Kajaks noch zur Degustation der exklusiven Guava-Konfitüre aus Eigenproduktion eingeladen! Obendrauf gibts dann noch gratis einen zünftigen Sonnenbrand, welcher einen auch drei Tage später noch an die grandiosen Erlebnisse erinnert. Ebenfalls ins Gedächtnis brennt sich auch die Besteigung des knapp 400 Meter hohen Felsklotzes im Zentrum der Insel: selbst wir als gestandene Bezwinger des Mount Kinabalu (man erinnere sich an dessen Höhe von knapp 5’000 Metern) haben 15 lausige Meter vor dem “Gipfel” kapituliert. Denn was sich einfach anhört, hat es gehörig in sich: steile Aufstiege über nahezu nicht erkennbare Dschungelpfade wechseln sich mit halsbrecherischen Kletterpartien ab, welche an einigen Punkten so gefährlich sind, dass Seile montiert wurden, um sich provisorisch daran abzusichern. Leider muss man gerade auf den letzten 20 Metern komplett auf diese Hilfe verzichten, obwohl es gerade da speziell nötig wäre… Für passionierte Freeclimber wahrscheinlich ein Klacks, für uns den Weg ins (weit, weit entfernte) Spital nicht wert. Gute Panorama-Ausblicke gab es zum Glück aber schon von unterwegs!

Fazit für Maupiti: wer genügend Mückenspray und Sonnencreme mit hat, sich aus der Studentenzeit noch an Dosenfutter gewohnt ist und sich weder vor Toten noch Einbrechern fürchtet, dem sei die kleine Insel vorbehaltlos empfohlen. Zur Belohnung gibts abschliessend übrigens noch eine Blumenkette, bevor man vom Boot zurückgebracht wird zum schönsten Flughafen der Welt.