Transsib & Irkutsk by Nicola: Findest du keine Babuschka, gibt’s eben Instant-Nudeln und Vodka

Das nächste Teilstück unserer Reise in Richtung Sibirien wollten wir mit dem legendären transsibirischen Zug zurücklegen. Dieser sollte Moskau am 29. Mai um 23:45 verlassen. Nun gibt es in Moskau fünf grosse Bahnhöfe, drei davon („unserer“ inklusive) sind am gleichen Ort… Da sich unsere Russischkenntnisse in der Zwischenzeit nicht wirklich verbessert haben, waren wir beim Auffinden unseres Zuges wieder einmal auf fremde Hilfe angewiesen, was fast dazu geführt hätte, dass wir wieder in St. Petersburg gelandet wären, statt wie geplant gen Osten zu fahren… Glücklicherweise hat uns ein äusserst zuvorkommender (und englischsprechender) Russe zwanzig Minuten vor Abfahrt darauf hingewiesen, dass unser Zug von einem der beiden anderen Bahnhöfe fährt.

Und so begann unsere gut dreitägige und knapp 5‘200 Kilometer lange Fahrt auf der längsten Bahnstrecke der Welt (würde man von Moskau bis nach Wladiwostok fahren, hätte man knapp 9‘300 Kilometer zurückgelegt). Da sich die Landschaft vor dem Fenster nicht gerade durch Abwechslung auszeichnete (kurz zusammengefasst: Wald, Wald, Wald und zur Abwechslung noch etwas Wald), hatten wir wunderbar Zeit, uns zu erholen und russische Spezialitäten zu kosten (sowohl in fester, wie auch flüssiger Form J ). Diese kauft man vorzugsweise bei älteren Damen (sog. Babuschkas) an den (ca. zweimal am Tag anzutreffenden) Bahnhöfen. Leider werden diese Frauen mittlerweile längst nicht mehr an allen Bahnhöfen toleriert, da sie eine Konkurrenz für die kleinen Supermärkte und Kioske darstellen, welche selbst leider jedoch nur Instant-Nudeln und trockene Kekse verkaufen…Und so kam es, dass auch wir des Öfteren mit dieser, unter Backpackern sehr verbreiteten „Nahrung“ Vorlieb nehmen mussten.

Nach knapp 78 Stunden haben wir dann unser letztes Ziel in Russland erreicht: Irkutsk. Diese Stadt hat – abgesehen von Plattenbauten aus der Sowjet-Zeit – praktisch keinerlei Sehenswürdigkeiten zu bieten, liegt aber verhältnismässig nahe am Baikalsee (tiefster Süsswassersee der Welt), welcher unser eigentliches Ziel war. Also schnell das Gepäck im Hostel deponiert, mit dem Bus aus Vorkriegszeit in das Stadtzentrum gefahren und dort in einen Minibus mit Ziel Lystwjanka gestiegen. Leider war uns das Wetter nicht besonders gut gesinnt (es hat leicht geregnet), weshalb die Sicht auf den See etwas getrübt war. Dafür haben wir „Omul“ – einen geräucherten Fisch, welcher auf diese Art nur am Baikalsee so zubereitet wird – gegessen und Fotos mit einer (nicht mehr ganz nüchternen) russischen Familie geschossen.

Da wir in unserem Hostel praktisch die einzigen Gäste waren und die Rezeptionistin nichts zu tun hatte, sind wir am Abend mit ihr und dem einzigen anderen Gast in eine russische Diskothek gefahren, wo wir rasch Bekanntschaft mit weiteren Einheimischen geschlossen und mit ihnen gefeiert haben (Vodka inklusive). Als die Party morgens um drei vorbei war, haben wir noch rasch unser Gepäck im Hostel abgeholt und sind wieder zum Bahnhof gefahren.

Die eineinhalbtägige Fahrt nach Ulan Bator in einem (im Vergleich zur russischen Bahn) unkomfortablen und nach Hühnchen stinkenden Zugabteil der transmongolischen Eisenbahn verlief, abgesehen von langen „Toiletten-Abstinenzen“ (die uralten WC’s wurden jeweil zehn Minuten vor Einfahrt in einen Bahnhof geschlossen), einer fünfstündigen russischen und einer zweistündigen mongolischen Zollkontrolle (Mongolen schmuggeln auf dem Weg in ihre Heimat extrem viele Lebensmittel), wobei man bei Letzterer (aus Diskretionsgründen) nicht einmal nach draussen schauen durfte, ereignislos.

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