Pucon, Santiago & Valparaiso by Nicola: Schlange stehen einmal anders: am Vulkan, in der Metro und vor der Polizeisperre

Wieder mit festem Boden unter den Füssen und – gegen Erwartung – im Zeitplan (die Fähre von Puerto Natales nach Puerto Montt hat oft mehrtägige Verspätung), beschlossen wir, der hässlichen Hafenstadt Puerto Montt so rasch wie möglich den Rücken zu kehren und nach Pucon weiterzufahren. Die gehegte Hoffnung, dass es weiter nördlich doch bitte etwas wärmer wäre, erfüllte sich aber leider trotz 6-stündiger Busfahrt nicht: als wir im beliebten Touristenort Pucon nämlich unser Gefährt verliessen, wurden wir von so starkem Wind und strömendem Regen begrüsst, wie noch nie bisher auf unserer Weltreise. Dummerweise hatten wir im Voraus auch keine Unterkunft gebucht, weshalb als erstes eine lustige Hostelsuche anstand, welche uns  quer durch das ganze Dorf geführt hat – alles natürlich bei übelstem Wetter.

Als dann endlich eine genehme Herberge gefunden wurde, teilte uns die Hostelbesitzerin mit, dass das miese Hundewetter nun schon seit mehreren Tagen anhalten würde, für den nächsten Tag aber Aufhellungen und Sonnenschein angesagt seien. Was uns eigentlich hätte freuen sollen – und im ersten Augenblick auch gefreut hat – entpuppte sich später jedoch als grosser Stolperstein für unseren ursprünglichen Plan, den noch aktiven Vulkan Villaricca in der Umgebung von Pucon zu besteigen: da das Hügelchen nur an sehr schönen Tagen bezwungen werden kann und die Besteigung darüber hinaus auch bei der breiten Masse sehr beliebt ist, wollten am nächsten Tag mehr als 200 Gipfelstürmer hoch hinaus. Für uns – speziell im Hinblick auf die nicht allzu vielversprechende Unfallstatistik aufgrund von unzureichend ausgebildeten Bergführern – definitiv keine Option. Also ergaben wir uns unserem Schicksal und flanierten durch das hübsche, wenn auch sehr touristische Städtchen, frischten alte “Schiffsbekanntschaften” bei einem Pisco Sour auf und statteten einem der zahlreichen Thermalbäder einen mitternächtlichen Besuch ab. Letzteres war dabei zweifellos das Highlight unseres Pucon-Besuchs, da das Bad – abgesehen von einigen improvisierten Umkleidekabinen – weitgehend naturbelassen ist. Da die Temperatur des Nachts in Pucon um diese Jahreszeit (auf der südlichen Halbkugel ist Anfang Herbst) bereits empfindlich tief sinken können, die Nachbarn des Hostels regelmässig mitternächtliche Openair-Parties veranstalteten, das Baby der Besitzerin immer mal wieder lautstark geschrien hat und man des Morgens sogar manchmal vom Sirenenalarm, welcher von einer vulkanischen Eruption warnt, geweckt wurde, waren wir nicht allzu unglücklich, als es nach einigen Tagen nach Santiago weiterging.

Ganz im Gegensatz zu Pucon, hat uns die Hauptstadt Chiles sehr positiv überrascht. Obwohl mit einem massiven Smogproblem und gefüllt mit Millionen von Einwohnern, welche unserer Ansicht nach alle zur gleichen Zeit das völlig überlastete Metronetz der Stadt benutzen (selbstverständlich ist es die Uhrzeit, zu welcher auch wir am ersten Tag in Santiago angekommen sind Smiley), ist sie nicht der erwartete Moloch, sondern verhältnismässig sauber, modern und trotzdem mit einer erstaunlichen Anzahl an gut erhaltenen Kolonialbauten gesegnet. Da die wichtigsten Sehenswürdigkeiten alle ziemlich kompakt beieinander liegen, hat man darüber hinaus auch genügend Zeit, um auf die beiden Hügel (Cerro San Cristobal & Cerro Santa Lucia) mitten in der Stadt zu wandern. Von diesen Oasen der Ruhe (und teilweise auch Smogfreiheit) hat man nicht nur einen herrlichen Ausblick über grosse Teile der Stadt, sondern kann sich auch vor deren lebhaftem Alltag erholen oder vor demonstrierenden Studenten in Sicherheit bringen…

Aufgrund einer – im Nachhinein einmal wieder nicht so tollen – Empfehlung in unserem Reiseführer, haben wir auch einen eintägigen Abstecher nach Valparaiso unternommen. Die zwei Stunden von Santiago entfernte Hafenstadt ist angeblich bekannt für ihre charmanten, an Hügeln gelegenen Wohnquartieren mit farbigen Häusschen. Aus unserer Sicht ist Valparaiso aber eher eine hässliche Hafenstadt mit ein, zwei netten Nachbarschaften, welche zwar durchaus ihren Charme haben und mit uralten “Liften” (extrem steile Zahnradbahnen, welche vom flachen Teil der Stadt auf die Hügel führen) befahren werden können, darüber hinaus aber rein gar nichts spezielles zu bieten haben. Da auch an diesem Tag wieder fröhliches demonstrieren inklusiver Randale angesagt war, wurde aus dem geplanten Tagesausflug dann halt eben nur ein halber…

Zurück in Santiago war es dann wieder einmal soweit: das Haar musste ab! Trotz eher negativer Erfahrungen beim letzten Friseurbesuch in Singapur, haben wir unseren gesamten Mut zusammengenommen und sind zu einem einheimischen “Höörlifilzer” gefahren. Und obwohl unsere Spanischkenntnisse bis aufs äusserste strapaziert wurden, kann sich das Ganze aus unserer Sicht sehen lassen. Weiteres grosses Plus an der Sache: den Damenhaarschnitt gabs für umgerechnet 15.-, den für Herren für knapp 12.- ! Natürlich musste der neue Schnitt auch sofort präsentiert werden und so traf es sich doch ganz gut, dass wir am gleichen Abend noch zwei Bekanntschaften von der Navimag treffen und mit ihnen Bellavista, das coole Studentenviertel Santiagos, unsicher machen wollten (hallöchen Dani & Tina) Smiley

Da es irgendwann für uns nichts Interessantes mehr zu sehen gab und ausnahmsweise auch einmal nicht demonstriert wurde, sind wir ein weiteres Mal in den Bus gestiegen. Ziel: das 24 Stunden nördlich gelegene San Pedro de Atacama. Zum Glück gibts hier Luxusbusse mit extrabreiten Sitzen…

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