Tour zum Salar Uyuni by Nicola: Flamingos, Salz und Kokain

Von den Strapazen des Fahrradausflugs zum Mond erholt, haben wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Anbieter für eine Jeep-Tour zur grössten Salzwüste der Welt – dem “Salar de Uyuni” – gemacht. Was aufgrund der Menge an “verkaufswütigen” Agenturen in San Pedro de Atacama eigentlich kein Problem darstellen dürfte, hat trotzdem so seine Hürden: das Reiseprogramm ist bei allen Unternehmen zwar durchaus identisch, Preis, Anzahl der Mitfahrenden im Jeep, Art der Unterkunft, Menge und Qualität der Verpflegung, Zustand des Fahrzeugs und Nüchternheit des Fahrers können aber erheblich variieren. Nicht darauf erpicht, mit einem fahrenden Wrack Baujahr 1940 und/oder einem Trunkenbold durch die Wüste zu brettern, haben wir einen der teureren Anbieter (“Estrella del Sur”) gewählt. Dass aber auch dieses Vorgehen leider keine 100%-ige Sicherheit bietet, mussten wir am letzten Tag der Tour am eigenen Leib erfahren. Dazu aber später mehr…

Da die Bolivianer keine ausländischen Fahrer bzw. Guides auf “ihrem” Salar dulden, wird man am Morgen des ersten Tages mit dutzenden von anderen Reisenden der verschiedensten Agenturen per Bus an die bolivianische Grenze gekarrt. Diese besteht aus einem Holzverschlag inmitten der Atacama-Wüste in den Hochanden. Ist man erst einmal stolzer Besitzer des Einreisestempels, wird man einem der wartenden Fahrer zugeteilt: wir hatten Glück und durften mit “Ronald” und seinem jungen Lexus-Jeep reisen. Bei uns mitgefahren sind je ein Pärchen aus Kanada und Australien. Im Laufe des ersten Tages werden dann verschiedenste Sehenswürdigkeiten angefahren: die “Laguna Blanca” (eine Art Bergsee), die “Laguna Verde” (schon länger nicht mehr grün), der Geysir “Sol de Mañana”, und die spektakuläre “Laguna Colorada”, bei welcher man wegen der tiefroten Farbe die rosaroten Flamingos, welche hier leben, fast nicht mehr erkennen kann. Ob unsere Wahrnehmung auch der Realität entsprach, wissen wir dank dem “Höhenflash” (der Grossteil der Tourstrecke befindet sich auf mehr als 4’000 Metern Höhe) und dem ausgiebigen Kauen von Coca-Blättern, welche angeblich die Wirkung der Höhe mildern sollen, nicht mehr wirklich Smiley Für zusätzliche Unterhaltung sorgte eine Art Wettbewerb zwischen den Fahrern “unserer” Firma: beide wollten – wahrscheinlich aus rationalen Überlegungen bezüglich des zu erwartenden Trinkgelds – ihren Schützlingen immer etwas besseres bieten, als der Kontrahent: und so wurde auf “langweiligen” Abschnitten Gas gegeben, um zuerst am Ziel zu sein, Essen etwas exklusiver angerichtet, Getränke fünf Minuten vorher serviert, etc. Dieses Kräftemessen nahm zeitenweise lächerliche Ausmasse an, wurde den Insassen unseres Wagens doch verboten, beim Essen mit den anderen am gleichen Tisch zu sitzen…

Nach einer kalten und für gewisse auch sehr unruhigen Nacht (eine der Teilnehmerinnen im anderen Wagen litt an einer sehr extremen Form der Höhenkrankheit und musste deswegen Pillen mit hochdosiertem Koffein schlucken), standen am zweiten Tag etwas unspektakulärere Sehenswürdigkeiten auf dem Plan, war dieser doch vor allem dazu gedacht, die restlichen Kilometer zum Salar de Uyuni selbst zu überbrücken. Nichtsdestotrotz sind auch die diversen Lagunen, der “Arbol de Piedra” (Felsformation in Form eines Baums), der “Montagna de siete colores” (Berg mit vielen Farbabstufungen) und ein noch aktiver Vulkan ganz nett anzuschauen. Nur Flamingos müssen wir in den nächsten Wochen definitiv keine mehr sehen! Smiley Dank wiederum zackigem Fahrverhalten gabs für die Ersteintreffenden am Abend – uns natürlich – sogar ein Doppelzimmer im Salzhotel (ist wirklich fast alles aus Salz erbaut). Und auch die Wanderung auf den danebenliegenden, mit eindrücklichen Kakteen bewachsenen Hügel inklusive spektakulärem Weitblick über den Salar hat sich gelohnt!

Am Morgen des dritten Tages war es dann endlich soweit: der Salar selbst durfte entdeckt werden. Pünktlich zu Sonnenaufgang waren wir bei der “Isla de Inca Wasi”, einer kleinen “Insel” aus Stein im ewigen Weiss des Salzsees. Sobald die Sonne richtig oben war, ging es dann weiter zum eigentlichen Highlight, welches man der komplett ebenen und riesigen Salzfläche zu verdanken hat: dem Knipsen von grössen-verzerrten Klischeefotos. Obwohl wahrscheinlich täglich von Hunderten identisch gemacht, bereitet es doch sehr viel Spass, auf einem lebensgrossen Apfel “zu liegen”, mit dem eigenen Jeep “Spielzeugauto zu spielen” oder unseren Reiseleiter Joggeli als gleich grosse Person zu umarmen… Da erscheint einem der Zugfriedhof, welchen man zum Abschluss der Tour besucht, nicht mehr als allzu interessant.

In Uyuni angekommen, gehen die meisten Teilnehmer ihres Weges, um weiter ins Landesinnere von Bolivien zu reisen. Da wir uns dafür entschlossen hatten, wieder nach San Pedro de Atacama zurückzukehren, blieben uns nur knapp zwei Stunden in dem Wüstenort. Weil uns die Bolivianer aber als eher unfreundliche, mürrische Personen in Erinnerung bleiben, sind wir trotz interessanter kultureller Augenmerke (die Frauen tragen traditionelle Röcke und Hüte) nicht wirklich unglücklich, das Land wieder verlassen zu können. Der Unterschied im Lebensstandard zwischen Chile und Bolivien ist definitiv enorm!

Die Art wie wir die Rückreise absolvieren würden, hätten wir uns aber auch anders vorgestellt: der junge Fahrer, welcher am Nachmittag in Uyuni noch nüchtern, seriös und überhaupt nicht gesprächig gewirkt hatte, stank nach jeder Bier-, äähhhh tschuldigung, Pinkelpause etwas mehr nach Schnaps und entwickelte sich spätestens nach dem zweiten Stopp zu einer ausgewachsenen Labertasche. So erzählte er nicht nur irgendwelche wirren Stories, sondern gestikulierte gleichzeitig wild mit den Armen, so dass wir mehrmals von der “Strasse” abkamen. Glücklicherweise stand an den betreffenden Orten nicht gerade ein Lama im Weg… Allerdings fanden alle bis auf Nicola die Fahrt als äusserst unterhaltsam. Da ich mir sicher bin, dass meine beiden Mitfahrerinnen keinen Tropfen Alkohol zu sich genommen und auch keine anrüchigen Blätter gekaut haben, muss das wohl an der Höhe gelegen haben (teilweise fast 6’000 Meter)!

Weil unser Fahrer anscheinend auch das gesamte Geld, welches für unseren Proviant bestimmt gewesen wäre, wahrscheinlich in Alkoholika investiert hat, gab es sowohl am selben Abend, wie auch am nächsten Morgen das Essen erst nach lautstarker Intervention unsererseits. Entsprechend bekam der Mitarbeiter im Büro des Anbieters bei unserer Rückkehr nach San Pedro ordentlich etwas zu hören. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass er uns nach der Beschwerde das Geld für den letzten Reisetag umgehend zurückerstattet hat, so dass wir uns nun bei Pizza und Wein vom Stress erholen können Smiley

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