Flores by Nicola: Liebe und Hass können so nahe beieinander liegen

Um nicht unser Leben bei einer Überfahrt mit einem der zahlreichen “absaufgefährdeten” Kutter zu riskieren, haben wir beschlossen, den Weg von Bali nach Flores mit dem Flugzeug zurückzulegen (natürlich mit einer Fluggesellschaft, welche auf der schwarzen Liste steht Smiley; lässt sich in Indonesien jedoch nicht vermeiden, da alle einheimischen Airlines auf dieser Liste sind…). Als wir früh morgens am Flughafen eingetroffen sind, kamen uns dann aber doch erste Zweifel, ob das Boot nicht doch die bessere Wahl gewesen wäre: Check-In war lediglich an einem einzigen Schalter möglich, das Gepäck wurde auf einer alten Postwaage gewogen und dann manuell zu einem Loch in der Wand getragen (kein Fliessband) und das Ticket wurde mangels Drucker von Hand geschrieben. Beim Flugzeug selbst handelte es sich dann zwar auch um eine grössere Propellermaschine, allerdings war sie augenscheinlich ziemlich neu und ausserdem fast leer, wodurch die Wahrscheinlichkeit eines Absturzes aufgrund von Übergewicht sehr gering war Smiley

Wir sind dann auch wohlbehalten in Labuan Bajo – seines Zeichens grösster Ort in Westflores, Backpacker-Ghetto und Ausgangspunkt der meisten Touren nach Komodo – gelandet und wurden von der schwülen Hitze fast erschlagen… Da das Städtchen selbst nichts zu bieten hat, haben wir innert möglichst kurzer Frist versucht, ein paar Mitreisende für einen mehrtägigen Komodoausflug zu finden. Spart Kosten und ist unterhaltsamer… Wir hatten auch gleich Glück und trafen ein deutsches Pärchen, welches dieselben Ideen und Vorstellungen bezüglich dieser Exkursion hatte.

Und nachdem wir noch einen interessanten Abend mit zwei anderen Rucksacktouristen aus der Schweiz verbracht haben, gings am nächsten Morgen dann auch schon los: unser privates Boot inklusive Captain und Koch/Matrose/Mädchen für alles empfing uns im Hafen und nach einer gut dreistündigen Fahrt erreichten wir unser erstes Ziel: die Insel Rinca. Diese ist – neben Komodo selbst – das einzige Verbreitungsgebiet der grössten Echse der Welt. Und zu sehen gab es so einige von diesen Untieren (ein Teil lungerte vor der Küche der Nationalpark-Lodge herum; die weiblichen Exemplare sah man eher beim Bewachen ihrer Nester). Uns haben insbesondere auch die Eigenschaften und Fakten zu diesen Tieren fasziniert: ein Komodowaran kann in seinen knapp 60 Lebensjahren bis zu drei Meter lang werden und mehr als 80 Kg wiegen. Trotz ihrem unbeholfen wirkenden Gang und ihrem trägen Erscheinungsbild sollte man sich aber nicht von ihnen täuschen lassen; sie erreichen beim Sprint nämlich bis zu 20 Stundenkilometer, sind – auf kürzeren Strecken – sehr gute Schwimmer UND sie fressen nur Fleisch und dies regelmässig auch von grossen Beutetieren (Wildschweine, Hirsche und sogar Wasserbüffel stehen auf dem Speiseplan)! Die Wanderungen im Nationalpark müssen deshalb auch mit einheimischen Führern gemacht werden, welche mit einem langen, an der Spitze gegabeltem Holzstock bewaffnet sind, mit welchem sie im Notfall das heranstürmende Ungetüm abwehren sollen. Wir haben jedoch ernsthafte Zweifel, ob das in der Praxis auch tatsächlich funktioniert…

Neben Rinca standen noch das Schnorcheln an drei verschiedenen Plätzen, eine Übernachtung an Deck unseres Bootes, sowie natürlich eine weitere Wanderung auf Komodo auf dem Programm. Können wir alles sehr empfehlen, wobei man jedoch erwähnen muss, dass der Ausflug auf Komodo selbst schon fast etwas enttäuschend ist, nachdem man auf Rinca war. Grund dafür ist die viel niedrigere Populationsdichte der Komodowarane. Wir haben im Laufe des zweistündigen Marsches lediglich zwei Exemplare zu Gesicht bekommen! Wenigstens gabs dafür ein paar wirklich sensationelle “Gruppenfotos” mit Waran (Zitat Guide: “Er hat erst vor vier Tagen gefressen und ist jetzt immer noch satt!”), sowie ein paar romantische Strandbilder (natürlich auch mit Waran).

Nach so viel Küste und Meer wollten wir ins bergige Inselzentrum weiterreisen. Und da die Strassen in Flores sehr schmal und von Schlaglöchern durchzogen sind, besteht die einzige Fortbewegungsmöglichkeit in Minibussen, welche in aller Regel völlig überladen sind. Da wir auf zehnstündige Fahrten mit einem Huhn auf dem Schoss und den Füssen eines Kindes im Genick verzichten können, haben wir uns zwei Plätze in einem “Luxus-Minibus” gegönnt. D.h., man hat reservierte Plätze, es werden nicht mehr Passagiere mitgenommen, als Sitze vorhanden sind, das Gepäck kommt in den Kofferraum und nicht aufs Dach (wichtig, da es in Flores jeden Abend für mindestens eine Stunde sehr stark regnet) und der Bus fährt direkt zum Zielort, ohne in jedem Kaff an der Strecke Leute abzuladen bzw. aufzugabeln. Umsteigen mussten wir dann aber irgendwie trotzdem und Pinkelpausen gab es auch keine! So waren wir froh, in Bajawa, unserem Zielort in den Bergen, angekommen zu sein. Die anfängliche Freude währte allerdings nur solange, bis wir festgestellt hatten, dass die Minibusstation ca. 6 Kilometer ausserhalb des Dorfes lag und das örtliche Transportwesen von der “Rollermafia” beherrscht wurde. Trotz unserer Bitte nach einem vierrädrigen Untersatz wollte man uns nur auf den Rücksitz von Motorrädern verfrachten (inklusive unserer zwei Trekking- und zwei Tagesrucksäcken), ganz zu schweigen von den astronomischen Preisvorstellungen. Sogar die von uns selbst herangewinkten Bemos (= Sammeltaxis) wurden von den aggressiven Motorradfahreren unter Androhungen weggejagt. Erst nach etwa fünf Minuten hatten wir Glück und wurden von ein paar halbwüchsigen mitgenommen (der Fahrer war zweifellos nicht älter als 14!). Die mafiösen Tendenzen setzten sich dann auch im Örtchen selbst nahtlos fort: es existieren hier insgesamt nur fünf einfache Hotels. Und obwohl alle Unterkünfte wegen der Nebensaison praktisch keine Gäste hatten und die Zimmer feucht und miefig waren, gab es keinen Nachlass auf die offizielle Preisliste (aus der Hochsaison!). Wo einem in anderen Ländern spätestens beim Hinausgehen 20-30% Rabatt gewährt werden, wird hier einfach geschwiegen, da alle wissen, dass es die Konkurrenz gleich handhaben wird! Wo bleibt hier eine Kartellbehörde?!

Nächster Knackpunkt sind dann die Sehenswürdigkeiten, bei welchen das Spiel von vorne beginnt: Zu sehen gibts in der Region um Bajawa vor allem die Dörfer der Ngada, dem Urvolk von Flores, welches seine Hütten in einer sehr ausgefallenen Bauweise errichtet, ein natürliches Thermalbad (ist aus dem Zusammenfliessen eines kalten und eines extrem heissen Bergflusses entstanden), sowie ein paar schöne Wanderstrecken. Auch führt seit etwa einem Jahr eine wunderbar geteerte Strasse zu all diesen Dingen (mit Ausnahme der heissen Quellen). Aber selbstverständlich wollen die einheimischen Guides einem weiss machen, dass alle Orte nur unter grossen Entbehrungen zu erreichen sind und man deswegen natürlich auf sie und einen erfahrenen Jeepchauffeur angewiesen wäre. Das eintägige Komplettpaket würde dabei aber “nur” 800’000 Rupien kosten (ca. 80 Franken)… Nun, wir haben dankend abgelehnt und – nach langer Suche und viel Überzeugungsarbeit – einen Roller gemietet, mit welchem wir das Ganze auf eigene Faust und ohne labernde Nervensäge absolvieren konnten. Kostenpunkt: 100’000 Rupien Smiley Von den unsagbar schlechten Strassenverhältnissen, den unfreundlichen Dorfbewohnern oder sogar den vergewaltigenden Räuberbanden, welche es nach Aussagen der Guides hier so geben soll, haben wir aber komischerweise nichts mitbekommen.

Am darauffolgenden Tag sind wir dann mit unserer Lieblingsbusgesellschaft ins 8 Stunden entfernte Moni weitergereist. Auch dabei handelt es sich um ein idyllisches Bergdörfchen, welches am Fusse seiner einzigen Sehenswürdigkeit liegt: dem Mt. Kelimutu (erloschener Vulkan, welcher wegen seiner drei Kraterseen bekannt ist; zwei davon wechseln ihre Farbe dauernd, einer ist konstant türkis). Und wie bereits in Bajawa darf natürlich auch hier die lokale Mafia nicht fehlen: ein Roller ist nur gegen einen viel zu hohen Preis zu bekommen; die Besitzerin der Unterkunft dreht einem das Wasser ab, sobald man bezahlt hat (da wir morgens um vier ausgecheckt haben, mussten wir am Abend vorher bezahlen); der – zu Beginn nette – Typ, welcher einem ein Flugticket besorgt, will am nächsten Tag plötzlich mehr Geld, da er angeblich einen Beamten am Flughafen bestechen musste; Benzin kostet für ausländische Gäste das Dreifache; das bestellte Taxi kommt eine halbe Stunde zu spät, weil der Fahrer am Abend vorher zu viel getrunken hat und noch im Bett liegt (der minderjährige Sohn fährt den Wagen), etc.

Schön wars aber trotzdem. Der Fussmarsch auf den Kelimutu (knapp 40 Kilometer und etwas mehr als 1500 Höhenmeter hin und zurück) war zwar extrem anstrengend aber auch vielfältig, da man durch die verschiedensten Vegetationszonen geht. Ausserdem diente er uns als Training für die Besteigung des Mt. Kinabalu in Borneo. Da wir am nächsten Morgen um 04:00 den Berg noch einmal auf die konventionelle Art – d.h. mit Motorfahrzeug – bezwungen haben, kennen wir jetzt ausserdem die verschiedenen Farbenspiele der Kraterseen bei unterschiedlicher Beleuchtung.

Um uns die knapp 20-stündige Rückfahrt per Minibus zu ersparen, haben wir uns einen Flug von Ende (heisst wirklich so) nach Labuan Bajo gegönnt. Nachdem wir – wie oben bereits erwähnt – beim Kauf des Flugticket übers Ohr gehauen worden sind und das Einchecken aufgrund eines defekten PC’s mehr als zwei Stunden in Anspruch genommen hat, sind wir dann nervlich am Ende, physisch aber gesund, auch tatsächlich in Labuan Bajo angekommen. Um den enormen Frust etwas abzubauen, haben wir uns dann am Abend beim Italiener eine exorbitant teure Platte mit ein paar Scheibchen importiertem Käse bestellt Smiley

Leider sollten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, dass der Tiefpunkt bezüglich Verarsche in Flores noch nicht erreicht war! Da unser Rückflug nach Denpasar am nächsten Tag für 15:30 angesetzt war, sind wir schön brav um 13:00 am Flughafen erschienen (falls ihr euch erinnert: es gibt hier lediglich ein Gate!). Leider war bis 14:00 am Schalter von unserer Fluggesellschaft (die heisst Merpati; das soll nur einmal gesagt sein, falls ein weiteres potentielles Opfer sich einmal überlegen sollte, mit diesem Verein zu fliegen) keine Menschenseele zu sehen, weshalb wir dann einmal am Nachbarschalter nachgefragt haben. Der Mitarbeiter dort hat uns dann ins Büro seines Chefs geschickt, wo wir das Büro von Merpati anrufen sollten. Dort bekamen wir die Auskunft, dass unser Flug kurzfristig auf den Morgen verschoben worden sei und man leider nichts machen könne. Einziges Resultat unserer nachfolgenden verbalen Ausrutscher am Telefon war dann, dass die Konkurrenzgesellschaft – welche für denselben Nachmittag den einzigen weiteren Flug nach Bali im Angebot hatte – kurzfristig den Ticketpreis saftig anhob! Da wir leider schon eine Übernachtung in Bali und eine Speedboatüberfahrt nach Gili für den nächsten Tag gebucht hatten, blieb uns keine andere Wahl!

Fazit für Flores: die Insel hat vielfältige und beeindruckende Flora und Fauna zu bieten, das vorherrschende Mass an Abzocke übersteigt aber selbst unsere Schmerzgrenze soweit, dass wir definitiv von einem Besuch dieser Insel auf eigene Faust abraten (geführte Touren sind eventuell eine bessere Alternative)!

Und die lessons learned (abgesehen davon, dass man am Flughafen nicht zu lautstark fluchen sollte, damit die Preise nicht ins unendliche steigen)?

  • Die Landbevölkerung in Flores ohne Bezug zum Tourismus ist extrem freundlich: egal ob im Falle eines heftigen Regengusses, wo einem ein Dach über dem Kopf inklusive Kaffee angeboten wird, beim Fragen nach Richtungen oder beim “Tanken” in den Bergen (das Benzin kommt aus Petflaschen, da es keine Zapfsäulen gibt): es wird einem immer sehr freundlich und ohne Hintergedanken geholfen.
  • Es ist sehr ratsam, Trekkingrucksäcke vor dem Transport in Minibussen oder Flugzeugen in eine extra Schutzhülle einzupacken. In Indonesien wird nämlich immer und überall geraucht, egal ob beim Be- oder Entladen eines Vehikels, beim Mitfahren im Kofferraum (ja, ein Passagier war im Minibus dann doch zuviel dabei…) oder beim Mitfliegen (das Personal auf inner-indonesischen Flügen nimmts mit dem Rauchverbot nicht so genau). Und welcher Ort würde sich besser eignen als ein Rucksack, wenn man seine Zigarette ausdrücken möchte?!

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