Outback by Nicola: Gib uns das Handy zurück oder wir fahren dich platt

Die Tür des Fliegers geht auf und…das Zentrum Australiens kippt uns aus den Latschen. Nicht etwa der Schönheit wegen – Alice Springs ist nun wirklich nicht the Place to be – sondern wegen den gefühlten 50 Grad, welche einem kräftig um die Ohren geblasen werden. Sommer im Herzen des roten Kontinents bedeutet also wirklich trockene Hitze, begleitet von starken Winden! Wenigstens ist der Bus, welcher uns zur Autovermietung bringt, ganz angenehm klimatisiert. Die Vorfreude auf unsere Wohnung auf vier Rädern lässt uns ausserdem die Hitze schnell vergessen.

Nachdem wir eine knappe Stunde lang durch so ziemlich jede Ecke des kleinen Örtchens gegurkt sind, um die anderen Touristen bei ihren Hotels auszuladen (was tun die hier am Ar*** der Welt in einem Hotel?), können wir unser “Mönsterchen” zum ersten Mal von weitem begutachten: ein Toyota Hilux 3.0 in der Pickup-Variante bildet die Basis unseres Zuhause für die nächsten drei Wochen. Im Inneren des Aufbaus auf der Ladefläche des waschechten 4×4’s mit gut 200 Pferdestärken, finden dank einem ausgeklügelten System eine vollausgestattete Küche mit Herd, Kühlschrank, Waschbecken und genügend Sitzgelegenheiten für zwei, eine Klimaanlage / Heizung, sowie ein Bett mit 2 x 1.8 Metern Platz. Gasflaschen, Wasser- und Benzintanks, sowie Werkzeuge und die Kabel zum Laden der internen Batterie (speist Kühlschrank und Klimaanlage), sind in Kästchen in der Fahrzeugwand untergebracht. Und für die Sicherheit im Notfall sorgt ein GPS-Sender, welcher bei Aktivierung die Hilfskräfte auf den Plan ruft (im Outback sehr wichtig, da Tankstellen, Wasserlöcher oder auch schon nur die nächste Telefonantenne Tagesfahrten voneinander entfernt liegen können).

Bis zur näheren Inspektion müssen wir dann aber noch einen 20-minütigen Einführungsfilm, viel Papierkram, sowie eine Instruktion des alten Chillers von der Autovermietung (als wir eintreffen, schläft er im Hinterzimmer) über uns ergehen lassen. Die Kreditkartengebühren für das Depot (nicht die Zahlung selbst!!!) sind horrend (knapp 150 Dollar, welche selbstverständlich am Ende nicht zurückgezahlt werden) und das Wägelchen nicht mehr das Jüngste (142’000 Kilometer). Da wir aber endlich los wollen, weil wir uns in Alice Springs ja noch mit allem Lebensnotwendigem eindecken möchten, nehmen wir nicht jedes Kästchen und jede Schraube unter die Lupe, was sich später als grosser Fehler herausstellen sollte. Wahrscheinlich haben wir uns aber auch von den beruhigenden Worten des “Instruktors” einlullen lassen (“bei uns läuft es nicht wie in Amerika! Sondern ganz easy! No worries, mate!”). Weil es sich an diesem Nachmittag aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit nicht mehr lohnt, die erst Teilstrecke in Angriff zu nehmen, nutzen wir die Zeit für den oben erwähnten Grosseinkauf und die Gewöhnung an das Fahrverhalten unseres Panzers (zumindest fährt er sich mit seinen 5.3 x 2 x 2.3 Metern so…).

Beweisen darf sich unser Gefährt dann aber am nächsten Tag, nach einer extrem heissen Nacht, in welcher es sogar Regen gab: in den “Western Macdonell Ranges” wollen wir uns die “Simpsons Gap” (Schlucht), “Standley Chasm” (ebenfalls eine Schlucht), sowie den “Finke Gorge Nationalpark” anschauen, wobei insbesondere Letzterer nur mit einem richtigen Geländewagen befahren werden kann. Der Wagen hält sich gut und die Sehenswürdigkeiten sind schneller abgeklappert, als gedacht. Deswegen beschliessen wir, noch am selben Abend die Strecke bis zum “Kings Canyon”, unserem nächsten Ziel, zu bewältigen. Die 300 Kilometer Staubpiste mit Tankstopp in Hermannsburg (ein Liter Diesel kostet hier das Vermögen von 2.2 Dollar!) haben wir bis zur Dämmerung denn auch geschafft und unterwegs einen ersten Eindruck von der unglaublichen Tiervielfalt Australiens erhalten (Kamele, Pferde, Dingos, diverse Vögel). Die Ernüchterung folgte dann aber bei der angepeilten Raststätte / Campingplatz. Diese war aufgrund eines Buschfeuers geschlossen und man riet uns, es doch bei der nächsten Gelegenheit einige Kilometer weiter zu versuchen. Auf der Fahrt dorthin wuchs in uns jedoch die Überzeugung, dass die Situation auch dort nicht anders sein wird, denn überall schwelten noch kleinere Brände. Unsere Befürchtungen bewahrheiteten sich dann auch und jede Ortschaft unterwegs war evakuiert worden und verlassen. Da es australische Behörden aber anscheinend nicht für nötig halten, Strassen zu sperren oder sonstwie zu informieren (für die Benutzung der oben erwähnten Staubpiste war eine spezielle Lizenz nötig, welche man in einem staatlichen Büro abholen musste; aber auch dort hat uns niemand über die Brände informiert), liessen wir den Kings Canyon links liegen und fuhren bis in den späten Abend hinein weiter. Und bei Eintritt der Dunkelheit ist es dann geschehen: wir sichteten “unser” erstes Känguru. Da die lebensmüden Tiere anscheinend nur nachts ihre Suizidversuche auf den Strassen praktizieren, sieht man sie tagsüber praktisch nie. Nachts springen sie einem dafür vor die Motorhaube oder stehen bereits auf der Strasse. Von den Hopplern fasziniert, hielten wir denn auch immer wieder an, um ein Foto zu schiessen. Und wahrscheinlich haben wir auch in einem dieser Momente eines unserer Handys verloren, weil es aus dem Wagen viel…als wir später den Verlust bemerkten und zurückfuhren, war aber nichts mehr vorzufinden, was die Vermutung nahe legt, dass die grossen Beutelratten nicht nur des Lebens überdrüssig, sondern auch geborene Kleptomanen sind Smiley (wir sind während sieben Stunden keinem einzigen anderen Autolenker begegnet, wodurch das Auffinden des Telefons durch einen anderen Menschen fast ausgeschlossen werden kann).

Unser zweiter “Wüstentag” stand ganz im Zeichen des “grossen roten Felsblocks”, dem Uluru oder auch Ayers Rock genannt. Dieser ist zweifellos beeindruckend und einen Besuch wert, wobei man aber unbedingt auch den Kata-Tjutas oder “Olgas” genügend Aufmerksamkeit schenken sollte, da diese fast noch faszinierender sind. Allerdings sollte man sich auf horrende Eintrittspreise (25 Dollar pro Person) und – zumindest im Sommer – auf Temperaturen wie im Backofen gefasst machen. Als wir dort waren, erreichte das Thermometer fast 55 Grad! Doch Abkühlung und Feierabendbierchen sollten auch an diesem Abend länger auf sich warten lassen, als geplant…der angepeilte Campingplatz war inzwischen nämlich bankrott Smiley

Weil wir endlich einmal noch bei Tageslicht ankommen und kochen wollten, hiess es am nächsten Morgen deshalb, früh aufzustehen und loszufahren. Tagesziel war ein Campingplatz in Mitten der “Painted Desert”, einer wunderschönen Wüste mit den verschiedensten Farbtönen, welche nur mit Geländewagen befahrbar ist. Weil wir uns dank einer unfähigen Tankstellenangestellten aber etwas verfuhren (die gute Frau wusste nicht einmal, wo die Strasse neben ihrer Zapfsäule hinführt), kamen wir in der Wüste zwar in den Genuss eines farbenprächtigen Sonnenuntergangs, den Camping in der Wüste haben wir natürlich aber erst wieder nach Einbruch der Dunkelheit erreicht. Wenigstens hatten wir dann aber unseren eigenen Wachhund (der Hund des Besitzers hat die ganze Nacht vor unserem Camper geschlafen) Smiley

An Tag vier im Outback sollten dann möglichst viele Kilometer gefahren und ein kleiner Abstecher nach Coober Pedy, der Stadt mit den meisten Opalminen auf der Welt, gemacht werden. Dort besuchten wir eine stillgelegte Mine, wobei uns insbesondere die Lebensart der Mineure beeindruckte: diese wohnen nämlich – auch heute noch – im nicht mehr benutzten Teil ihrer Stollen, welche sie zu kompletten Wohnungen mit Bad, Küche, Wohnzimmer, etc. umbauen. Und wo wir schon einmal beim Thema sind: auch wir haben es zum ersten Mal geschafft, uns “wohnlich einzurichten”, bevor es dunkel wurde Smiley

Der nächste Streckenabschnitt sollte uns von der Stadt der Mineure zum “Flinders Range National Park” und dann noch möglichst weit in Richtung Adelaide bringen. Nun, das mit dem Nationalpark hat ganz gut geklappt, von einem kleinen Fehler in der Burkhardt’schen Zeitrechnung einmal abgesehen. Als wir nämlich beim Besucherzentrum des Parks angekommen waren, hatte dieses bereits geschlossen, obwohl nach unserer Uhr erst halb fünf war und das Zentrum entsprechend australischer Arbeitszeit noch geöffnet haben sollte. Erst das verdutzte Gesicht der Kioskverkäuferin von nebenan bei der erbosten Aussage, dass hier ja trotz Uhrzeit keiner mehr arbeite, hat uns auf den Gedanken gebracht, dass bei der Überquerung der Staatengrenze eventuell am Zeiger gedreht wird…Da der Park aber glücklicherweise nicht über eine Barriere oder ähnliches verfügt und es ja noch lange hell war, setzten wir den Weg wie geplant vor. Die schwindende Hitze sorgte dann auch dafür, dass wir viele Kängurus, Wallabies und Emus vor die Linse kriegten und die Fahrt auf der abenteuerlichen Offroad-Piste geniessen konnten. Als wir den Parkausgang schliesslich erreichten war es kurz vor Dämmerung und der Campingplatz in Reichweite. Leider entschied sich eines der vielen Kängurus am Strassenrand trotz unserer (fehlerhaften) Annahme, dass der “Suizidmodus” erst bei Dunkelheit eintritt, sein Leben auszuhauchen und stürzte sich vor unsere Motorhaube. *Peng*! Stossstange im Ar***, Känguru tot und keine Chance mehr, den Campingplatz bei Tageslicht zu sehen Trauriges Smiley Erst eine zweistündige Fahrt mit 30 km/h später waren wir in der nächsten Ortschaft. Da ja aber um 9 Uhr Abends hier keiner mehr wach ist, musste der Schaden bis zum nächsten Tag warten…

Entsprechend früh sind wir aufgestanden und haben die Vermietung informiert (PS: die Meldung eines Unfalls kostet bei denen per se einfach mal 75 Dollar; da ist die Erotikhotline ja noch günstiger!!!). Diese sandte uns zum nächsten Mechaniker, damit der den Schaden einmal begutachten und eine Empfehlung bezüglich Weiterfahrt / Reparatur abgeben kann. Ein paar Ausbeulungen später waren wir dann wieder bereit, unseren Weg zumindest bis Adelaide (nächste Vermietungsstelle) in normalem Tempo fortzusetzen. Dort angekommen, wurde uns mitgeteilt, dass wir leider keinen neuen Wagen bekommen würden, ausser wenn wir weitere fünftausend Dollar Depot anzahlen (will man diese Kaution, welche gleichzeitig auch den Selbstbehalt darstellt, nicht bezahlen, müsste man bei der Vermietungsfirma eine zusätzliche Versicherung für 40 (!!!) Dollar am Tag abschliessen; unsere Versicherung in Deutschland erbringt dieselbe Leistung für 7 Franken täglich, mit dem Nachteil, dass man die 5’000 eben selber vorschiessen muss). Weil unsere Kreditkartenlimite sowas nicht zulässt und wir aufgrund der unkulanten Reaktionen sowieso davon ausgehen müssen, dass extern Versicherte hemmungslos ausgenommen werden (kein anderer Mieter desselben Wagentyps in ganz Australien hat eine so alte Kiste bekommen, wie wir; bei uns begannen bereits am zweiten Tag, gewisse Möbel im Interieur auseinander zu fallen, ohne dass wir diese überhaupt gebraucht hätten!), haben wir schliesslich erwirkt, dass unser Mönsterchen soweit repariert wird, dass die Polizei ein Auge zudrückt. Sprich: die Stossstange wurde mit drei Schrauben einfach wieder besser fixiert, fertig! Nur ruhig, “just chill, mate”.

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