Kochi, Ooty & Mysore by Nicola: (Fast) Alles anders im Süden

Der nächste Abschnitt unserer Indienreise begann mit dem “Tiefkühlexpress”  (=modernster und deshalb auch bestklimatisierter Zug, welchen wir in Indien bisher hatten), mit welchem wir von Varanasi via Mumbai nach Kochi (Hauptstadt der Provinz Kerala) fuhren. Die insgesamt 60-stündige Reise quer durch den indischen Subkontinent war dabei geprägt von Höhen und Tiefen: So lernten wir im Zug sieben sehr rüstige Rentner kennen, welche seit 35 Jahren einmal jährlich zusammen in den Urlaub fahren. Die vielen Anekdoten (z.B. “In Goa arbeiten die faulsten Inder weit und breit! Wenn ihr etwas von denen wollt, müsst ihr sie zuerst wecken…”; die lieben Leutchen sind selbst übrigens ursprünglich aus Goa Smiley ) und bodenlose Witze (einer der drei verheirateten Männer sagte, angesprochen auf den Grund weshalb der vierte Mann im Bunde single sei: “Seine Mutter hat ihm immer gesagt: Sohn, Kühe sind teuer aber Milch ist günstig!” Smiley ) waren sehr informativ und unterhaltsam und haben uns – zumindest mental – schon einmal darauf vorbereitet, dass der Süden Indiens mit dem Norden nicht allzu viel gemeinsam haben würde. Leider konnten wir beide trotzdem die Reise nicht voll geniessen, da es uns nach mehr als sechs Wochen doch noch erwischt hatte: seit Varanasi litten wir unter Kopfschmerzen, Unruhe, Durchfall und Fieber (im Falle von Nicola knapp 40 Grad!)! So wie es aussieht, hat auch uns die “heilige Kloake” (= Ganges) nicht unberührt gelassen…

Da kam uns unsere erste Unterkunft in Kochi gerade recht: wir hatten ein Zimmer in einem sog. “Homestay”, d.h. bei einer einheimischen Familie, welche zur Finanzierung ihrer Villa einen Teil der Räume an Touristen vermietet, gebucht. Die Gastgeber waren sehr freundliche und zuvorkommende Menschen (sie waren übrigens Christen, wie unsere Begegnungen im Zug auch; im Süden Indiens gibt es ziemlich viele davon, da die Provinzen lange unter portugiesischer Herrschaft standen) und haben uns sogar mit magenschonender Kost versorgt, obwohl sie eigentlich gar keine Mahlzeiten anbieten. In Verbindung mit dem gemütlichen und mediterranen Flair der Stadt selbst und den sehr guten Restaurants mit westlicher Küche (um dem typischen “Indian Food” für einmal zu entfliehen, haben wir einmal ein (massiv überteuertes) Rindssteak (yeeeeaaaahhh) und sogar zweimal Pasta bei einem ausgewanderten Italiener gegessen; zwar immer noch wesentlich würziger als bei uns, aber hey, wer will sich denn nach sechs Wochen schon beklagen!?!?), konnten wir uns wieder einigermassen regenerieren und sogar die örtlichen Sehenswürdigkeiten angucken. Die wären: sog. “chinesische Fischernetze”, d.h. eine spezielle Technik des Fischfangs, ein Strand mit Ölraffinerie Smiley, die Holländer, welche hier seit Jahrhunderten auf der faulen Haut herumliegen (es gibt einen Friedhof, auf welchem nur Familienmitglieder der holländischen Besatzungsmacht bestattet sind), sowie zahlreichen Diskotheken, ääääh pardon, Kirchen wollte ich sagen. Diese sind nämlich mit tausenden von farbigen Glühbirnen geschmückt, welche jede Nacht brennen – erstaunlicherweise sogar dann, wenn der Rest der Stadt gerade wieder einmal Stormausfall hat (dies liegt aber weniger an Wundern, sondern viel mehr an zwei bis drei Dieselgeneratoren, welche für den nötigen Strom sorgen).

Ganz generell tickt der Süden einfach anders: morgens um fünf wird man vom Gebetsaufruf der örtlichen Moschee aus dem Tiefschlaf gerissen; kaum ist man dann wieder eingeschlafen, beginnt der benachbarte Hindutempel mit seinem ohrenbetäubenden “Gebetssong” (jeder Tag der gleiche und definitiv ab Band); und schlussendlich sorgen dann die Gesänge aus der römisch-katholischen Kathedrale dafür, dass man definitiv aufsteht…kurz: da in Indien – und ganz speziell im Süden – zahllose Religionen seit Jahrhunderten auf engstem Raum nebeneinander bestehen, findet man wohl auf der ganzen Welt keine ähnlich tolerante und vielfältige Region. Weitere Unterschiede sind höhere Sauberkeit und mehr Wohlstand, sowie andere “Modetrends”: Frauen kombinieren typisch indische bzw. hinduistische Kleidungsstücke und Gepflogenheiten (wie bspw. Saris oder den “Bindi”, d.h. den roten Punkt auf der Stirn) mit westlichen Einflüssen. Und was machen die Männer? Sie tragen “Röcke” aus umgewickelten Tüchern… Ob sie darunter auch Unterwäsche tragen, entzieht sich leider unserem Wissen Smiley

Ein sehr empfehlenswerter Tagesausflug inklusive Übernachtung führt einen von Kochi aus nach Alleppey, einem eher unscheinbaren Örtchen, welches jedoch als Ausgangspunkt für die bekannten Hausboot-Trips in die Backwaters von Kerala dient. Für umgerechnet 100 Franken kann man sich hier ein Hausboot inklusive dreiköpfiger Crew und Vollpension mieten und sich durch diese “Wasserstrassen” chauffieren lassen. Das Ganze war sehr eindrücklich und entspannend. Und nach entsprechender Nachfrage und einem ordentlichen Trinkgeld gabs sogar Bier (der Koch musste dafür aber extra in das Dorf in der Nähe rudern Smiley). Das einzige Erlebnis der etwas spezielleren Art war die Übernachtung: wir haben am Abend der ersten Tages irgendwo am Ufer festgemacht (es war dunkel) und sind schlafen gegangen, nur um am nächsten Morgen festzustellen, dass die Anlegestelle genau vis-à-vis des Anfangs- und Endpunktes der Flussfahrt war und der Kapitän einfach nur noch wenden musste, bevor er uns von Bord führte Smiley

Nach einer weiteren Nacht in unserem geliebten Homestay liessen wir uns – wie meistens in Indien – von einem Tuk-Tuk zum Bahnhof fahren, um den Zug nach Coimbatore zu erwischen. Normalerweise wäre eine solche Fahrt ja nicht weiter erwähnenswert. Dieses Mal jedoch wurde unser “Mini-Taxi” mit uns an Bord zuerst eingeschifft und auf per Fähre auf das Festland gebracht (auf dem Hinweg nahmen wir die Brücke). Wie wir später feststellten, war dies nur ein kleiner Trick des Fahrers, um etwas mehr zu verdienen (die Überfahrt mit der Fähre ist billiger als das Benzin)… Coimbatore selbst – eine Industriestadt – war lediglich ein kurzer Zwischenstopp, um den frühen Zug (05:15) nach Metupalayam zu erwischen. Wie sich herausstellte, eine gute Entscheidung: denn abgesehen vom Mangel an Sehenswürdigkeiten ist die Hotelsuche in der Nähe des Bahnhofs ein einziges Ärgernis. Obwohl es sicherlich 20 Unterkünfte gibt und wir bereits um 18:30 dort waren, behaupteten alle, dass sie bereits ausgebucht seien (Anmerkung: es gibt dort praktisch keine Touristen und es war ein normaler Wochentag, d.h. kein Wochenende oder Feiertag!). Diese Masche zwingt einen dann in das teuerste Hotel in der Gegend zu gehen (welches dann – oh Wunder – natürlich noch freie Zimmer hat; diese kosten dann etwa drei Mal mehr; plus 20% Steuer natürlich…). Aus unserer Sicht ein abgekartetes Spiel, an welchem die anderen Unterkünfte wahrscheinlich mitverdienen…

Nachdem dann morgens um 03:30 der Wecker bereits wieder geklingelt hat, gings weiter zur Talstation der “Nilgiri-Schmalspurbahn”; konstruiert von einem Schweizer Bahningenieur und geschoben von einer Dampflokomotive aus der Heimat, Baujahr 1899. Und hier ging das “indische Kabarett” in die nächste Runde: obwohl uns jedermann gesagt hatte, dass in der Nebensaison keine Reservation für das Bähnchen nötig sei (Onlinereservation nicht möglich), stand vor uns plötzlich eine ganze Schulklasse an. Da der Zug nur über drei Waggons verfügt und viele Tickets bereits im Voraus von Reiseveranstaltern gekauft werden, kam es wie es kommen musste: der äusserst gereizte Bahnhofsvorsteher gab uns zu verstehen, dass es für diesen Tag keine Tickets mehr zu kaufen geben würde…all unsere Beschwerden, Ausreden (“We’ve travelled all the way from Switzerland, just to see “our” train”) und sogar die Hilfe eines indischen Reiseagenten, welcher uns zwei seiner Tickets verkaufen wollte (in Indien nicht legal, da Tickets auf den Namen des Reisenden ausgestellt werden) brachten nichts…der Bahnhofsvorsteher blieb stur. Da wir ausserdem nicht über einen indischen Polizeiausweis verfügen (beim Vorzeigen gibt es ganz plötzlich wieder Tickets), blieb uns nur die altmodische “Zuckerbrot-und-Peitsche”-Variante: warten, den Schaffner immer wieder darauf hinweisen, dass man auch mitreisen möchte und das Bezahlen einer “Reservationsgebühr” an ihn persönlich in Aussicht stellen…und siehe da, es hat geklappt. Zwar mussten die “offiziell gebuchten” Passagiere, auf deren Sitze wir verfrachtet wurden und welche dann dummerweise doch noch auftauchten, kurzfristig in die erste Klasse “upgegraded” werden (= der Schaffner verfrachtete sie in ein – sowieso schon überfülltes – Abteil im vordersten Wagen), aber wir sind wohlbehalten in Ooty angelangt, haben interessante Bekanntschaften mit betrunkenen jungen Indern geschlossen und dank unserer inoffiziellen Vorgehensweise sogar noch weniger bezahlt als im Falle einer Reservation Smiley.

Ooty – bei den Indern auch Udagamandalam genannt – ist eine Ortschaft in den Bergen von Tamil Nadu und liegt auf knapp 2’000 Metern. Von den Engländern früher zur Abkühlung im Sommer genutzt, hatten wir ebenfalls vor, hier der schwülen Hitze von Indien zu entfliehen. Und Ooty hat – zumindest in dieser Hinsicht – unsere Erwartung mehr als nur erfüllt: es war empfindlich kühl! Da unsere Unterkunft – eine riesige englische Villa aus Kolonialzeiten, deren indische Besitzer einen Teil der Räume vermieten und ein vegetarisches/veganisches Restaurant betreiben – ausserdem nicht über eine Heizung verfügte, war es sogar uns als Schweizer schon fast zu kalt. Unsere andere Erwartung (wandern in Teeplantagen) wurde leider nicht erfüllt. Das Tretbootfahren auf dem örtlichen See, das benachbarte Ashram, dessen Gründer vor Jahrzehnten versuchte, die grössten Religionen der Welt unter einen Hut zu bringen, der Besuch einer Teefabrik, sowie der botanische Garten, welcher diesen Namen nicht wirklich verdient, konnten nur begrenzt darüber hinwegtrösten. Das einzige Highlight war eine Filiale des weltweit grössten Pizzakuriers, dessen Angebot wir (ähnlich wie die zahlreichen Expats, welche hier leben und in den diversen Internaten arbeiten) dafür sogar zweimal nutzten Smiley.

Unsere erste Fahrt in einem indischen “Premium-Bus” (moderner Reisecar nach westlichem Standard, mit komfortablen Sitzen, jedoch “indischer Beinfreiheit”) führte uns von Ooty nach Mysore, einer grösseren Stadt im Bundesstaat Karnataka. Ursprünglich hatten wir geplant, hier den bekannten Maharaja-Palast zu besichtigen und dann in einen der umliegenden Nationalparks zu fahren, um auf Tiger-Safari zu gehen. Nun, wie so oft in Indien haben sich die Pläne geändert: der Palast war eher unspektakulär und die Nationalparks aufgrund eines Beschlusses des obersten indischen Gerichtshofs bis auf Weiteres für Touristen nicht zugänglich… Wir haben das Beste aus der Situation gemacht, uns bei gutem Essen (und Bier) im Hotel erholt, sowie das regionale Hindu-Heiligtum – ein Hügel mit einem riesigen “Kuh-Schrein” (dem Reittier einer indischen Gottheit gewidmet) auf der Spitze – besucht.

Da wir auch nach Abschluss dieses “anstrengenden” Programms noch nicht die gesamten Tage aufgebraucht hatten, welche für den Besuch des Tigerreservats geplant waren, sind wir nach Mangalore weitergereist. Aus unserer Sicht war aber auch diese Stadt nicht wirklich spektakulär und wir haben die Zeit grösstenteils mit Essen und Schlafen verbracht Smiley.

Und nun folgen die neusten Skurrilitäten aus dem unglaublichen Indien:

  • Wenn Inder ihren Geburtstag in einem Lokal (im konkreten Fall der Mc Donalds) feiern, ist jeder anwesende dazu eingeladen, ein Stück des Kuchens zu essen (haben wir nach Aufforderung auch getan). Zuvor sollte man jedoch dem Geburtstagskind ein kleines Stückchen davon in den Mund stecken (haben wir nicht getan, da wir nichts davon wussten Smiley).
  • Dass Essen in Indiens Süden ist komplett anders als dasjenige im Norden. Frischere Zutaten, nicht so scharfe Gewürze, eher leichte und mediterrane Gerichte…und das Beste: es gibt Fleisch! Und am Sonntag sogar Rind (aber nur am Sonntag) Smiley
  • Wie bereits in früheren Beiträgen erwähnt, bezahlen Ausländer für das Besichtigen von Sehenswürdigkeiten mehr, als Einheimische. Dass diese “staatlich verordnete Abzocke” aber Ausmasse erreicht, welche schon fast unverschämt sind (Ausländer bezahlen 10- bis 20-fachen Betrag), haben wir bisher in Nordindien nur im Taj Mahal erlebt. In Südindien hat das Ganze jedoch System und man bezahlt überall mindestens das 5-fache (+ Kameragebühr + ein Trinkgeld für die Verwahrung der Schuhe, wenn man die Sehenswürdigkeit nur Barfuss betreten darf + ein Trinkgeld für denjenigen, der einem den Audio-Guide aushändigt + ein Trinkgeld für den “Türsteher” am Tor, welcher einem den Weg deutet +…)!
  • À propos Abzocke: gerade im Süden sind Tuk-Tuk-Fahrer sehr kreativ, wenn es darum geht, den vereinbarten Preis am Ende der Fahrt noch ein bisschen zu erhöhen (was eigentlich ein absolutes No-Go ist): vom Gepäckzuschlag für grosse Rucksäcke, über die Weiterverrechnung von “Parkgebühren” (z.B. am Bahnhof sehr beliebt), bis hin zum Anfahren eines falschen Ortes mit der Begründung, dass sich das Hotel früher hier befunden habe, findet sich alles im Repertoire. Das ganze Mass der Benachteiligung zeigt sich erst recht, wenn man einmal in einer Stadt wie Mangalore sein sollte, in welcher die Tuk-Tuk-Fahrer gezwungen sind, das Taxometer einzuschalten… Mindestens das Dreifache bezahlt man als Ausländer immer (auch nach harten Verhandlungen und auch ohne “Spezialzuschläge”).
  • Vorausschauendes Denken ist (noch) keine indische Stärke: Egal ob bei der Reservation eines Hotels, bei welcher das Personal oft nur die Zimmerbelegung der nächsten zwei Tage kennt, beim Auftragen des bestellten Essens, wo oft zuerst der Hauptgang serviert wird, bevor die Vorspeise folgt, beim Autofahren, bei welchem mit Vollgas beschleunigt wird, obwohl man unschwer erkennen kann, dass man 50 Meter weiter vorne aufgrund eines Staus wieder voll abbremsen muss oder beim Auschecken aus dem Hotel, wo man genötigt wird, ein Kundenfeedback auszufüllen, obwohl man bereits mehrfach erwähnt hat, dass man sich beeilen müsse, um den Bus noch zu kriegen; jeglicher Sinn für Planung scheint in diesem Land noch nicht allzu weit entwickelt.
  • Was der Schneider mit dem Pöstler gemeinsam hat? Man könnte nun denken, nicht allzu viel… Weit gefehlt: der Versand eines Paketes in Indien ist ein wahres Erlebnis für sich. Zuerst begibt man sich zu einem der Schalter, an welchem keine Menschen anstehen (trifft in der Regel auf alle Schalter bis auf einen zu, obwohl die anderen sehr wohl besetzt sind). Dort wird einem dann mitgeteilt, dass man sich doch bitte hinten an die einzige Schlange im ganzen Saal anstellen sollte, da nur dieser Schalter Post entgegennehmen würde (und was bitte tun dann alle anderen?). Ist man dann endlich vorne und hat der Postbeamte endlich die Schweiz im Computer einmal gefunden, erhält man zwar mitgeteilt, wie viel das Paket in die Schweiz ca. kosten dürfte; damit ist es aber noch lange nicht getan. Denn zuerst muss das Paket fachmännisch verpackt werden: man nehme also einen Karton (nicht obligatorisch; wenn man allerdings einmal gesehen hat, wie die indische Post mit der ihr anvertrauten Ware umgeht, äusserst ratsam Smiley), gehe damit zu einem Schneider, welche das Ganze in einen weissen Baumwollstoff einnäht und die Nähte mit Wachs versiegelt (!!!), beschrifte das eingenähte Paket zweimal mit der Zieladresse (mit Filzstift), fülle drei Zollformulare aus, nähe zwei davon an das Paket und gehe zum Schalter (ja, natürlich der mit der einzigen Schlange davor) zurück. Fertig!
  • Laut, lauter, Indien: Wir haben ja bereits einige Male erwähnt, dass Verkehr und Gehupe auf den Strassen ohrenbetäubend sind. Wer nun aber denkt, dass er in einem Strassencafé oder im Hotel Ruhe findet, der irrt: in Indien scheint nämlich in allen Lebenslagen zu gelten, dass derjenige am besten abschneidet, der am lautesten ist. Die Musikanlage im Tuk-Tuk, welche den gesamten “Kofferraum” füllt, die riesigen Bassboxen im Café, die vier Grossbildfernseher im Restaurant oder derjenige im eigenen Zimmer: alles ist immer auf volle Lautstärke aufgedreht und der geäusserte Wunsch, man möge die Anlage doch etwas herunterdrehen, stösst nur auf unverständliche Blicke.
  • Zum Glück gibt es hier kein Hotel mit mehr als fünf Stöcken: Wir wären nämlich sonst Weltmeister im Treppensteigen… Aber gibt es denn keinen Lift? Doch, doch… nur möchten wir sehr ungern während mehrerer Stunden stecken bleiben, wenn wieder einmal der Strom ausfällt…
  • Wo arm auf reich trifft: Ein Thema, welches wir bisher nicht wirklich angesprochen haben, in Indien jedoch omnipräsent ist, ist der riesige Unterschied zwischen den Ärmsten und den Reichsten der Gesellschaft, welche wohl in den wenigsten Ländern dieser Welt so stark ausgeprägt sind, wie in Indien: auf der einen Seite gibt es eine (verhältnismässig kleine) Oberschicht, welche sich für jede noch so kleine Aufgabe einen Diener hält: Gärtner, Nanny, Fahrer, Koch, Putzfrau, Einkäufer, Vorkoster, Schuputzer, etc. Demgegenüber stehen hunderttausende von sehr armen Menschen, welche in den riesigen Slums der Grosstädte wohnen oder sogar komplett obdachlos sind. Und wie nicht anders zu erwarten, “verdienen” auch einige dieser Menschen ihren Lebensunterhalt mit betteln. Touristen sind dabei besonders beliebte Ziele, welche bevorzugt mit diversen Mitleid erregenden Maschen angegangen werden: man zeigt seine Geschwüre, Amputationen, Gehstöcke, nicht vorhandene Gebisse, etc., trägt ausgemergelte Kinder auf dem Arm oder schickt die älteren Kinder auf eigene Faust zum Betteln. Und wie handhaben wir das Ganze? Da man ja nicht allen etwas geben kann (wir könnten sonst morgen wieder nach Hause reisen, da uns das Geld ausgegangen wäre…), haben wir uns drei Regeln aufgestellt: auch aus unserer Sicht kleine Geldbeträge sind in Indien schon viel wert, weshalb wir nur Kleingeld (konkret: Münzen) verschenken; Kinder, welche alleine betteln kriegen nichts, da sie sonst oft mehr verdienen, als ihre Eltern und genau deswegen eben nicht zur Schule geschickt werden; geht uns das Kleingeld an einem Tag aus, gibt es nichts mehr! Diese Regeln klingen so hart, wie sie sind. Denn oft erhalten nur die ersten zwei, drei Personen etwas und der Rest geht leer aus. Andererseits versuchen wir, unser Geld in einheimischen Hotels, Läden und Restaurants auszugeben und internationale Ketten bis auf wenige Ausnahmen (wir sagen nur: Fleisch Smiley) zu meiden. Würden das alle so halten, ginge es langfristig von alleine bergauf… Und falls man unsere Methode immer noch zu hartherzig finden sollte, schildern wir euch jetzt noch ganz kurz die hinduistische Argumentation, weshalb man einem Bettler nichts gibt: durch das Ansammeln oder den Verlust von Karma, hervorgerufen durch gute oder schlechte Taten, wird man im nächsten Leben in einem besseren oder schlechteren Stand wiedergeboren. Jemand der bettelt, hat entsprechend dieser Logik in seinem früheren Leben eben zu viel schlechtes Karma angehäuft und verdient sein Schicksal, weshalb man ihm auch nichts geben sollte! Und, findet ihr unsere Argumentation immer noch hart? Smiley

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