Balkanreise by Nicola: pure Emotionen

Wenn es in der Schweiz um das Thema „Balkan“ geht, scheiden sich die Geister und es werden aufgrund von eigenen Erfahrungen mit Auswanderern aus dieser Region bzw. deren (Schweizer) Kinder, (Räuber-)Geschichten anderer Personen, Klischees oder Medienberichten die kontroversesten Diskussionen losgetreten. Wir hatten viel von der Schönheit dieser Gegend gehört und wollten uns selbst davon überzeugen, was alles an dem dran ist. Und eines vorweg: so manches Klischee trifft zu, andere wiederum so gar nicht.

Da wir aufgrund von Jennys‘ fortgeschrittener Schwangerschaft vom ursprünglichen Plan, unseren Roadtrip mit einem weiteren Segeltörn zu verbinden, wieder abgekommen sind, haben wir uns für Podgorica als Ausgangspunkt für unsere knapp dreiwöchige Reise entschieden. Im Gegensatz zu den „einschlägigen“ Flughäfen der Region, wie Split oder Dubrovnik, ist der Flughafen der Hauptstadt von Montenegro eher beschaulich und mit knapp zwei Dutzend Flügen pro Tag nicht besonders stark frequentiert, bietet jedoch ausgesprochen günstige Direktflüge von und nach Zürich. Ausserdem würde unser abschliessender Strandurlaub auch in Montenegro stattfinden, wodurch wir schnell wieder beim Flughafen wären.

Da ein öffentliches Verkehrsnetz in den Ländern Ex-Jugoslawiens abgesehen vielleicht von den grossen Städten non-existent ist, haben wir bereits im Vorfeld einen Mietwagen gebucht. Obwohl extrem gut versichert (von den totalen Mietkosten haben Versicherungen mit etwa 70% zu Buche geschlagen), ist der Mitarbeiter am Schalter der Vermietungsfirma merklich erbleicht, als er auf seine Frage, ob wir gedenken, das nagelneue Auto (800 KM auf dem Tacho) in ein anderes Land zu nehmen, mit „Bosnien“ und „Kroatien“ geantwortet haben. Und natürlich hat er uns postwendend einen Zuschlag für „das Führen eines Mietwagens in Ländern in welchen dies gemäss AGB nicht erlaubt ist“ aufgedrückt und einen dubiosen Stempel in den Mietvertrag gestampft. „Das kann ja heiter werden“, haben wir uns gedacht und wären – trotz aller Vorsicht – beim Ausfahren aus dem Flughafengelände schon fast gerammt worden. Diese Rücksichtslosigkeit und den Egoismus im Strassenverkehr, welche die Einheimischen (übrigens sehr oft auch mit CH-Nummer und BMW oder Merz) hier an den Tag legen, sollte uns während der ganzen Reise begleiten und regelmässig dazu führen, dass Nicola fast einen Herzinfarkt gekriegt hätte. Klischee Nr. 1: leider bestätigt.

Die ersten beiden Tage haben wir in der Umgebung von Podgorica verbracht, um uns zu akklimatisieren und einen Abstecher zum Skadar-See zu machen. Der grösste See des Balkans und seine Umgebung stehen unter Naturschutz und können nur mit geführten Bootstouren und unter Bezahlung einer Eintrittsgebühr in das Reservat angeschaut werden. Das Ganze ist jedoch äusserst lohnenswert, da der See zu grossen Teilen von Seerosen überwachsen ist, welche während unseres Besuchs gerade in Blüte standen. Ausserdem wird auf der Rundfahrt auch ein Badestopp gemacht, welcher eine willkommene Abkühlung von den schwülen Temperaturen bietet (gemäss Guide kann es im Sommer bis zu 45 Grad heiss werden). Da unser junger Guide auch sehr gut Englisch gesprochen hat, haben wir von ihm viel Wissenswertes rund um Montenegro und dessen Geschichte erfahren, so zum Beispiel auch, dass sich das kleine Land in den ganzen Jugoslawienkriegen mehrheitlich rausgehalten hat, dass die Regierung heute gerne in die EU möchte, obwohl die Bevölkerung dem skeptisch gegenüber steht (sie befürchten insbesondere hohe Zölle auf den hier ach so wichtigen Tabak) oder dass das Nachbarland Albanien und insbesondere dessen Einwohner als verrückt angesehen werden (sollten wir immer wieder hören).

Unsere erste lange Fahrstrecke sollte uns in etwa drei Stunden zum zweiten Etappenziel bringen: nach Mostar in Bosnien & Herzegovina. Die Betonung liegt hier ganz klar auf „sollte“: schlechte Strassen, welche auch noch unvermittelt und ohne Vorankündigung gesperrt werden, enorm zeitraubende Grenzübertritte zwischen den Ländern, Tiere auf der Strasse (Nicola hat fast einen Truthahn überfahren), plötzliche, sintflutartige Regenfälle oder Stau wegen Motorüberhitzung oder Unfällen haben uns bereits am ersten Fahrtag gelehrt, dass vernünftige Zeitschätzungen beim Verkehr hier wohl nicht möglich sind. Und so sind wir dann nach viereinhalb Stunden in Mostar angekommen… Die Stadt selbst entlohnte uns mit ihrer wunderschönen Altstadt, der weltbekannten Brücke und dem exzellenten Essen mehr als nur für die Strapazen. Da es auch einige lohnenswerte Ausflüge in der Region gibt – z.B. die Kravice-Fälle – und man in den Kriegsmuseen sehr viel Wissenswertes rund um den tragischen Konflikt in Bosnien lernen kann, können wir die Gegend sehr empfehlen. Punkto Essen. Klischee Nr. 2 „man isst hier (fast) nur Cevapcici“ hat sich bisher (in einem sehr positiven Sinn) ebenfalls erfüllt: solche riesigen und wohlschmeckenden Fleischportionen wie hier, kriegt man fast nirgends auf der Welt. Und wenn die Portionengrösse wieder einmal völlig over the top war, kann man sich das Ganze einfach einpacken lassen und einem der zahlreichen Bettler vorbeibringen (die Stadt ist auch heute noch in vielerlei Hinsicht vom Krieg geprägt).

Auf der Fahrt von Mostar nach Split, wo wir auf eine Fähre zur Insel Vis einschiffen wollten, wird dann mit jedem Dutzend zurückgelegte Kilometer mehr ersichtlich, dass es Kroatien wirtschaftlich wesentlich besser geht und die Bedeutung des Tourismus weitestgehend erkannt wurde: gut ausgebaute Autobahnen, ein besserer Umgang mit der Natur (in Montenegro und Bosnien werden Abfälle einfach dort fallengelassen, wo man sich gerade befindet und kleine Katzen welche in Restaurants um Futter betteln werden von Kindern gestreichelt oder geschlagen, wie es gerade beliebt und die Eltern schauen einfach zu, etc.), aber auch ein merklich höheres Preisniveau stechen im Staat mit dem grössten Teil der Adria-Küste ins Auge. Da könnte man meinen, dass die Einschiffung in der grössten Stadt im Süden Kroatiens einigermassen gut organisiert wäre. Zum Glück hatten wir, gemäss Faustregel von unserer Reise nach Bosnien, bereits 20% Extra-Zeit eingerechnet und diese nicht für die Fahrt selbst gebraucht. So konnten wir auch den einstündigen (!!!) Stau auf den letzten zwei Kilometern zum Hafen verkraften, ohne die Fähre zu verpassen (Grund für den Stau war übrigens, dass alle Einheimischen auf der Gegenspur oder „Schleichwegen“ nach vorne fahren und dort einfach reinquetschen, ohne Rücksicht auf Verluste).

Vis selbst gilt als eine der ruhigsten Inseln vor Split, da nicht wirklich partytauglich (die Nachbarinseln Hvar und Brac werden in der Hochsaison von feierwütigen Jugendlichen förmlich überrannt). Und weil selbst die einzige Sehenswürdigkeit, welche wir uns fix eingeplant hatten, während der Saison von Tagestouristen überschwemmt wird und die Preise für eine sechsminütige Besichtigung inkl. Bootstransfer entsprechend exorbitant sind (die Kroaten haben ein sehr ausgeprägtes Gespür für Angebot und Nachfrage), haben wir die drei Tage/Nächte vor allem relaxed und einfach nichts getan.

Die so angesammelte Energie konnten wir gut für die folgende Reise nach Dubrovnik (eine Enklave von Kroatien, d.h. man reist aus Kroatien aus und nach Bosnien ein und dann wieder zurück nach Kroatien), sowie die Besichtigung dieser altehrwürdigen und in neuerer Zeit insbesondere aus Game of Thrones bekannten Stadt gebrauchen. Und obwohl Dubrovnik zweifellos DER Touristenmagnet in der Gegend ist, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen und ein, zwei Tage in und um die wunderschöne Altstadt verbringen: „rein, schauen, raus“ oder so…

Nach drei Ländern und dem ganzen Sightseeing war für die Schwangeren Strandurlaub angesagt. Nur, wo zum Teufel gibt es hier „richtigen“ Strand, d.h. mit Sand und nicht Kies? Wir wussten das natürlich und haben bereits im Voraus ein Häuschen in der Region des absoluten Geheimtipps in Europa, was Strandferien anbelangt, gebucht: Ada Bojana, ein Naturschutzgebiet auf einer Insel, von einem Flussarm getrennt von Montenegro und von einem anderen von Albanien. Dort wo der Fluss ins Meer fliesst, erstreckt sich ein 18 Kilometer langer und bis zu 400 Meter breiter Sandstrand aus feinstem, schwarzem Sand. Was noch besser ist: man kann sich tolle „Wasserbungalows“ entlang des Flusses mieten, von deren Terrassen man direkt in das kühle Nass springen kann. Eine riesige Kite-Only-Zone mit 90% Windwahrscheinlichkeit im Sommer gibt es auch und an jeder Ecke steht ein tolles Restaurant mit herrlichem frischen Fisch. Wenn man am Wochenende nicht gerade lärmempfindlich ist (das junge Partyvolk von Montenegro lässt es dann gerne am Strand oder in dem Flusshüttchen krachen), der absolute Traum!

Entsprechend endet hier unser Beitrag auch mit Klischee Nr. 4 und 5: wir wurden von der Schönheit der Gegend nicht enttäuscht und können sie ebenfalls nur loben. Auch die Menschen hier sind in einem positiven Sinn sehr emotional: wenn nicht gerade gegen alle gewettert wird, obwohl man selbst als einziger Esel in eine offensichtliche Einbahnstrasse gefahren ist und alle anderen blockiert, es aber nicht so sehen will, sind die Leute sehr herzlich, zuvorkommend und kontaktfreudig. Und kochen können die! Wir haben nie schlecht gegessen.

Unser Gesamtfazit: hinfahren, geniessen und einfach vor jeder Autofahrt ein Valium schlucken.

Balkanreise by Jenny: Ein kleine Traumdestination “Ada Bojana”

Mostar (Bosnien)

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Guter bosnischer Kaffee direkt am Fluss Neretva

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Kravice Wasserfälle, ohne Touristen (gibt es nur morgens um 08 Uhr)

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Romantischer Blick auf die Stari Most (weltbekannte Brücke)

Insel Vis (Koratien)

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Die Seele baumeln lassen

Dubrovnik (Kroatien)

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Jeder Fan von Game of Thrones kennt “Kings Landing”, ääähh Dubrovnik, natürlich

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Die Kroaten haben den WM-Halbfinal gewonnen

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Gemütliches Kaffeetrinken mit den zwei lustigen Musikanten

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Ein etwas anderer Hamburger über den Dächern von Dubrovnik, mhhhhh

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Die Reise nach Montenegro mit einer Abkürzung über die Autofähre

Montenegro

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Ein super Tag auf dem Skadar-See

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Deltarundfahrt um Ada Bojana

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Der perfekte Kite Strand für Nicola

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Und so gingen unsere letzten Ferien zu zweit mit Sonne, Strand, Fluss, gutem Fisch und Sonnenuntergänge in Ada Bojana, wo wir in einem Flusshüttchen übernachteten, zu Ende.

 

Zusammenfassung Balkanreise 2018 Jenny & Nicola

Balearentörn & Menorca by Nicola: Segeln kann auch relaxter sein

Mit dem erfolgreichen Bestehen der theoretischen Hochseeprüfung Anfang April, steht dem Sammeln der verbleibenden 750 Seemeilen zum Erhalt des Scheins nichts mehr im Weg. Da wir bereits auf diesen Umstand spekuliert hatten, nutzten wir die Zeit mit den vielen Feier- und Brückentage rund um den ersten Mai und Auffahrt für unseren zweiten Törn. Als Destination hatten wir uns diesmal für die Balearen entschieden.

Nach einem verspäteten Flug (wird ja für uns schon fast zur Gewohnheit), haben wir unseren Skipper und den weiteren Mitsegler in der Marina El Arenal getroffen. Es folgten Einkauf, eine sehr umfassende Sicherheitseinweisung und generelle Einführung zu unserer Benetau Cyclades 50.5, sowie die Besprechung der Route. Weil gemäss Wettervorhersage für die ersten beiden Tage zwar starker, aber auf die Ostseite von Mallorca beschränkter Wind angekündigt wurde, haben wir uns entschieden, aus «Rund um Mallorca» ein «Rund um die Hälfte von Mallorca und Menorca» zu machen und insbesondere die Ostküste von «Malle», sowie West- und Südwestküste der kleinen Schwesterinsel anzusteuern. Als Abschluss sollte die «Isla Cabrera», ein Naturschutzgebiet südlich von Mallorca dienen.

Was im Vergleich zum letzten Törn auf den Kanaren doch schockierend anders war, war das Preisniveau für Anlegeplätze im Hafen: Teneriffa, etc. um Weihnachten (!!!): durchschnittlich 30 bis 35 Euro; Mallorca / Menorca im Frühling, kurz vor Saisonbeginn: 80 bis 130 Euro! Entsprechend kam es allen sehr gelegen, dass die beiden Inseln viele wunderschöne Buchten haben, in welchen kostenloses Ankern erlaubt ist. Wir haben uns deshalb auf drei Übernachtungen in Häfen beschränkt und stattdessen viermal in traumhaften Buchten geankert, was nicht nur klare Sternenbeobachtung in der Nacht ermöglichte, sondern auch zum einen oder anderen witzigen und unvorhergesehenen Ereignis führte, so z.B. dem Ertappen eines Pärchens inflagranti, welches sich frühmorgens vermeintlich unbeobachtet leidenschaftlich am Strand paarte

Da es nicht unser erster Törn war, gab es selbstverständlich auch viele bereits bekannte Dinge: Knoten repetieren und anwenden, bei Manövern tatkräftig unterstützen, aber auch am ersten Tag bei kräftigem Seegang die Fische mit halbverdautem Mageninhalt füttern Lag bei Jenny aber evtl. auch an der Tatsache, dass sie einen «blinden Passagier» mitträgt und sich dadurch auch bei der Mitarbeit auf dem Schiff sehr stark zurücknahm (und Ablenkung senkt ja bekanntlich die Wahrscheinlichkeit von Übelkeit auf See).

Der lehrreiche Spass war nach einer Woche und knapp 210 Seemeilen aber leider auch schon wieder vorbei. Nachhause ging es für uns aber noch nicht, da wir eine Verlängerungswoche auf Menorca eingeplant hatten. Diese stand ganz im Zeichen der Erholung, des Geniessens und einiger kurzer Ausflüge, z.B. nach Ciutadella, zweitgrösste Stadt der Insel und eine Art «Mini-Bonifacio». Höhepunkt war aber zweifellos die Tagesmiete eines sportlichen Motorboots, mit welchem wir die schönsten Buchten angefahren sind.

Wir freuen uns schon auf die verbleibenden 550 Seemeilen und natürlich auch auf die nächsten Ferien.

Balearentörn & Menorca by Jenny: Fast wie in der Karibik

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Bei Sonnenuntergang einchecken im Segelboot auf Mallorca (El Arenal)

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Unser Skipper und die Rettungswesten sind bereit

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Fahrt in Richtung der Bucht “Cala Mityana (Mallorca)”

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Meine Crew an Bord, da geht es dem blinden Passagier einwandfrei und ich konnte auch ab und zu ein Nickerchen machen Smiley

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Ankunft in der sehr schönen und verlassenen Bucht “Cala Mityana” wo wir den Anker und eine Landleine befestigten, um zu übernachten

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Freie Fahrt nach Menorca

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Übernachtung im Hafen von Ciutadella in Menorca, das Hafenstädtchen ist wie die Miniaturversion von Bonifacio in Korsika

 

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Ankern in der sehr schönen Bucht Maccarella in Menorca, mit unserem 16.5 Meter Segelschiff

 

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Badestopp in einer Bucht der Isla Cabrera; fast wie in der Karibik nur das Wasser war etwas kalt mit 16 Grad, brrrr

 

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15 minütige Wanderung zur Burg auf der Isla Cabrera mit anschliessendem Apero in der Hafenbeiz, der Octopus war super gut

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Landfährtchen auf Menorca mit einem Fiat in meiner Lieblingsfarbe Smiley

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Motorbootsausflug rund um die bucht von Cala Galdana in Menorca; das Düsen auf dem Meer machte richtig Spass jedoch zu einem hohen Benzinpreiss Zwinkerndes Smiley

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Die Seele baumeln lassen in der Bucht von Cala Galdana beim abendlichen Sonnenuntergang; die Balearen waren sehr sehenswert mit den vielen kleinen Buchten.

Segeltörn Kanaren by Nicola: aller Anfang ist schwer

Individualreisender bleibt man wohl ein Leben lang. Erwartungen und Reisestil ändern sich aber zwangsläufig, speziell wenn man nicht mehr den Ferienumfang von Studenten hat und die 5-6 Wochen pro Jahr entsprechend gut geplant sein wollen. Wenn also ausgedehnte Rucksackreisen zeitlich nicht mehr drinliegen und Party und Dorm-Betten der Hostels nicht mehr den gewünschten Erholungswert bieten, man sich aber nicht ausschliesslich in Hotels und mit der Masse begnügen möchte, muss eine neue Form des Reisens her. Und so haben wir im letzten halben Jahr die Fortbewegung auf dem Wasser für uns entdeckt: den nationalen Motorbootschein haben wir bereits in der Tasche, derjenige für das Segeln auf Schweizer Gewässern sollte in den nächsten Monaten folgen und gleichzeitig sind wir bereits in der frühen Phase des Hochseescheins, auch wenn dessen Vervollständigung noch ein, zwei Jahre dauern dürfte, da man nicht nur eine 7-stündige Prüfung in Theorie und Navigation absolvieren, sondern auch 1’000 Seemeilen praktische Erfahrung nachweisen muss. Das Sammeln dieser Meilen erfolgt im Rahmen von Ausbildungstörns und so ist uns die Planung für unseren Weihnachtsurlaub entsprechend leicht gefallen: passendes Segelrevier gesucht (im Winter aufgrund Temperaturen nur Kanaren), Schiff mit Skipper gechartert und Flug gebucht.

Im Nachhinein betrachtet, hätten wir uns wohl etwas eingehender mit der Thematik beschäftigen sollen. Dann hätten wir evtl. auch bemerkt, dass die Kanaren als Starkwindgebiet mit ordentlichem Wellengang zählen (6-8 Beaufort, 2-3 Meter hohe Wellen) und die tägliche Segeldauer aufgrund der grossen Distanz zwischen den Inseln mit 7-9 Stunden relativ hoch ist. Mit diesem Wissen hätten wir uns wahrscheinlich auch die nicht so angenehmen Erlebnisse des ersten Tages erspart, als unsere Speiseröhre aufgrund des Seegangs beschloss, ihre Funktionsweise umzukehren und den Mageninhalt nach oben und über Bord zu befördern. Das kurzfristig eingenommene Medikament konnte am ersten Tag auch keine Abhilfe mehr schaffen und so wurden wenigstens die Fische zwischen Teneriffa und Gran Canaria mit einem vorgekauten Frühstück versorgt. Am zweiten Tag verhinderte die frühe Einnahme der Tropfen gegen Seekrankheit eine Wiederholung des Spasses, führte aber dazu, dass ein Faultier auf Valium mehr körperliche Aktivität zeigte, als wir. Ab Tag drei konnte uns die See dann auch ohne Chemie nichts mehr anhaben und wir konnten das Segelerlebnis geniessen und viel Erfahrung sammeln. Die Fahrstrecken wurden dadurch zwar nicht kürzer, aber wir waren endlich in der Lage, die hier heimischen Delfine und Wale zu sehen, Gespräche mit Skipper und weiterem Gast zu führen, Knoten und Segeltechnik zu vertiefen und ganz allgemein herunterzufahren. Dies hat auch darüber hinweggetröstet, dass die Inseln der Kanaren mit Ausnahme des sehr schönen La Gomera von See aus gesehen ziemlich trist sind und unser Kahn aufgrund seines Alters an einigen Stellen dem hohen Wellengang nicht mehr 100% widerstehen konnte und wir unser Bettzeugs abends manchmal trocknen mussten.

Auch die Hafenerlebnisse sind durchaus erwähnenswert: charmante Schiffsnachbarn wechselten sich mit dauersaufenden Russen ab, kleine Fischerhäfen mit grasvertickenden Hippies mit grossen, industriell ausgerichteten Häfen. Highlight eines jeden Tages im Hafen war das Bestaunen der – sehr oft nicht vorhandenen – Einpark-Fähigkeiten der Schiffsmieter. Und wenn dann noch an der falschen Stelle im Hafen angelegt wurde war eine kleine Prügelei zwischen „Falschparker“ und „Möchtegern-Stegbesitzer“ nicht ausgeschlossen.

Action gabs also genug und nachdem wir nun auch wissen, wo etwas gemässigtere Segelgebiete zu finden sind, wird die Geschichte sicher eine Fortsetzung haben.

Segeltörn Kanaren by Jenny: von rauer See bis zu Joint-rauchenden Hippies

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Abfahrt mit einer Segelyacht Typ “Bavaria 50” im Hafen von Las Galletas (Teneriffa)

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Das erste Mal alleine aus einem Hafen fahren in Gran Canaria nach einer rauen Überfahrt inkl. Seekrankheit und Dauerschlaf nach Einnahme des Medikamentes gegen Übelkeit

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Fahrt entlang der Küste von Teneriffa mit stetigem Blick auf den höchsten Berg von Spanien (Teide)

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Der Ankertrunk nach der Fahrt gehörte immer dazu: der erste Schluck geht an das Meer, zu Ehren von Rasmus, Poseidon und Neptun

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Ein paar Eindrücke vom Segeln auf hoher See

 

Verspielte Delfine am Bug

 

Pilotwale zwischen Teneriffa und La Gomera

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Im Hippie-Ort von La Gomera (Hafen von Valle del Rey) war die Stimmung am Abend wunderschön und am Morgen kam der frische Fisch direkt an einem vorbei, mhhh

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Im sehr schönen Hauptort auf La Gomera (San Sebastian) hatten wir fast 30 Grad bei gleichzeitiger Weihnachtsbeleuchtung im Örtchen

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So gingen unsere erlebnisreichen Ferien viel zu schnell zu Ende, nur das Gefühl vom Schaukeln bleibt uns noch etwas erhalten Smiley

Madeira & Porto Santo by Nicola: Bergwanderungen am Rande der Südsee

Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben wir uns entschieden, für die langen Sommerferien nicht ans andere Ende der Welt zu reisen, sondern nach Island auch noch zwei weiteren, uns bis dahin unbekannten europäischen Inseln einen Besuch abzustatten: Madeira und Porto Santo. Grund für diese Entscheidung war übrigens nicht die angespannte internationale Lage, sondern die Aussicht auf ein eher unbekanntes Paradies. Leider waren die Aktivitäten der fundamentalistischen Bartträger im mittleren Osten aber vermutlich dafür verantwortlich, dass neben uns gefühlt halb Frankreich, Deutschland und England dieselben Destinationen ausgewählt haben. Mit der erwarteten kompletten „Touri-Ruhe“ war es entsprechend nicht weit her und beide Inseln nahezu ausgebucht. Da die Hotelinfrastruktur heute glücklicherweise noch gar nicht allzu viele Gäste zulässt, beschränkte sich der Grossauflauf auf einige Hotspots, welche entweder direkt mit dem Bus angefahren oder innert weniger Gehminuten erreicht werden können. Und das ist wohl DER Grund, weshalb wir totale Fans geworden sind: viel Natur, welche weitestgehend unberührt und unverdreckt ist, freundliche Einheimische, welche in Touristen nicht nur wandelnde Geldsäcke sehen, sehr frisches, saisonales und authentisches Essen anstelle des internationalen Einheitsbreis, geringe Unterschiede zwischen arm und reich, moderne aber zweckmässige Infrastruktur, kleinere Individualhotels und verhältnismässig wenig Verkehr. Verbunden mit dem angenehmen, sehr gleichmässigen Klima (tägliche Temperaturen immer zwischen 19 und 28 Grad) eine absolute Top-Destination zu (heute noch) erschwinglichen Preisen.

Ein Trip nach Madeira beginnt dabei bereits am ersten Tag mit einem kleinen Abenteuer, welches nach der Ankündigung des beginnenden Landeanflugs durch den Piloten anfängt: dieser gilt aufgrund der Lage des Flughafens zwischen Bergen und Meer als einer der anspruchsvollsten der Welt und so ist man – trotz spektakulärer Aussicht aus dem Fenster – ein bisschen froh, wenn man nach den Turbulenzen wieder festen Boden unter den Füssen hat und das moderne Gebäude des „Cristiano Ronaldo International Airport“ betritt. Der bekannteste Sohn der Insel hat übrigens nicht nur einen eigenen Flughafen, sondern auch ein Museum, ein Hotel und – wie könnte es anders sein – ein eigenes Fussballstadion. Obwohl wir bezweifeln, dass er selbst allzu oft einen Fuss auf die Insel setzt, darf man das so hier nie sagen, das käme Gotteslästerung gleich…

Dank der geringen Grösse des Flughafens ist ein Mietwagen schnell organisiert und man ist in Nullkommanichts auf den sehr guten Autobahnen unterwegs. Gewöhnungsbedürftig sind dabei lediglich die vielen Tunnels (Madeira hat mehr Löcher als ein Emmentaler Käse), die extremen Gefälle bei den Strassen wenn es einmal keinen Tunnel hat (mehr als 100 PS sind beim Mietwagen anzuraten, wenn man nicht unfreiwillig rückwärtsfahren möchte) und die ultrakurzen Autobahneinfahrten (ein Argument mehr für 100 PS plus; ideal wäre von 0 auf 100 in unter 4 Sekunden). Der unterkunftsmässige Hotspot der Insel ist dabei definitiv die Hauptstadt Funchal: die Häuser von knapp 150’000 Einwohner drängen sich an den Hügeln um den Hafenbereich, welcher übrigens wohl die einzigen paar Quadratmeter flachen Boden der gesamten Insel beinhaltet. Die Hotels sind meist klein aber sehr ausgefallen und befinden sich oft in ehemaligen Landhäusern mit riesigen Gärten darum herum. Apropos Gärten: diese sind hier neben CR7 (Cristiano Ronaldo) wohl die Hauptattraktion: es gibt den „offiziellen“ botanischen Garten, den Orchideengarten, den „Palastgarten“, den tropischen Garten und Dutzende weitere, liebevoll gepflegte Gartenanlagen, in welchen Pflanzen aus der ganzen Welt wachsen – man nennt Madeira schliesslich nicht umsonst „Blumeninsel“. Dieser Vielfalt begegnet man auch auf den zahlreichen, sehr empfehlenswerten Wanderungen auf der ganzen Insel: von den Kakteen an der trockenen Südküste, über die uralten Zedern im hügeligen Zentrum, bis zu Nadelbäumen in den hohen Bergen ist hier alles zu finden. Die Wanderwege sind meist in exzellentem Zustand, gut gesichert und sehr oft spektakulär, man darf sich jedoch nicht vor „Treppen-Marathons“ scheuen, welche jede stundenlange Session auf dem Stepper im Fitnessclub verblassen lassen. Und wo man in Funchal selbst dank alternativer Verkehrsmittel wie diverser Seilbahnen oder den „Carreiros do Monte“ – Holzschlitten, welche von zwei Herren gesteuert und gebremst werden und dank der extremen Steilheit der Strassen für eine rasante Talfahrt gebucht werden können – die Stufen teilweise noch umgehen kann, heisst es auf dem Rest der Insel „Zähne zusammenbeissen und durch“.

Zum Glück kann man sich auf Madeira bei anderen Aktivitäten immer wieder von den Wanderungen erholen: unsere Treks zwischen den zwei höchsten Berggipfeln „Pico do Arieiro“ und „Pico Ruivo“ (hin und zurück ca. 6 Stunden; 12 KM, 1’500 Höhenmeter), dem „Levada dos Cedros“ (ca. 7 KM, 300 Höhenmeter, 3 Stunden) und zum „Ponta do Furado“ (hin und zurück ca. 3 Stunden, 7 KM, 300 Höhenmeter; entlang der Küste) wurden aufgelockert durch Besuche der Natur – Pools von Porto Moniz (die Becken füllen sich durch die hereinbrechende Brandung), dem (kostenlosen) Skywalk von Cabo Girao, einem spektakulären Sonnenuntergang beim Ponta do Pargo und anderen kleineren Aktivitäten. Dabei soll natürlich auch ein weiteres Highlight nicht unerwähnt bleiben: das sensationelle Essen! Obwohl Vegetarier, welche keinen Alkohol trinken, wahrscheinlich verhungern und verdursten müssten, haben wir es uns bei „Espetadas“ (traditionelle Fleischspiesse), frischem Fisch, „Bolo de Caco“ (eine Mischung aus Fladen- und „normalem“ Brot, oft serviert mit hausgemachter Knoblauchbutter), „Poncha“ (Honig- und Zuckerrohrschnaps mit Zucker und Früchten), „Madeira – Wein“ (die hiesige Variante von Portwein), „grünem“ und „blauem“ Wein (wird aus sehr jungen Trauben gewonnen) gut gehen lassen.

Kommen wir zum einzigen Wehrmutstropfen von Madeira: die Insel hat, mit Ausnahme eines einzigen, künstlich angelegten und völlig überlaufenen Strand, keine wirklich schöne Bademöglichkeit. Da wir als routinierte Reisende natürlich sowas schon im Voraus wussten, hatten wir eine Lösung parat: wir fuhren mit der täglichen Fähre auf die – in unseren Kreisen weitestgehend unbekannte – Nachbarinsel Porto Santo. Und obwohl die gut 2-stündige Überfahrt mit nicht seefesten Touristen bei hohem Wellengang eine Tortur für Hör- (Geräusch von erbrechenden Menschen), Geschmacks- (Geruch von Erbrochenem) und Sehnerven (die ausgehändigten Kotztüten sind fast transparent, was einem einen eindrücklichen Einblick in die Mageninhalte der Mitreisenden beschert) war, hat es sich gelohnt: der sauberste, schönste und feinste Sandstrand ausserhalb der Südsee empfing uns. Zwar ist das restliche Angebot der Insel sowohl ess-, wie auch hoteltechnisch aufgrund der Unbekanntheit ziemlich eingeschränkt und unseren Mietwagen hätten wir für die gesamthaft etwa 30 Kilometer Strassennetz wohl auch nicht übersetzen lassen müssen, aber das war es wert! 9 Kilometer Strand für ein paar hundert Touristen! Keine „Liegestuhl an Liegestuhl – Situation“! Keine Zigarettenstummel, Dosen oder Becher am Strand oder im Wasser! Wir haben es sichtlich genossen und hoffen, dass sich die Insel dies noch lange so erhalten kann, auch wenn aufgrund der steigenden Zahl an direkten Charterflügen eine andere Entwicklung zu befürchten ist.