Vom Baumhaus zum Beachhouse – Zwischen Palmenplantagen und Flip-Flops im Dschungel

Die Rückreise aus dem wilden Corcovado war… nennen wir es interessant. Die Flüsse, die wir auf dem Hinweg souverän gemeistert hatten, waren nach weiteren Regengüssen bedrohlich angeschwollen – aber unser „geländegängiger Panzer“ kämpfte sich heldenhaft durch. Kühe, Pferde, Hühner, Leguane und Hunde auf der Strasse sorgten zusätzlich für Slalomtraining deluxe.

Unterwegs stiessen wir auf einen der wenigen unschönen Anblicke in diesem sonst so umweltbewussten Land: riesige Monokulturen mit Ölpalmen. Kilometerlang. Für ein Land, das beim Naturschutz international als Vorreiter gilt, wirken diese Plantagen wie ein Fremdkörper – und erinnern daran, dass selbst im Paradies Kompromisse gemacht werden.

Willkommen im Malibu von Costa Rica

Umso schöner war das Ziel unseres Roadtrips: ein hellblaues Beachhouse direkt an der Küste, ganz im Malibu-Style – mit Pool, Meerblick und Waschmaschine. (Letztere verdient hier definitiv einen Ehrenplatz im Text, nach einer Woche Dschungel und Schlammschlachten – Dauerschwitzen inklusive)

Der Besitzer meinte auf Nachfrage zu Krokodilen in der Nähe nur locker: „Manchmal. Aber meist weit weg.“ Na dann.
Unser neues Haustier war dieses Mal kein Krabbeltier, sondern ein stattlicher Leguan, der regelmässig auf der Terrasse chillte – viel entspannter als die Hausspinne im Baumhaus oder die Kakerlake von Uvita, aber mehr denn je… exotisch.

Manuel Antonio – Wenn Flip-Flops den Dschungel erobern

Ein Tagesausflug führte uns in den berühmten Manuel Antonio Nationalpark. Und ja – der Park ist schön. Die Wege sind gut gepflegt, Tiere lassen sich tatsächlich blicken (wir sahen zum ersten Mal beide Faultierarten und Leguane direkt am Strand!).
Aber wer das echte Costa Rica erleben will, ist hier fehl am Platz. Das „wilde Costa Rica“ reduziert sich in Manuel Antonio auf Flip-Flops, Badeshorts und Fast Food aus der einzigen Snackbar mitten im Park. Einige Wege sind sogar rollstuhlgängig – was grundsätzlich super ist, aber den „Dschungel-Vibe“ etwas relativiert.

Bei jeder Tiersichtung sammeln sich dann bis zu fünf grosse Gruppen mit Guides um ein einzelnes Faultier – alle mit Ferngläsern und Teleobjektiven bewaffnet. Das Gute daran: auch ohne eigenen Guide verpasst man dadurch garantiert keins der Highlights.
Fazit: hübsch, aber auch ein bisschen wie ein tropischer Disneyland-Dschungel.

Zip Coaster – Die erste offizielle Touri-Falle

Zum ersten Mal auf dieser Reise haben wir auch eine waschechte Touri-Falle mitgenommen – und zwar mit Vergnügen: der „Zip Coaster“ ist eine Mischung aus Seilbahn und Achterbahn. Man hängt in einem Geschirr und fliegt in schwingenden Kurven durch die Bäume – ein bisschen wie Tarzan auf Speed.
Dazu gibt’s noch eine Art Fahrradtour in 20 Metern Höhe, bei der man gemütlich durch die Baumwipfel „radeln“ kann. Ziemlich surreal, ziemlich touristisch – aber auch ziemlich lustig.

Krokodile hautnah in Tarcoles

Den Abschluss bildete eine Bootstour auf dem Rio Tárcoles – ein Muss für alle, die Costa Ricas berüchtigte Krokodile nicht nur von der Brücke aus bestaunen wollen. Vom Boot aus ging’s auf Tuchfühlung mit drei eindrucksvollen Exemplaren: zwei riesige Männchen und ein Weibchen.
Einer davon – die Guides nennen ihn liebevoll„Tornado“ – ist stolze 90 Jahre alt und misst rund 5 Meter. Kein Wunder, dass man beim Anblick kurz überlegt, ob man das optionale Schnorchelprogramm im Fluss hier vielleicht doch nochmal überdenkt…


Fazit:
Vom wilden Corcovado über das stylische Beachhouse bis zum Krokodil-Sightseeing: Costa Rica bleibt abwechslungsreich – manchmal wild, manchmal zivilisiert, oft beides zugleich. Und wenn uns eines klar geworden ist: Die wahren Abenteuer warten meist abseits der Flip-Flop-Pfade.

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