Tour zum Salar Uyuni by Nicola: Flamingos, Salz und Kokain

Von den Strapazen des Fahrradausflugs zum Mond erholt, haben wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Anbieter für eine Jeep-Tour zur grössten Salzwüste der Welt – dem “Salar de Uyuni” – gemacht. Was aufgrund der Menge an “verkaufswütigen” Agenturen in San Pedro de Atacama eigentlich kein Problem darstellen dürfte, hat trotzdem so seine Hürden: das Reiseprogramm ist bei allen Unternehmen zwar durchaus identisch, Preis, Anzahl der Mitfahrenden im Jeep, Art der Unterkunft, Menge und Qualität der Verpflegung, Zustand des Fahrzeugs und Nüchternheit des Fahrers können aber erheblich variieren. Nicht darauf erpicht, mit einem fahrenden Wrack Baujahr 1940 und/oder einem Trunkenbold durch die Wüste zu brettern, haben wir einen der teureren Anbieter (“Estrella del Sur”) gewählt. Dass aber auch dieses Vorgehen leider keine 100%-ige Sicherheit bietet, mussten wir am letzten Tag der Tour am eigenen Leib erfahren. Dazu aber später mehr…

Da die Bolivianer keine ausländischen Fahrer bzw. Guides auf “ihrem” Salar dulden, wird man am Morgen des ersten Tages mit dutzenden von anderen Reisenden der verschiedensten Agenturen per Bus an die bolivianische Grenze gekarrt. Diese besteht aus einem Holzverschlag inmitten der Atacama-Wüste in den Hochanden. Ist man erst einmal stolzer Besitzer des Einreisestempels, wird man einem der wartenden Fahrer zugeteilt: wir hatten Glück und durften mit “Ronald” und seinem jungen Lexus-Jeep reisen. Bei uns mitgefahren sind je ein Pärchen aus Kanada und Australien. Im Laufe des ersten Tages werden dann verschiedenste Sehenswürdigkeiten angefahren: die “Laguna Blanca” (eine Art Bergsee), die “Laguna Verde” (schon länger nicht mehr grün), der Geysir “Sol de Mañana”, und die spektakuläre “Laguna Colorada”, bei welcher man wegen der tiefroten Farbe die rosaroten Flamingos, welche hier leben, fast nicht mehr erkennen kann. Ob unsere Wahrnehmung auch der Realität entsprach, wissen wir dank dem “Höhenflash” (der Grossteil der Tourstrecke befindet sich auf mehr als 4’000 Metern Höhe) und dem ausgiebigen Kauen von Coca-Blättern, welche angeblich die Wirkung der Höhe mildern sollen, nicht mehr wirklich Smiley Für zusätzliche Unterhaltung sorgte eine Art Wettbewerb zwischen den Fahrern “unserer” Firma: beide wollten – wahrscheinlich aus rationalen Überlegungen bezüglich des zu erwartenden Trinkgelds – ihren Schützlingen immer etwas besseres bieten, als der Kontrahent: und so wurde auf “langweiligen” Abschnitten Gas gegeben, um zuerst am Ziel zu sein, Essen etwas exklusiver angerichtet, Getränke fünf Minuten vorher serviert, etc. Dieses Kräftemessen nahm zeitenweise lächerliche Ausmasse an, wurde den Insassen unseres Wagens doch verboten, beim Essen mit den anderen am gleichen Tisch zu sitzen…

Nach einer kalten und für gewisse auch sehr unruhigen Nacht (eine der Teilnehmerinnen im anderen Wagen litt an einer sehr extremen Form der Höhenkrankheit und musste deswegen Pillen mit hochdosiertem Koffein schlucken), standen am zweiten Tag etwas unspektakulärere Sehenswürdigkeiten auf dem Plan, war dieser doch vor allem dazu gedacht, die restlichen Kilometer zum Salar de Uyuni selbst zu überbrücken. Nichtsdestotrotz sind auch die diversen Lagunen, der “Arbol de Piedra” (Felsformation in Form eines Baums), der “Montagna de siete colores” (Berg mit vielen Farbabstufungen) und ein noch aktiver Vulkan ganz nett anzuschauen. Nur Flamingos müssen wir in den nächsten Wochen definitiv keine mehr sehen! Smiley Dank wiederum zackigem Fahrverhalten gabs für die Ersteintreffenden am Abend – uns natürlich – sogar ein Doppelzimmer im Salzhotel (ist wirklich fast alles aus Salz erbaut). Und auch die Wanderung auf den danebenliegenden, mit eindrücklichen Kakteen bewachsenen Hügel inklusive spektakulärem Weitblick über den Salar hat sich gelohnt!

Am Morgen des dritten Tages war es dann endlich soweit: der Salar selbst durfte entdeckt werden. Pünktlich zu Sonnenaufgang waren wir bei der “Isla de Inca Wasi”, einer kleinen “Insel” aus Stein im ewigen Weiss des Salzsees. Sobald die Sonne richtig oben war, ging es dann weiter zum eigentlichen Highlight, welches man der komplett ebenen und riesigen Salzfläche zu verdanken hat: dem Knipsen von grössen-verzerrten Klischeefotos. Obwohl wahrscheinlich täglich von Hunderten identisch gemacht, bereitet es doch sehr viel Spass, auf einem lebensgrossen Apfel “zu liegen”, mit dem eigenen Jeep “Spielzeugauto zu spielen” oder unseren Reiseleiter Joggeli als gleich grosse Person zu umarmen… Da erscheint einem der Zugfriedhof, welchen man zum Abschluss der Tour besucht, nicht mehr als allzu interessant.

In Uyuni angekommen, gehen die meisten Teilnehmer ihres Weges, um weiter ins Landesinnere von Bolivien zu reisen. Da wir uns dafür entschlossen hatten, wieder nach San Pedro de Atacama zurückzukehren, blieben uns nur knapp zwei Stunden in dem Wüstenort. Weil uns die Bolivianer aber als eher unfreundliche, mürrische Personen in Erinnerung bleiben, sind wir trotz interessanter kultureller Augenmerke (die Frauen tragen traditionelle Röcke und Hüte) nicht wirklich unglücklich, das Land wieder verlassen zu können. Der Unterschied im Lebensstandard zwischen Chile und Bolivien ist definitiv enorm!

Die Art wie wir die Rückreise absolvieren würden, hätten wir uns aber auch anders vorgestellt: der junge Fahrer, welcher am Nachmittag in Uyuni noch nüchtern, seriös und überhaupt nicht gesprächig gewirkt hatte, stank nach jeder Bier-, äähhhh tschuldigung, Pinkelpause etwas mehr nach Schnaps und entwickelte sich spätestens nach dem zweiten Stopp zu einer ausgewachsenen Labertasche. So erzählte er nicht nur irgendwelche wirren Stories, sondern gestikulierte gleichzeitig wild mit den Armen, so dass wir mehrmals von der “Strasse” abkamen. Glücklicherweise stand an den betreffenden Orten nicht gerade ein Lama im Weg… Allerdings fanden alle bis auf Nicola die Fahrt als äusserst unterhaltsam. Da ich mir sicher bin, dass meine beiden Mitfahrerinnen keinen Tropfen Alkohol zu sich genommen und auch keine anrüchigen Blätter gekaut haben, muss das wohl an der Höhe gelegen haben (teilweise fast 6’000 Meter)!

Weil unser Fahrer anscheinend auch das gesamte Geld, welches für unseren Proviant bestimmt gewesen wäre, wahrscheinlich in Alkoholika investiert hat, gab es sowohl am selben Abend, wie auch am nächsten Morgen das Essen erst nach lautstarker Intervention unsererseits. Entsprechend bekam der Mitarbeiter im Büro des Anbieters bei unserer Rückkehr nach San Pedro ordentlich etwas zu hören. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass er uns nach der Beschwerde das Geld für den letzten Reisetag umgehend zurückerstattet hat, so dass wir uns nun bei Pizza und Wein vom Stress erholen können Smiley

Tour zum Salar de Uyuni by Jenny: Höhenflash mit flamingofarbener Lagune und geschrumpftem Jeep

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Zollhäuschen Chile nach Bolivien inmitten der Wüste

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Laguna Blanca                                           Laguna Verde

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Weitere Lagune

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Geysir “Sol de Mañana”

Kleiner Vulkan

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Laguna Colorada, so intensiv rot und mit vielen Flamingos und Lamas

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1. Übernachtung auf 4600m Höhe

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Versteinerter Baum                                  Der Berg der 7 Farben

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Unsere Truppe

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Ich glaube, die Höhe und die Cocablätter haben auf das Hirn geschlagen Smiley

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Bei dieser Hühnertoilette ist ein Verbotsschild bei der Lagune schon notwendig

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Flamingos verboten???!!!!

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Dieser Kaktus ist knapp 200 Jahre alt!

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2. Übernachtung in einem Salzhostel

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Sonnenaufgang auf dem Salar de Uyuni

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Salar de Uyuni, die grösste Salzwüste der Welt, erinnert an gefrorenen Schnee

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So entstanden viele lustige Fotos

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Bodenstruktur                                          Salzgewinnung

Ankunft in Uyuni

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Zugfriedhof

Zugspielplatz

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Stadtzentrum von Uyuni, noch richtig traditionell

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Sogar der Hund ist eingekleidet

San Pedro de Atacama by Nicola: Pizzen und Lamafleisch, serviert auf dem Mond

Nach 24 Stunden “chillen” im breiten Sessel des Luxusbusses, sechs Science-Fiction-Filmen in Spanisch und drei “Diät-Mahlzeiten” (bestehend aus je einem kleinen, trockenen Sandwich, einem Getränk und Erdnüssen) sind wir endlich in San Pedro de Atacama angekommen. Dieses liebreizende Wüstendörfchen sollte für die nächsten Tage Ausgangsbasis für zahlreiche Exkursionen in die nahe Umgebung und nach Bolivien sein. Allerdings versprüht schon die Oase selbst einen so unwiderstehlichen Charme, dass aus den ursprünglich vier geplanten Tagen schlussendlich sechs geworden sind: denn wo sonst in Chile bzw. evtl. ganz Südamerika sieht man Eis-essende Lamas auf der Hauptstrasse, kriegt Pizzen, bei welchen sogar der Italiener vor Neid erblassen würde und kann dazu noch einen hervorragenden Rotwein geniessen? Ob all der wunderbaren Dinge könnte man glatt vergessen, dass man sich in einer der höchstgelegenen (San Pedro liegt auf 2’500 Metern) und trockensten Wüsten der Welt befindet, welche in der Umgebung so viel zu bieten hat, dass man eigentlich gar keine Zeit zum chillen haben sollte.

Und so lässt man dann schweren Herzens die hedonistischen Genüsse hinter sich und stürzt sich hinein in das vielfältige Angebot an Exkursionen. Und es lohnt sich sehr, ist doch fast keine Region der Welt landschaftlich so vielfältig, wie diese. Unsere erste Tour führte uns zur “Laguna Cejar” – einem Salzsee, dessen Salzgehalt ca. zehnmal höher ist, als bei einem Meer und man dadurch wunderbar im Wasser liegen kann, ohne unterzugehen –, zwei kleineren Seen, “Ojos del Salar” genannt und bei Sonnenuntergang noch zu einer ausgetrockneten Salzlagune: wir waren also Mitten in der Wüste, standen aber neben Gewässern und waren gleichzeitig umringt von (teilweise schneebedeckten) Bergen und aktiven oder erloschenen Vulkanen. Und als Krönung gabs dazu noch einen Pisco Sour Smiley

Von so vielen Eindrücken begeistert, haben wir am selben Abend sofort eine zweite Tour für den nächsten Morgen gebucht; Ziel: die “El Tatio – Geysire”. Haken an der Sache: will man zum Sonnenaufgang dort sein, muss man um 03:30 aufstehen und sich in die wärmsten Klamotten werfen, welche man dabei hat (bei Sonnenaufgang hatte es angeblich minus 12 Grad). Als Belohnung erhält man dafür die Gelegenheit, auf 5’000 Metern über Meer beeindruckende Dampf- und Wasserfontänen vulkanischen Ursprungs zu beobachten, begleitet natürlich von einem herrlichen Düftchen nach verfaulenden Eiern. Ganz wagemutigen/dummen Menschen hat der grösste der Geysire hier – genannt “el asesino” d.h. “der Mörder” – angeblich bereits den Tod gebracht bzw. sie verdampft. Wir haben glücklicherweise überlebt und sind so noch in den Genuss von umfangreichen Erklärungen zur Unterscheidung der verschiedenen “Spucktiere” (Lamas, Alpaccas, Vikunjas) inklusive einer Degustation derselben (Lamafleisch) gekommen. Schmeckt übrigens sehr gut…

Natürlich liess auch der dritte Ausflug nicht lange auf sich warten. Dieses Mal sollte es kurz vor Mitternacht zur privaten Sternwarte eines Franzosen gehen, wo uns umfassende Erklärungen zum Firmament, so wie die Möglichkeit der Betrachtung von weit entfernten Planeten und Galaxien erwarten sollten. Vom Sternengucken mittels elektronischen Teleskopen – man konnte z.B. Saturn inklusive Ring klar erkennen – waren wir begeistert, von der “Stand-up-Comedy” auf niedrigstem Niveau des Möchtegern-Tourguides (er war nicht einmal ausgebildeter Astronome) eher weniger: so getraue er sich zum Beispiel nicht mehr, den Namen des Planeten “Uranus” in Englisch korrekt auszusprechen, wenn Teenager dabei seien, da dies immer zu ewigen Lachorgien führen würde (ausgesprochen wird dies ja wie “your anus” / “dein Arschloch”). *hahaha*

Nachdem wir nun also den Mond gesehen und fotografiert haben, wollten wir ihm selbstverständlich auch direkt einen Besuch abstatten. Für 3’600 pro Person ist auch dies möglich in San Pedro: doch keine Angst, liebe Angehörigen. Beim Geld handelt es sich natürlich nur um chilenische Pesos und auch eine Rakete war nicht vonnöten Smiley Stattdessen haben wir uns ein Fahrrad gemietet und sind ins “Valle de la Luna” / “Tal des Mondes” gefahren, wo wir zuerst durch einen engen Canyon mit Höhlen gekrochen und dann pünktlich zu Sonnenuntergang auf die höchste Düne gestiegen sind.

Da die Mondlandung sehr anstrengend gewesen ist, wird vorübergehend aber wieder gechillt…

San Pedro de Atacama by Jenny: Ausflug auf den Mond, dort wo Lamas leben

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Das charmante Wüstendörfchen San Pedro de Atacama, wo Lamas Eis essen

Ausflug zur Laguna Cejar

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Laguna Cejar mit einem Vulkan im Hintergrund       Stein-, Sand-, Salzboden

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Floating in der Lagune mit 10 mal mehr Salzgehalt als im Meer

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Sonnenuntergang bei einem kleinen ausgetrockneten Salzsee mit Pisco Sour

Ausflug zu den Tatio – Geysiren

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Um 6 Uhr morgens auf 5000m Höhe mit –12 Grad bei den dampfenden Geysiren

Die Suppe ist am kochen

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Rückfahrt, vorbei an schneebedeckten Bergen           Andenfuchs

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Kleine Kirche inmitten der trockensten Wüste der Welt

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Vikunja                                                        Junges Lama

Ausflug zum Valle de la Luna

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Abflugort für die Reise zum Mond Smiley

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Startklar                                                                         Anflug auf den Mond

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Ausser Atem auf dem wunderschönen Mond angekommen

Pucon, Santiago & Valparaiso by Nicola: Schlange stehen einmal anders: am Vulkan, in der Metro und vor der Polizeisperre

Wieder mit festem Boden unter den Füssen und – gegen Erwartung – im Zeitplan (die Fähre von Puerto Natales nach Puerto Montt hat oft mehrtägige Verspätung), beschlossen wir, der hässlichen Hafenstadt Puerto Montt so rasch wie möglich den Rücken zu kehren und nach Pucon weiterzufahren. Die gehegte Hoffnung, dass es weiter nördlich doch bitte etwas wärmer wäre, erfüllte sich aber leider trotz 6-stündiger Busfahrt nicht: als wir im beliebten Touristenort Pucon nämlich unser Gefährt verliessen, wurden wir von so starkem Wind und strömendem Regen begrüsst, wie noch nie bisher auf unserer Weltreise. Dummerweise hatten wir im Voraus auch keine Unterkunft gebucht, weshalb als erstes eine lustige Hostelsuche anstand, welche uns  quer durch das ganze Dorf geführt hat – alles natürlich bei übelstem Wetter.

Als dann endlich eine genehme Herberge gefunden wurde, teilte uns die Hostelbesitzerin mit, dass das miese Hundewetter nun schon seit mehreren Tagen anhalten würde, für den nächsten Tag aber Aufhellungen und Sonnenschein angesagt seien. Was uns eigentlich hätte freuen sollen – und im ersten Augenblick auch gefreut hat – entpuppte sich später jedoch als grosser Stolperstein für unseren ursprünglichen Plan, den noch aktiven Vulkan Villaricca in der Umgebung von Pucon zu besteigen: da das Hügelchen nur an sehr schönen Tagen bezwungen werden kann und die Besteigung darüber hinaus auch bei der breiten Masse sehr beliebt ist, wollten am nächsten Tag mehr als 200 Gipfelstürmer hoch hinaus. Für uns – speziell im Hinblick auf die nicht allzu vielversprechende Unfallstatistik aufgrund von unzureichend ausgebildeten Bergführern – definitiv keine Option. Also ergaben wir uns unserem Schicksal und flanierten durch das hübsche, wenn auch sehr touristische Städtchen, frischten alte “Schiffsbekanntschaften” bei einem Pisco Sour auf und statteten einem der zahlreichen Thermalbäder einen mitternächtlichen Besuch ab. Letzteres war dabei zweifellos das Highlight unseres Pucon-Besuchs, da das Bad – abgesehen von einigen improvisierten Umkleidekabinen – weitgehend naturbelassen ist. Da die Temperatur des Nachts in Pucon um diese Jahreszeit (auf der südlichen Halbkugel ist Anfang Herbst) bereits empfindlich tief sinken können, die Nachbarn des Hostels regelmässig mitternächtliche Openair-Parties veranstalteten, das Baby der Besitzerin immer mal wieder lautstark geschrien hat und man des Morgens sogar manchmal vom Sirenenalarm, welcher von einer vulkanischen Eruption warnt, geweckt wurde, waren wir nicht allzu unglücklich, als es nach einigen Tagen nach Santiago weiterging.

Ganz im Gegensatz zu Pucon, hat uns die Hauptstadt Chiles sehr positiv überrascht. Obwohl mit einem massiven Smogproblem und gefüllt mit Millionen von Einwohnern, welche unserer Ansicht nach alle zur gleichen Zeit das völlig überlastete Metronetz der Stadt benutzen (selbstverständlich ist es die Uhrzeit, zu welcher auch wir am ersten Tag in Santiago angekommen sind Smiley), ist sie nicht der erwartete Moloch, sondern verhältnismässig sauber, modern und trotzdem mit einer erstaunlichen Anzahl an gut erhaltenen Kolonialbauten gesegnet. Da die wichtigsten Sehenswürdigkeiten alle ziemlich kompakt beieinander liegen, hat man darüber hinaus auch genügend Zeit, um auf die beiden Hügel (Cerro San Cristobal & Cerro Santa Lucia) mitten in der Stadt zu wandern. Von diesen Oasen der Ruhe (und teilweise auch Smogfreiheit) hat man nicht nur einen herrlichen Ausblick über grosse Teile der Stadt, sondern kann sich auch vor deren lebhaftem Alltag erholen oder vor demonstrierenden Studenten in Sicherheit bringen…

Aufgrund einer – im Nachhinein einmal wieder nicht so tollen – Empfehlung in unserem Reiseführer, haben wir auch einen eintägigen Abstecher nach Valparaiso unternommen. Die zwei Stunden von Santiago entfernte Hafenstadt ist angeblich bekannt für ihre charmanten, an Hügeln gelegenen Wohnquartieren mit farbigen Häusschen. Aus unserer Sicht ist Valparaiso aber eher eine hässliche Hafenstadt mit ein, zwei netten Nachbarschaften, welche zwar durchaus ihren Charme haben und mit uralten “Liften” (extrem steile Zahnradbahnen, welche vom flachen Teil der Stadt auf die Hügel führen) befahren werden können, darüber hinaus aber rein gar nichts spezielles zu bieten haben. Da auch an diesem Tag wieder fröhliches demonstrieren inklusiver Randale angesagt war, wurde aus dem geplanten Tagesausflug dann halt eben nur ein halber…

Zurück in Santiago war es dann wieder einmal soweit: das Haar musste ab! Trotz eher negativer Erfahrungen beim letzten Friseurbesuch in Singapur, haben wir unseren gesamten Mut zusammengenommen und sind zu einem einheimischen “Höörlifilzer” gefahren. Und obwohl unsere Spanischkenntnisse bis aufs äusserste strapaziert wurden, kann sich das Ganze aus unserer Sicht sehen lassen. Weiteres grosses Plus an der Sache: den Damenhaarschnitt gabs für umgerechnet 15.-, den für Herren für knapp 12.- ! Natürlich musste der neue Schnitt auch sofort präsentiert werden und so traf es sich doch ganz gut, dass wir am gleichen Abend noch zwei Bekanntschaften von der Navimag treffen und mit ihnen Bellavista, das coole Studentenviertel Santiagos, unsicher machen wollten (hallöchen Dani & Tina) Smiley

Da es irgendwann für uns nichts Interessantes mehr zu sehen gab und ausnahmsweise auch einmal nicht demonstriert wurde, sind wir ein weiteres Mal in den Bus gestiegen. Ziel: das 24 Stunden nördlich gelegene San Pedro de Atacama. Zum Glück gibts hier Luxusbusse mit extrabreiten Sitzen…

Pucon, Santiago & Valparaiso by Jenny: Wilkommen in den Hügelorten

Pucon

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Der Touristenvulkan Villaricca, da ist ein Evakuationsplan schon notwendig

Santiago

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Präsidentenpalast

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Cerro San Cristobal

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Kolonialbauten inmitten moderner Hochhäuser

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Das ist noch ein Service           Ab auf den Cerro Santa Lucia mit der Standseilbahn

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Oben angekommen: über der Smogwolke ziert Maria den obersten Punkt

Valparaiso

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Auf fast alle Hügel geht ein Bähnchen zu den farbigen Wellblechhäusschen

Patagonien by Nicola: Kalt kann auch schön sein

Wie so viele unserer geschätzten Leser in der Heimat, zog es auch uns im letzten Monat gen Süden. Im Gegensatz zu euch war unsere Motivation aber eher gegenteiliger Natur: wir wollten vom wärmeren Norden in den kälteren Süden. Verkehrte Welt? Keineswegs, denn wir wollten von der Welthauptstadt des Rindssteak zu einer der südlichsten Städte der Welt nach Patagonien reisen. Der von mir gewählte Titel ist also keineswegs in Anspielung auf Europa zu verstehen Smiley

Damit wir uns eine anstrengende, knapp 40 Stunden lange Busfahrt ersparen konnten, sind wir von Buenos Aires zuerst nach Rio Gallegos geflogen, dort in den Bus gestiegen und haben so schliesslich die argentinisch – chilenische Grenze überquert. Lief alles völlig problemlos…haben aber ja auch nichts anderes erwartet, nachdem Nicola doch noch kurzfristig davon überzeugt werden konnte, keine leckeren Steaks nach Chile einzuschmuggeln. Bei den strikten Lebensmittelkontrollen am Zoll wäre das sicherlich auch schief gegangen…

In Punta Arenas angekommen, bestätigte sich – zumindest für uns als Weltreisende, welche bisher nur in wärmeren Gefilden unterwegs waren – das erst Patagonien-Klischee: es ist verdammt kalt hier! Wir sprechen zwar von immer noch 5 Grad PLUS, aber nichtsdestotrotz: es ist kalt! Wahrscheinlich dachten das auch die Bankomaten der lokalen Banken, denn trotz genügend Mitteln auf dem Konto gab es erst einmal nichts. Unser Taxifahrer, welcher uns von Geldinstitut zu Geldinstitut gefahren hat, fand das Ganze zwar komischerweise lustig, ob er aber immer noch so locker drauf gewesen wäre, wenn wir auch am Ende keine Pesos gehabt hätten, lässt sich (glücklicherweise) nicht feststellen, da Bankomat Nummer fünf Mitleid mit uns hatte und den gewünschten Betrag anstandslos herausspuckte.

Punta Arenas selbst ist ein ganz cooles Städtchen und dies nicht nur in Bezug auf die Temperaturen: ein kleines, idyllisches Örtchen mit Häusern aus Holz und freundlichen aber eher zurückhaltenden Menschen und die beste heisse Schokolade der Welt. Und natürlich bietet die Stadt auch eine Sehenswürdigkeit, für die es sich lohnt, eine Reise an den Hintern unseres Globus zu machen: die Isla Magdalena, Sommerresidenz (ja, es ist momentan Sommer hier unten!) von angeblich 120’000 Magellan-Pinguinen. Ob es tatsächlich auch so viele waren oder ob wir um einen Teil unseres Eintrittsgeldes betrogen worden sind, wissen wir nicht. Aber es waren auf jeden Fall sehr, sehr viele Pinguine. Das Ganze schaut man sich im Rahmen einer geführten Bootstour an, welche aufgrund von starkem Wellengang in der Magellan-Strasse aber nur bei schönem Wetter stattfinden kann. Hat man – so wie wir – Glück mit dem Wetter, wird man für eine Stunde auf der Insel abgeladen und kann dort entlang von abgesperrten Gehwegen über die Insel flanieren und die Pinguine beobachten, welche rundherum ihre Nester haben. Einige wagemutige Exemplare getrauen sich sogar in die Nähe der Menschen und geben so noch viel bessere Fotomotive ab. Allerdings war keiner mutig genug, um sich “dem grossen Nicola” entgegenzustellen Smiley Wahrscheinlich sehe ich, eingepackt in warme Kleidung und Mütze (beides hier dringend nötig), aus Sicht eines Pinguins nach watschelndem Killerwal aus…

Nach nur zwei Tagen sind wir dann aber schon wieder in Richtung Norden aufgebrochen. Zwar immer noch in Patagonien aber doch schon etwas wärmer, ist auch Puerto Natales ein quirliges Örtchen mit Charme. Und obwohl hier unsere Unterkunft im Gegensatz zu Punta Arenas sogar Heizung hatte und gar gemütlich war, diente sie uns doch nur als Ausgangspunkt für den wahrscheinlich letzten grösseren Trek unserer Weltreise: das grosse “W” im Torres del Paine – Nationalpark, so genannt wegen der Form des empfohlenen Wanderwegs, wenn man ihn auf einer Landkarte betrachtet. Und so haben wir in Puerto Natales in erster Linie eingekauft, Camping-Utensilien organisiert (da am 31. März hier Saisonende und dieses Jahr gleichzeitig dummerweise auch noch Ostern ist, waren alle Unterkünfte entlang der Route entweder ausgebucht oder bereits geschlossen) und Informationen eingeholt.

Die viertägige Wanderung selbst war dank der guten Vorbereitung und dem unwahrscheinlichen Wetterglück, welches wir hatten – in vier Tagen gab es keinen Tropfen Regen! – zwar anstrengend (die Wege verlaufen eigentlich nie eben, weshalb man während den gesamten gut 50 Kilometern immer hoch und wieder runter marschiert, plus hatten wir die Campingausrüstung im Rucksack) aber auch schön, wobei uns – neben den abwechslungsreichen Wegen selbst, welche über zahllose Flüsse und halsbrecherische Brücken führen – insbesondere die Torres selbst (sehr markante und frei stehende “Felstürme”, welche bis auf 2’500 Meter aufragen), sowie der “Glaciar Grey” gefallen haben. Letzterer ist ein gewaltiger Gletscher, dessen Abbruchstelle in einem grösseren See liegt, wodurch man mit einer Bootstour ganz nahe heranfahren und die beeindruckenden blauen Eismassen (sind blau, weil der Sauerstoff im Eis über die Jahrhunderte komplett herausgepresst wurde) aus nächster Nähe bewundern kann. Für das besondere Erlebnis sorgt dabei zusätzlich die Schiffscrew, welche einem im richtigen Moment einen Pisco Sour mit herausgebrochenem Eis serviert (chilenischer Longdrink, bestehend aus Pisco – einem chilenischen Schnaps –, Limettensaft, Eiweiss und Zucker). Da insbesondere der mittlere Abschnitt des “W” Schweizer Bergtälern sehr stark ähnelt, haben wir dort die Strecke etwas abgekürzt und somit wohl eher das grosse “U” gewandert Smiley Leider ist die gesamte Wanderung mittlerweile ziemlich touristisch, weshalb man den Park nicht in der Höchstsaison besuchen sollte. Gehört man nicht zu der – hier teilweise anzutreffenden – Gattung der “Wandermaschinen”, kann sich keine Träger leisten (soll es wirklich geben) und hat keine Unterkünfte mehr buchen können, empfiehlt es sich ausserdem, neben einem Zelt auch warme Schlafsäcke mitzunehmen, weil die Nächte teilweise empfindlich kalt werden können. Uns haben hierbei sog. “Notfalldecken” aus Silberfolie gute Dienste geleistet: leicht zu transportieren, geben sie doch warm.

Da – wie bereits erwähnt – Patagonien für uns als Schweizer zwar schön ist, langfristig aber nicht allzu viel zu bieten hat, besteht das letzte Kapitel in diesem Teil Südamerikas aus einer dreitägigen “Kreuzfahrt” auf einem Frachtschiff, dessen findige Besitzer es teilweise für den Transport von Touristen umgebaut haben. Die Fahrt, welche einen von Puerto Natales ins 1’500 Kilometer entfernte Puerto Montt bringt, führt dabei durch beeindruckende Fjorde und ein kleines Stückchen offenen Pazifiks, wobei ersteres für Staunen, letzteres eher für Stunden auf der Toilette sorgt Smiley Da wir Glück hatten und wegen Überbuchung in eine bessere Kabinenkategorie upgegradte wurden, in welcher es ein Fenster und eine eigene Toilette gab, war beides für uns kein Problem. Ausserdem kamen wir am ersten Tag in den Genuss einer Walsichtung (Pottwal), was nicht unbedingt selbstverständlich ist. Da das Tierchen jedoch “leider” nur alle paar Minuten fürs Luftholen einmal auftauchen muss, gibts leider keine Fotos.

Weil wir uns erhofft hatten, weitere Gletscher oder zumindest ein paar abgebrochene Eisberge aus nächster Nähe zu sehen, was zu gewissen Jahreszeiten angeblich möglich sein soll, sind wir vom Panorama trotzdem etwas enttäuscht. Da spenden die zahlreichen Bekanntschaften, welche man an Bord macht, so wie der gut mundende Pisco Sour des Barkeepers doch gleich Trost. Prost!