Südkorea (Seoul) by Nicola: “Grenzerfahrung” im Land der Freundlichkeit

Weil die erlaubte Dauer unseres Chinavisums (30 Tage pro Aufenthalt) praktisch vorüber war, mussten (bzw. durften Smiley ) wir das Reich der Mitte für einige Tage verlassen. Da wir von anderen Reisenden gehört hatten, dass Seoul eine sehr lebenswerte asiatische Stadt sein soll, haben wir beschlossen, Südkorea einen einwöchigen Besuch abzustatten. Und wir sind nicht enttäuscht worden…

Das alles verbindende Element, welches einen Trip nach Südkorea bzw. Seoul generell (und speziell nach vier Wochen China) empfehlenswert macht, sind die Menschen hier: sie sind sehr hilfsbereit und zuvorkommend und dies, obwohl Englisch nicht weiter verbreitet ist als in China; darüber hinaus sind alle extrem freundlich, teilweise fast schon etwas ängstlich und zurückhaltend (im positiven Sinne). Kein Geschiebe beim Anstehen, keine ungezogenen Kinder, kein Gespucke…

Auch an Sehenswürdigkeiten hat die Stadt so einiges zu bieten, wobei unser eigentliches „Highlight“ etwas makaberer Natur ist: Seoul ist nur einige Dutzend Kilometer von der Grenze zu Nordkorea entfernt. Dort stehen sich seit Jahrzenten Soldaten der beiden Länder gegenüber, jederzeit bereit für den Ernstfall. Trotz immer wieder auftretender Zwischenfälle, kann man die „Demilitarisierte Zone“ (4 Kilometer breiter Streifen ohne bewaffnete „Bewohner“) mit ihren diversen Sehenswürdigkeiten (Aussichts- bzw. Beobachtungspunkt der südkoreanischen Streitkräfte; in jüngerer Zeit entdeckter Tunnel, welcher von Nordkorea zwecks Invasionsplänen gegraben wurde; letzter Bahnhof auf südkoreanischem Boden) besichtigen. Wir als Nicht-Koreaner hatten gegen einen Aufpreis sogar die Möglichkeit, die sogenannte „Joint Security Area“ (hier verläuft die „bewaffnete Grenze“ ohne entmilitarisierte Zone dazwischen; diese Einrichtung dient primär dazu, Verhandlungen zwischen Nord und Süd unter Aufsicht der UNO – vertreten durch schwedische und SCHWEIZER Soldaten – zu führen) zu betreten, allerdings nur in Begleitung von zwei Mitgliedern der US-Army und unter Beachtung strenger Vorschriften (nach dem Aussteigen aus dem schusssicheren Bus immer in Zweierkolonne marschieren und nicht anhalten, die Vorderseite des Körpers wenn möglich immer in Richtung Nordkorea, keine „Kommunikation“ jeglicher Art mit nordkoreanischen Soldaten, Tragen von Dreiviertelhosen, etc.). Dafür können wir nun behaupten, für einige Sekunden nordkoreanischen Boden betreten zu haben und eingehend von den nordkoreanischen Grenzposten beobachtet worden zu sein (mit Ferngläsern, welche sie so gut nie absetzen; soll nach Aussage eines US-Soldaten anscheinend der Einschüchterung dienen). Wir geben ja zu, dass dies eine ziemlich zweifelhafte „Ehre“ ist, interessant war es aber trotzdem Smiley.

Da Korea schon vor den Zeiten der Kim-Jong-Dynastie das Pech hatte, nicht mit Frieden gesegnet zu sein, war auch ein zweites Monument kriegerischer Natur: die Japaner haben im Laufe der Koreakriege diverse Gefängnisse errichtet, welche für die Einkerkerung, Folter oder gar Eliminierung der koreanischen Aufständischen genutzt wurden (die Koreaner wurden von den Japanern gejagt, wie die Juden von den Nazis). Um diese schrecklichen Geschehnisse im Bewusstsein der Menschen zu halten, kann man einige dieser Institutionen (ähnlich den KZs in Europa) heute besichtigen.

Wenn man die nahe Grenze und die unschöne Vergangenheit einmal beiseitelässt, hat Seoul als verhältnismässig „junge“ Stadt auch so einiges an architektonischen Sehenswürdigkeiten zu bieten: einer der Flüsse, welche die modernsten Viertel der Stadt durchquert, wurde erst kürzlich in einem gross angelegten Milliardenprojekt wieder freigelegt und renaturiert, was einen sehr eindrücklichen Kontrast zwischen Natur und Moderne kreiert. Es existieren auch diverse Viertel, bei welchen Kunst und Architektur in spezieller Weise verbunden wurden. Grund für den zunehmenden Einfluss der schönen Künste findet man unter anderem in den diversen (und angeblich sehr renommierten) Kunstuniversitäten der Stadt. Zumindest in den direkt angrenzenden Vierteln kann man die kreative Energie schon fast mit der Hand greifen (unzählige Bands und Artisten treten den ganzen Tag über gratis vor Publikum auf)…

Von so viel Tatendrang und Optimismus angeregt, haben auch wir uns zu einer romantischen Bekundung inspirieren lassen und bei den „Liebesbäumchen“ auf Seouls Hausberg (Gittergestelle in Form von Tannenbäumen bei welchen verliebte Pärchen über die Jahre hinweg Vorhängeschlösser als Symbol ihrer Verbindung „angekettet“ haben) zwei Schlösschen angebracht (an alle, welche irgendwelche „Wetten“ diesbezüglich laufen haben: nein, verlobt sind wir trotzdem nicht Smiley ).

An unserem letzten Tag in Südkorea haben wir uns auch noch eine sehr eindrückliche Taekwondo- (koreanische Kampfsportart) und Tanz-Show angesehen.

Obwohl Südkorea und seine Einwohner schon fast „westlich“ sind, haben wir auch hier viele interessante und skurrile Dinge entdeckt. Aber urteilt selbst:

– Auch Südkoreaner unterliegen in gewissen Punkten dem „Gruppenphänomen“, welches wir bereits bei den Chinesen entdeckt haben. So kann man, mangels Kirchen und grosser Restaurants, seine Hochzeit auf einem speziell dafür eingerichteten Stockwerk eines Warenhauses (es gibt Kapellen, Restaurants, Ballsäle, etc.) feiern. Um das Ganze effizient zu gestalten, wird natürlich im Turnus geheiratet und gefeiert (eine Gesellschaft ist in der Kapelle, eine zweite beim Festmahl, etc.).

– Der koreanische Volkssport heisst nicht Fussball, Tennis, Leichtathletik, etc. sondern „Star Craft“. Für alle, welche mit diesem Begriff nichts anfangen können: Bei Star Craft handelt es sich um ein Computerspiel. Die besten Spieler sind hier aber nicht nur im Internet bekannt, sondern treten in riesigen Stadien vor hunderten Zuschauern gegeneinander an, begleitet von Kommentatoren und Fernsehkameras (es gibt auch Live-Übertragungen im Fernsehen).

– Der letzte Modeschrei scheinen hier Gummistiefel zu sein; egal ob zum Minirock, zur Hose oder zu Hotpants; ein paar quietschbunter „Festivalschuhe“ darf hier nicht fehlen…

– Das koreanische Essen ist höllisch scharf! Egal ob Nudeln oder eine Form des einheimischen „Tischgrills“; alles wird in einer sehr pikanten Chillisauce serviert und brennt vom Verzehr, über das Verdauen, bis hin zum Toilettengang. Gegessen wird in Korea selbstverständlich auch mit Stäbchen. Im Gegensatz zu ihren chinesischen „Artgenossen“ sind diese jedoch abgeflacht und aus Metall, was das Essen von Nudeln zu einer wahren Herausforderung macht, obwohl wir inzwischen ziemlich routinierte Stäbchen-Esser sind.

– Das Nachtleben in Seoul hat neben Restaurants, Bars und Clubs wie wir sie aus der Schweiz kennen, auch eine etwas andere Form von Lokalitäten zu bieten: bei den „Bar-Clubs“ handelt es sich um eine Art Lounge, bei welcher jede Gruppe von Gästen einen Tisch „mietet“, indem sie mindestens eine Flasche Alkohol inklusive Snacks bestellt (alles zu sehr gemässigten Preisen). Im Gegensatz zu den Schweizer Pendants wird hier jedoch nicht zur (sehr lauten) Musik getanzt, sondern eher „socialising“ betrieben. D.h., insbesondere Männer gehen bevorzugt in solche Lokale, nehmen sich einen Tisch (mit Flasche) und lassen sich von den Türstehern hübsche Damen bringen (keine Prostituierten!), welche ihnen im Tausch gegen Speis und Trank Gesellschaft leisten. Dass dies auch in eine völlig andere Richtung funktionieren kann (Dame reserviert Tisch mit Flasche und zeigt Interesse an anderer Frau), hat Jenny sehr eindrücklich am eigenen Leib erfahren Smiley

– Wir als Anhänger der Marke Samsung haben uns schon eine Weile auf Seoul und seine Techniksupermärkte gefreut. Schliesslich haben wir gehofft, hier ein Gerät der südkoreanischen Marke zum Schnäppchenpreis zu ergattern. Leider weit gefehlt: Erstens sind die technischen Wunderstücke fast so teuer wie bei uns und zweitens wird einem der Kauf durch den Aufbau der Technikmärkte gründlich vermiest: Ein entsprechendes Warenhaus besteht hier zwar aus sieben Stöcken (das Paradies eines jeden Mannes, könnte man denken), leider funktioniert aber hier alles nach einem „Basar-Prinzip“. D.h., es hat zahllose kleine Läden mit ihrer eigenen Auslage…Preise sind Verhandlungssache und eine logische Sortierung (z.B. ein Stock für TV, einer für Mobilkommunikation, etc.) existiert auch nicht.

Südkorea (Seoul) by Jenny: Skurrile, spielerische und kitschige “Grenz-” Stadt

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Eine ganze Schulklasse mit rosaroten Köfferchen        Die Gassen von Seoul

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Der langersehnte Kugelautomat Smiley                              Gasmasken in jedem Zimmer

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Von den Japanern gebautes Gefängnis (wie ein KZ)

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Gefangener Schwerverbrecher Smiley                                   Unartige beim Verhör

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Unser Chaos im kleinen Hostelzimmer    Koreanerinnen mit Rock und Gummistiefel

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Bankomat wie eine Spielkonsole                Essenspräsentation vor Restaurant

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Sehen und gesehen werden am renaturierten Fluss

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Werde trocken                                            Mein gepimptes Natel

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Sicht auf die Nordkoreanische Seite mit nordkoreanischer Beobachtung

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Mitte des Tisches: Grenze Nord-/Südkorea  Ich stehe auf Nordkoreanischer Seite

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Nordkoreanisches Fake-Dorf im Grenzbereich       Einziger Fussweg in den Norden

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Letzte Zugstation in Südkorea mit besetztem Bahnschalter ohne Arbeit für transnationale Züge in den Norden bis auf China

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Hello Kitty Cafe und viele Leute im schrägen Uni Ausgangsviertel

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Lustige Strassenartisten          Bar-Club mit skurriler Damenbekanntschaft

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E-Sports-Stadium                                       Financial District

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Schweizerkäse Gebäude                            Hundelöwen aus Pet-Flaschen

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Fahrrad-Einstell-Boxen                                                  Wedding Hall

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Liebsbäumchen mit vielen Schlösschen Unsere 2 Schlösschen (hellgrün/weiss) Verliebt

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Turm auf dem Hügel                Aussicht vom Hügel

Tanzeinlage mit Fächern

Taekwondo Show