Mauritius by Nicola: Action im Paradies

Nach der Hitze der Emirate waren wir fast etwas geschockt, als wir in Mauritius das Flugzeug verliessen und uns „eisige“ 23 Grad entgegenschlugen. Das entsprach einer Halbierung der Temperatur innerhalb von sechs Stunden und wurde von uns so auch nicht erwartet, hat man als Westler doch von Mauritius ein Bild von Palmen, weissem Sand und türkisblauem Wasser unter der brennenden Sonne vor sich. Nun, abgesehen vom letzten Punkt entspricht alles exakt diesen Vorstellungen. Da der Inselstaat jedoch weit südlich des Äquators liegt, waren wir in Mitten des Winters dort, weshalb man sich über die oben erwähnte Temperatur dann eigentlich ja gar nicht beschweren kann.

Dass Mauritius aber noch viel mehr ist, als bloss die Insel der Honeymooner und Pauschaltouristen, wurde uns schon ziemlich schnell klar: mit einer Bevölkerung, deren Vorfahren grösstenteils indischen oder afrikanischen Ursprungs sind, ergibt sich ein sehr lebendiger, lauter und lebensfroher Mix. Dies macht sich in Gesprächen (Landessprache ist eine spezielle Form des Kreolischen, welche vor allem auf Französisch basiert; gleichzeitig wird aber von fast allen Personen auch Englisch gesprochen), beim Essen (indische, asiatische und kreolische Küche gehen Hand in Hand), aber auch im Verkehr stark bemerkbar. Gerade letzteres mussten wir auf die harte Tour herausfinden, als wir unseren Mietwagen übernommen haben: es wird wie in England links gefahren, die Strassenzustände entsprechen – abgesehen von der einzigen Autobahn der Insel – eher indischen Verhältnissen und Achsenbrüche dürften wohl die häufigsten Versicherungsfälle sein, es wird gehupt und ohne Licht gefahren, als ob man sich mitten in Tansania befinden würde und die teils wahnwitzigen Überholmanöver erinnern uns an den Fahrstil auf französisch besetzten Inseln.

Die erste Woche auf der Insel haben wir im Norden verbracht. Dieser gilt als ursprünglicher und rauer als der Süden und als weniger touristisch. Da es ziemlich windig war und man ja nicht jeden Tag nur am Strand liegen oder kitesurfen kann, haben wir die – teilweise auch etwas regnerischen Tage – dazu genutzt, die Insel mit unserem Mietwagen zu erkunden. Der erste Ausflug führte uns dabei in den „Casela-Abenteuerpark“. Was nach Achterbahnfahren und Zuckerwatte essen klingt, ist in Realität eigentlich ein besserer Zoo, wobei wir zugeben müssen, dass die Anlage sehr schön angelegt ist und einige Attraktionen in dieser Form bei uns nicht denkbar – oder überlebensfähig – wären: durch die Volieren der tropischen Vogelarten kann man selbst hindurchspazieren, die uralten Riesenschildkröten liegen, fressen oder stehen an jeder Ecke einfach so herum und Zebras, Antilopen, Strausse, Giraffen und auch den Nashörnern stattet man per offenem LKW ganz Safari-like einen Besuch ab. Das Highlight und der Hauptgrund für unseren Besuch war aber das Versprechen auf ein ganz anderes, ziemlich ausgefallenes Erlebnis: im Abenteuerpark kann man Löwen streicheln. Und ja, es handelt sich um voll ausgewachsene Exemplare, welche weder unter Narkose stehen, noch sonst wie ruhig gestellt werden: man wird beim Eingang des Geheges von den Tierpflegern, Dompteuren oder wie auch immer man die mutigen Männer nennen möchte abgeholt, mit einem langen Stock ausgestattet, muss eine Verzichtserklärung unterzeichnen (der Park haftet weder für Verletzungen noch Todesfälle) und alles bis auf die Kamera und den Stock draussen lassen. Anschliessend begibt man sich in der Gruppe ins Gehege, wo sich sechs ausgewachsene Löwen (ein Männchen, fünf Weibchen) im Alter von 2-3 Jahren tummeln. Während man sich in der Nähe eines Exemplars möglichst fotogen in Pose wirft (war gar nicht so einfach, wenn 150 Kilo Muskelmasse neben einem liegen), spricht der „Haupt-Dompteur“ mit dominanter Stimme beruhigend auf das Tier ein. Die restlichen Bewacher halten das übrige Rudel im Überblick. Das Ganze funktioniert übrigens nur, weil die Löwen nach der Geburt täglich in engstem Kontakt mit ihren Betreuern stehen und diese kennen. Da die Wärter die Gehege nur mit Stöcken betreten, ist der stockausgestattete Tourist für die Löwen auf den ersten Blick nicht als solcher erkennbar und fällt darum nicht unbedingt in die Kategorie „Fressen“. Fazit: wir haben alle überlebt und Löwe fühlt sich an wie struppiger Hund.

Ganga Talao, unser nächstes Ausflugsziel, ist zwar nicht ganz so adrenalinfördernd, deshalb aber nicht minder speziell: ausgewanderte Hindus haben im Hochland von Mauritius eine riesige hinduistische Tempelanlage rund um einen See angelegt. Die inzwischen imposante Ansammlung an Statuen hinduistischer Gottheiten entstand über die Jahrzehnte durch Spenden von Familien aus anderen Ländern. Der wichtigste Clou aus Sicht des Hindus (für uns eher als „Umweltverschmutzung“ zu bezeichnen): das Seewasser des Ganga Talao stammt teilweise aus dem heiligen (und übelst verdrecktem) Fluss Ganges und wurde eigens importiert. Guten Appetit, liebe Götter 🙂

Dagegen ist das Wasser der „7 Cascades“ richtiggehend klar. In einigen der Becken dieser sieben Wasserfälle, welche sich ebenfalls im tropischen Zentrum der Insel befinden, kann man sogar baden – vorausgesetzt, dass man sich bei ca. 13 Grad hineintraut. Diese Abkühlung muss man sich jedoch zuerst hart erarbeiten. Weil der ca. 45-minütige Abstieg bis oberhalb des fünften Wasserfalls auch nicht ganz ungefährlich ist und das Wort „Wanderweg“ dem Kampf durch Dschungel, Steilhänge und über glitschige Steine nicht annähernd gerecht wird, sollte man nur mit einheimischem Führer unterwegs sein. Einen solchen findet man bei den Parkplätzen an den offiziellen (und bequem erreichbaren) Aussichtspunkten leicht, sofern denn das nötige Trinkgeld vorhanden ist. Einmal beim fünften Fall angekommen (die beiden letzten sind extrem hoch und nur mittels Seilsicherung „bewanderbar“), beginnt ein distanztechnisch viel kürzerer, dafür aber umso steilerer Aufstieg zurück auf den Rand der Schlucht. Muskelkater ist nach dieser Tortur garantiert – sogar wenn man ein Jahr zuvor den Kili bestiegen hat.

Da kam die nächste Attraktion genau richtig: die „Seven Coloured Earth“. Dabei handelt es sich um eine Sehenswürdigkeit geologischen Ursprungs. Das Vulkangestein, aus welchem die gesamte Insel besteht, wurde durch den vielen tropischen Regen freigelegt und anschliessend alle wasserlöslichen Bestandteile ausgewaschen, so dass nur Eisen- und Aluminiumoxide zurückblieben, welche die unterschiedlichsten Rot- und Violetttöne aufweisen.

Nach Angst vor dem Löwen, Grausen vor dem Wasser, Schwitzen am Wasser und geologischem Nachhilfeunterricht war es endlich Zeit für einen kulinarischen Ausflug: die Besichtigung einer Rumbrennerei, inkl. anschliessender Degustation des wichtigsten Exportproduktes von Mauritius. Zur Gewinnung des Zuckerrohrschnapses werden die Stengel bei Reife geschnitten, der Saft herausgepresst, gefiltert gegoren und der so entstehende „Zuckerrohrwein“ (eine schrecklich übel riechende Flüssigkeit) destilliert. Je nach Art der Destillation und anschliessender Verdünnung und Lagerung, ergibt sich daraus ein Likör oder ein hochprozentiger Rum mit unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen.

Apropos Kulinarik: die zweite Woche auf Mauritius verbrachten wir im Süden der Insel in einem Hotel, in welchem etwas ganz anderes die Attraktion darstellte: die acht Restaurants verschiedenster Stilrichtungen. Von asiatischer Fusionsküche, über ein auf Meeresfrüchte spezialisiertes Lokal bis hin zum klassischen Italiener war alles dabei, so dass wir eigentlich bereits nach dem Frühstück wieder sehnlichst das Abendessen erwarteten 😉 Damit die Gewichts- und Umfangzunahme nicht so gross war, dass wir nicht mehr ins Flugzeug passen, musste Bewegung her. Klar, war auch Kitesurfen wieder ein Bestandteil (per Zufall waren sogar die weltbesten Kiter wegen eines Wettkampfes im gleichen Hotel und wir konnten ihnen tagsüber zusehen) und klar, hätte es auch das – auf Mauritius in den meisten Hotels übliche – kostenlose Angebot an diversen Wassersportmöglichkeiten gegeben. Da wir aber etwas Neues probieren wollten, war uns dies nicht genug; und so kam es, dass wir eine Sportart intensiver testeten, von welcher wir früher aus den verschiedensten Gründen immer gesagt haben, dass wir sie nie, nie, nie praktizieren würden: Golf. Und obwohl verschiedene Klischees zutreffen – ja, es ist so snobby und man MUSS ein Oberteil mit Kragen auf dem Platz tragen; ja, es ist ziemlich teuer; ja, die Bewegungskomponente wird langfristig aufgrund von Fahren mit den Golf-Caddys nicht so hoch sein – hat es uns gefordert, Spass gemacht und wir hatten in den ersten Tagen sogar Muskelkater vom Üben der korrekten Schwünge! Wir können uns definitiv vorstellen, es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu versuchen und besser zu werden. Ist auch bitter nötig, haben wir doch den Rasen gehörig „umgegraben“ und bei unserer ersten Runde auf dem „richtigen“ Platz sogar mehrere Bälle auf die angrenzende Strasse geschlagen J

Unser Fazit von Mauritius: die Insel biete sehr viel für fast jeden und wir könnten uns definitiv vorstellen, wieder einmal hierherzukommen.

Mauritius by Jenny: Indisch-afrikanische Mischung

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Wunderbarer Ausblick bei Ankunft im Norden von Mauritius (Anse la Raie)

Ausflug in einen etwas speziellen Zoo; Casela-Abenteuerpark

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Landschildkröten, welche frei umherlaufen

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Ein offenes Gehege, welches man wie auf einer Safari durchfährt – und das auf Mauritius. Darin haben wir endlich auch die Nashörner gesehen, welche sich letztes Jahr auf unserer Safari immer vor uns versteckt haben. Ausserdem sind wir noch einem verrückten Strauss begegnet, wie das nachfolgende Video eindrücklich zeigt.

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Bei unserem Besuch im Löwengehege viel uns dieser weisse Prachtkerl im Baum auf. Bis dahin wussten wir gar nicht, dass Löwen so gut klettern können!

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Der liebe Löwe fühlte sich in etwa so an, wie ein Schäferhund

Ganga Talao

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Bei diesem Anblick wurden Erinnerungen an den Ganges geweckt. Zum Glück ohne die dazugehörige “Geschmacksnote”

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Auf dem Rückweg ins Hotel passierten wir diesen gewaltigen See. Wie sich herausstellte, handelt es sich dabei um das grösste Trinkwasserreservoir der Insel. Der Affe, welcher kurz davor die Strasse todesmutig vor unserem Auto überquert hat, hat überlebt. Uff, Glück gehabt…

Seven Cascades

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Unsere Wanderung zum 5ten von insgesamt 7 Wasserfällen, von welcher wir dachten, dass sie ein Spaziergang werden würde, entpuppte sich als knapp zweistündiges, intensives Auf und Ab und war nur mit einem einheimischen Guide möglich

Seven Earths

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Das ehemalige Vulkangestein entwickelt je nach Sonneneinstrahlung ein unterschiedliches Farbspiel

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Aussicht während der Fahrt in Süden

Der Süden; Le Morne

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Bei Ankunft unser erster Rundumblick vom Strand, einfach super

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Und dann noch ein so schöner Sonnenuntergang

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Wir genossen in unserem Hüttchen mit der Nr. 666 Smiley die Sonne und den Ausblick aufs Meer

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Per Zufall fand während unserer Zeit in Le Morne gerade noch ein Teil der Kite-Weltmeisterschaft in der Disziplin “Wellen ohne Fussbindung” statt. Dadurch wimmelte es nur so von Kitern. Zum Glück liessen sie den weniger Fortgeschrittenen – und damit Nicola – auch noch ein Plätzchen frei

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Das Essen wahr immer sehr gut und ab und zu hatten wir Besuch von kleinen Eidechsen

Der traditionelle Tanz von Mauritius und Kombination aus afrikanischem und lateinischem Tanz

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Wir versuchten uns im Golf: machte noch Spass, vor allem mit dem Golfwägeli über den Golfplatz zu düsen

Abschuss von Nicola

Abschuss von Jenny

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So genossen wir den weissen Strand, das klare Wasser und leider gingen unsere Ferien wie immer viel zu schnell vorbei…..

Vereinigte arabische Emirate (V.A.E) by Nicola: VAE = Von Allem Etwas

Lange erwartet und sogar in letzte Minute fast gescheitert: so könnte man den Beginn unserer ersten „richtigen“ Ferien (Zügeln zählen wir jetzt einmal nicht zu dieser Kategorie) dieses Jahr beschreiben. Endlich alle Anweisungen an die Handwerker gegeben, Koffer gepackt und Stellvertreterregelung im Geschäft definiert, wollten wir per Zug an den Flughafen Zürich reisen. Leider fielen nicht nur die vier nächsten Züge nach Zürich aus, sondern der fünfte – welcher dann auch tatsächlich gefahren ist – hielt in so bedeutenden Ortschaften wie „Holderbank“, war unklimatisiert und stand während etwa 20 Minuten ohne Begründung im HB Zürich herum.

Zum Glück haben wir es dann auf die letzten Minuten vor Schalterschliessung doch noch geschafft und konnten unseren Urlaub dank des wirklich exzellenten Services (auch in der Economy) von Emirates entspannt starten. Diese erste Erholung war auch nötig, hätten wir uns ansonsten doch bereits bei der Abholung unseres Mietwagens wieder etwas geärgert: bei 38 Grad morgens um 06:00 wollte uns der indische Mitarbeiter von Europcar zuerst Versicherungen verkaufen, welche wir bereits bezahlt haben (haben wir bemerkt), hat uns eine Flughafensteuer auferlegt, welche wir bereits bezahlt haben (haben wir erst später bemerkt) und gab uns ein Auto, welches mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bereits dort einen fast platten Reifen hatte (haben wir leider auch erst später bemerkt). Wir haben uns in Indien schon fast wieder heimisch gefühlt. Äähh bitte was? Indien? Nein, natürlich nicht, auch wenn einem dies aufgrund des extremen Ausländeranteils (knapp 90%, der Grossteil davon aus Pakistan, Indien und Bangladesh) so vorgekommen ist. Spätestens ausserhalb der Tiefgarage ist uns dank modernsten Gebäuden und achtspurigen Autobahnen wieder aufgefallen, dass wir in Dubai sind.

Was uns dann doch etwas erstaunt hat, waren die in Dubai anfallenden Mautgebühren, sowie die zahllosen (funktionsfähigen!!!) Radarfallen, welche jede Strecke bis tief in die hinterste Wüste „schmücken“, von den Einheimischen grösstenteils jedoch trotzdem nicht beachtet werden. Da es in den Emiraten auch keine Vorschriften bezüglich Überholmanövern zu geben scheint und wir unter Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit zu den langsamsten 10% auf der Strasse gehörten, waren wir doch ganz froh, als wir beim Hotel in Abu Dhabi ankamen, insbesondere da wir auch erst vor Ort herausgefunden haben, dass wir auf unserem GPS gar keine Karte der Emirate gespeichert hatten…

Die ganzen Umbau-Strapazen der letzten Monate forderten ihren Tribut und wir haben den ganzen ersten Tag einfach einmal verschlafen. Etwas ausgeruhter stand dann erst einmal die Erkundung der näheren Gegend auf dem Programm, wobei man dazu auch bereits auf ein Fahrzeug angewiesen ist, möchte man um diese Jahreszeit mit bis zu 52 Grad im Schatten nicht langsam im eigenen Saft gegart werden. Im Gegensatz dazu standen die Räumlichkeiten der Marina Mall und des Emirates Palace Hotels, welche auf gefühlt 18 Grad heruntergekühlt werden. War das Shoppingcenter nichts besonderes, hat uns der Prunkbau – welcher ursprünglich ausschliesslich für ein Treffen aller Scheichs des mittleren Ostens gebaut wurde, heute aber als eines der besten Hotels der Welt bekannt ist – sehr beeindruckt, auch wenn wir uns keinen Kaffee mit Blattgold leisten konnten bzw. wollten.

Mindestens genauso prunkvoll, um nicht schon zu sagen „dekadent“, gestaltete sich die Besichtigung der Scheich-Zayid-Moschee am Abend: zu Ehren von Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan – Regent von Abu Dhabi und erster Präsident der Emirate – gebaut, beherbergt sie den grössten handgeknüpften Perserteppich der Welt (5627 Quadratmeter), den grössten Kronleuchter der Welt (15 Meter hoch) und ist mit ihren Baukosten von mehr als 560 Millionen Dollar auch die teuerste je gebaute islamische Gebetsstädte – und mit einem Fassungsvermögen von 40’000 Gläubigen auch eine der grössten. Der Eintritt ist kostenlos, Frauen müssen jedoch einen – ebenfalls kostenlosen – schwarzen Umhang tragen, welcher alles bis auf die Hände und das Gesicht bedeckt. Was im Aussenbereich bei den Temperaturen eine Tortur ist, erwies sich im eisig gekühlten Inneren wieder als Vorteil.

Als Kontrastprogramm gabs dann am nächsten Tag die volle „Touri-Dosis“: der gebuchte Kurztrip in die Wüste vor Abu Dhabi entpuppte sich als rasende Achterbahnfahrt über die Dünen, was auf den vorderen Plätzen des Jeeps ja noch ganz lustig sein mag, in der dritten Reihe aber schier zu einem Kampf gegen die inneren Würgereize verkommt. Das nachfolgende Quadfahren durch die Düne war dagegen sehr unterhaltsam, bis sich die mitfahrende indische Reisegruppe so tief im Sand einbuddelte, dass an ein vernünftiges Vorwärtskommen nicht mehr zu denken war. Zum Abschluss folgte ein arabisches Abendessen inklusive Bauchtanzshow, bevors dann zurück ins Hotel ging. Unser Fazit dazu: definitiv kurzweilig und abwechslungsreich, authentisch eher nein.

Bevor wir am nächsten Morgen losfahren konnten, hatten wir mit Schlagseite unseres Autos zu kämpfen: der Nagel, welcher wahrscheinlich schon länger im Reifen gesteckt hat, hat einen Grossteil der Luft entweichen lassen. Dank sensationeller Intervention des Concierge-Teams war der Wagen jedoch schnell aufgebockt, der platte Reifen entfernt und das Ersatzrad montiert. Und wir hatten noch nicht einmal schmutzige Finger! Das nennen wir aussergewöhnlichen Service.

Die Reparatur des kaputten Pneus musste jedoch warten, hatten wir doch einen Termin mit ganz speziellen Vögeln im Spital. Vögel? Im Spital? Nein, es ist nicht die Hitze, welche uns zu solch seltsamen Aussagen treibt, sondern einmal mehr der Grössenwahn der Emiratis: wir besuchten das grösste und bekannteste Falkenspital der Welt. Die majestätischen Tiere werden seit Jahrhunderten zur Jagd genutzt; früher tatsächlich zur Nahrungsbeschaffung, heute eher um die Konkurrenz zu beeindrucken. Dabei werden hauptsächlich drei Arten von Falken eingesetzt: kleine, extrem schnelle (bis 300 KmH); mittelgrosse, welche das Wappentier Abu Dhabis sind und grosse Exemplare, welche besonders stark sind und das Vierfache ihres Eigengewichts tragen können. Diese sind übrigens auch die mit Abstand teuersten: ein Exemplar kann zwischen 100’000 und einer halben Million kosten. Entsprechend logisch ist, dass für die Viecher nur das Beste gut genug ist: während der heissen Sommerzeit, wenn nicht gejagt wird, werden die lebenden Statussymbole in das – dem Falkenspital angeschlossene – Falkenhotel gebracht, wo die Tiere jeweils mit 19 anderen Artgenossen in ein riesiges, klimatisiertes Gehege kommen, wo sie genug Platz zum fliegen haben und täglich ihre Ration Fleisch erhalten. Laut unserem Guide ist der schwierigste Teil dabei der „Bezug des Hotelzimmers“: Falken sind Einzelgänger und dulden keine Eindringlinge in ihr Revier, d.h. es werden nur andere Vögel toleriert, wenn diese seit eh und je auch dort waren. Darum können alle 20 Mitbewohner nur gleichzeitig in ihre Suite entlassen werden. Jegliche Nachzügler würden unweigerlich ein unrühmliches Ende finden. Neigt sich der Sommer dem Ende zu, werden die Vögel von ihren Besitzern, welche sich das Ganze etwa 2’000 Dollar kosten lassen, abgeholt und zur Jagd mitgenommen. Die Grösse der Beutetiere reicht dabei von Vögeln bis zu ganzen Gazellen für die grösste Falkenart. Aufgrund der intensiven Bejagung der letzten Jahre sind viele Beutetiere fast ausgestorben, weshalb die Emirate diese in grossem Stil selbst züchten und vor der Jagdsaison aussetzen. Ähnliches gilt auch für die Falken selbst: früher wurden diese während ihrer Überwinterung in der Region eingefangen – den Sommer verbringen wilde Falken eher in bergigen Regionen wie bspw. Pakistan – heute ist diese Praxis strengstens verboten und man darf nur noch gezüchtete Falken mit individuellem Pass haben. Der grösste Teil kommt dabei übrigens aus Deutschland oder Österreich. Sollte das teure „Armtier“ (für ein „Schosstier“ sind die Krallen einfach zu scharf) einmal einen Unfall haben, wird es flugs ins Spital gefahren, wo kleine (z.B. Krallen kürzen) und grosse Operationen (z.B. grosse Anzahl an Federn ersetzen) mittels modernsten Methoden, Anästhesie mit Lachgas inklusive, vollzogen werden. Leider muss man auch als teures Statussymbol manchmal warten, bis einen der Arzt untersucht. Dazu gibt es dann ein Wartezimmer mit Sitzgelegenheit. Und damit nicht allgemeine Massenpanik aufgrund von territorialen Ansprüchen oder Neid aufgrund des schöneren Gefieders des „Sitznachbarn“ entsteht, erhält jeder Patient eine Kappe aus Leder, so dass er oder sie nichts sehen kann.

Auch nicht ganz alltäglich war unser nächstes Erlebnis: Fahrradfahren, aber nicht irgendwo, sondern auf dem legendären YAS Marina Circuit. Keine Ahnung was das ist? Nun, wir als Motorsportbanausen hatten dies vorher auch nicht. Das ist die Formel-1-Strecke von Abu Dhabi. Aber da wo einmal im Jahr die hochgezüchteten Autos klingender Marken mit bis zu 250 kmH vorbeidonnern, kann man jeden Dienstagabend Fahrrad fahren. Kostenlos und mit gratis Getränken. Das Ganze bleibt uns nicht nur wegen der Location im Gedächtnis, sondern auch, weil man auf dem speziellen Belag wirklich unglaublich schnell unterwegs ist: wir konnten die ganze Zeit über ohne besonders grosse Anstrengung ein Tempo von 25 KmH aufrecht erhalten. Und wir hatten weder E-Bike noch Rückenwind 😉

Von der Hitze (es hatte um 21:00 immer noch 41 Grad) in den klimatisierten Wagen und auf ins Hotel…das war zumindest der Plan. Und dann fiel uns wieder ein, dass wir ja schon viel zu lange mit dem Ersatzreifen herumfahren. Weil per Zufall die „Mechanikerstadt“ (grosser Vorort von Abu Dhabi, welcher tatsächlich nur aus hunderten von Autowerkstädten zu bestehen scheint) auf unserem Heimweg lag, haben wir noch kurz in einer der Garagen vorbeigeschaut und unseren Pneu reparieren, pumpen und wieder montieren lassen. „Indian Style“, ganz einfach und schnell und für umgerechnet 5 Franken 🙂

Weil wir natürlich von der arabischen Wüste nicht nur den massentouristischen Teil sehen wollten, haben wir noch einen Ganztagestrip in das Grenzgebiet zu Saudiarabien unternommen. Die „Rub al-Chali“ ist in dieser Gegend am schönsten und zeigt ihre volle rote Farbenpracht mit unendlichen und wunderschönen Dünen. Darunter befindet sich die angeblich auch „grösste Düne der Welt“, welche ca. 300 Meter hoch sein soll, deren Betreten aber strengstens verboten ist, weil sie lediglich einmal im Jahr zu „Rennzwecken“ genutzt werden darf. Nicht verständlich?! Nun ja: da den vermögenden, anscheinend stets gelangweilten Herrschaften auch Kamelrennen, Formel-1 und Falkenjagd nicht mehr genug sind, wurde kurzerhand ein neuer Wettbewerb geschaffen: „rase die höchste Düne der Welt in einem beliebigen Fahrzeug so schnell hoch und wieder runter, wie du kannst“. Kein Witz.

Abgesehen von den Dünen haben wir die „Gewächs- bzw. wohl eher Kühlhäuser“ der Emirati besucht, in welchen das lokale Gemüse angebaut wird und wir haben viele spannende Details zum Alltag der Emiratis von unserem (indischen) Guide erhalten: wer hier etwas auf sich hält hat nicht nur einen Falken, fährt „spezielle“ Rennen, einen teuren Wagen und besitzt das neuste Smartphone, nein… Um bei der lokalen Damenwelt Eindruck zu schinden, gibt man sechsstellige Beträge für eine leicht einprägsame Handynummer aus. Da Dating in dem konservativen Land grundsätzlich verboten ist, muss man aber mittels sehr unkonventionellem Weg darauf aufmerksam machen: man geht in ein Shoppingcenter, hält Ausschau nach der Herzensdame, schlendert dann gelassen an ihr vorbei und während man so tut, als würde man telefonieren, raunt man ihr die Nummer zu. Ist die Nummer (oder der Besitzer) sexy genug, ruft sie evtl. an… Ein weiteres Müsterchen der einheimischen Gepflogenheiten gefällig: Radarfallen gibt es wie Sand in der Wüste (auch Mitten in der Wüste). Die Bussen sind auch nicht ganz ohne, sollen aber nicht den Staat bereichern (der hat ja schon genug Geld), sondern lediglich die Verkehrssicherheit erhöhen. Deshalb gab es bis vor kurzem 50% Rabatt auf alle Bussen. Weil sich die Unfälle mit hohen Geschwindigkeiten zu häufen begannen, wurde dieser jedoch vor kurzem gestrichen, so dass der „persönliche Live-Bussen-Ticker“ (eine Smartphone-App) nun schnell wieder in den fünfstelligen Bereich übergeht (eine monatliche Bussensumme von etwa CHF 2’000 gilt hier als ganz normal).

Wir glauben zumindest, dass wir auf der Rückfahrt nach Dubai am nächsten Tag bei keiner einzigen der 79 Radarfallen (auf einer Strecke von 120 Km) eine Busse eingefahren haben, wissen werden wir es jedoch erst, wenn die Kreditkartenrechnung der Mietwagenfirma kommt. Obwohl bussenfrei, ist Dubai für uns aber schon merklich teurer gewesen: es ist offensichtlich, dass dieses Emirat kein Öl mehr hat und Geld mit allen Mitteln von anderen Quellen beschafft werden muss: so wird hier eine Maut für die Benutzung der Autobahn fällig, für die Benutzung des Strandes werden von Nicht-Hotelgästen CHF 75.- Eintrittsgebühr kassiert und auch als konsumierender Gast in einer hochgelegenen Bar wird man bei der Ausfahrt aus der Tiefgarage vom Portier noch einmal gefragt, ob man wirklich bezahlt hat. Dafür gibt es Ausblicke auf die ikonischsten arabischen Bauwerke der Moderne, wie etwa die künstlich aufgeschüttete Palme vor Dubai oder den Burj al Arab, man kann gigantische Shoppingmalls mit faszinierendem Multi-Kulti-Besucherstrom besuchen, wo die Scheichs in gemütlichen Kaffees auf die Rückkehr ihres shoppenden Harems warten, oder man lässt sich mit High-Speed-Lift in das 125te Stockwerk des höchsten Gebäudes der Welt katapultieren und geniesst den Ausblick auf die Stadt. Allerdings müssen wir anfügen, dass die Aussichtsplattform des World Trade Centers in Shanghai wesentlich eindrucksvoller und günstiger war.

Am Abend bietet Dubai dann das volle westliche Ausgangsprogramm, allerdings mit einem Haken für die Einheimischen: in Lokalitäten, welche Alkohol ausschenken, ist keine lokale Kleidung gestattet. Dies dient angeblich der Verhinderung der Vermischung von Islam und Alkoholkonsum, steht aber in krassem Kontrast zu Abu Dhabi, wo die reiche Elite in traditionellem Gewand und Sandalen mit dem Ferrari vorfuhr, um sich in der Bar dann von extrem knapp bekleideten einheimischen Frauen bezirzen zu lassen.

Unser Fazit: die VAE sind extrem vielfältig und faszinierend, aber auch widersprüchlich und nicht immer nachvollziehbar.

Arabische Emirate by Jenny: Von westlicher Modernität bis hin zu extremer Konservativität

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Ausblick über die Skyline: Moderne trifft auf traditionelle Architektur und Moscheen

DSC08403   Der Emirates Palace: ursprünglich für ein Gipfeltreffen aller Scheichs im mittleren Osten gebaut, ist es heute Luxushotel und serviert sogar Kaffee mit Blattgold

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Ausblick vom Emirates Palace in Richtung der modernen Skyline

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Wartezimmer für Falken und Besitzer          Falkenhotel für die klimatisierte Überwinterung

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Wartebereich vor dem OP. Die Tiere werden mit Lederkappen beruhigt

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Narkose mit Lachgasmaske                                                        Wappentier von Abu Dhabi

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Operation im gang                Danach war der Falke wieder wohl auf

 

Klingt wie beim Zahnarzt war aber eine Maniküre für seine Krallen

 

Nach der Operation gabs ein gutes Stück Fleisch

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Beindruckende Mosche, bei deren Errichtung sehr viel Marmor, Gold, der grösste Perserteppich der Welt, sowie der grösste – aus Swarovski-Kristallen bestehende – Kronleuchter der Welt verbaut wurden

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Die Besichtigung der Moschee ist sehr beeindruckend, für die weiblichen Besucher jedoch eine warme Angelegenheit, da sie einen langen Umhang anziehen müssen

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Quadtour auf den Dünen, einfach super Smiley

 

Beim arabischen Abendessen durften wir einer Bauchtänzerin zuschauen, welche eine enorme Körperbeherrschung hatte

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Ein Rennen auf der Formel-1-Strecke, ich erreichte mit 25kmh das Ziel

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Da war das Kamel noch zahm

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Die hohen Dünnen waren je nach Sonneneinstrahlung orange bis rot

 

Unser Fahrer liebte es über die höchsten Dünen zu fahren, um beim anschliessenden Heruntergleiten dem “Gesang” der Dünen zu lauschen

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Da zeigte es uns schon seine wunderschönen Zähne, die Gazellen waren das völlige Gegenteil und rannten in einem extremen Tempo davon

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Beindruckendes Farb- und Struktur-Spiel der Dünen

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Der Burj al-Arab in Form eines Segels ist eines der teuersten Hotels der Welt. Die naheliegende, künstlich aufgeschüttete Palme ist dicht bebaut, hat aber trotzdem mit dem Absinken des Bodens zu kämpfen.

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Ein Einkaufszentrum anderer Art, Multikulti, Wasserfallkunst, riesen Aquarium

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Kaffes mit Teppich und Scheichen und ein Luxus-Souk inmitten des Shoppingcenters

Burj Khalifa                                                                                   DSC087312DSCN50682DSC087602DSCN50552DSC088032

Der Blick auf den höchsten Turm der Welt von unserem Hotelzimmer war beindruckend, der Blick vom Turm in die Weite war durch den Smog etwas getrübt.Und so ging die Woche in den arabischen Emiraten extrem schnell vorbei und wir machen uns auf nach Mauritius

Die Wassershow neben dem Burj Khalifa ist noch etwas pompöser wie diejenige in Las Vegas