Myanmar by Nicola: Im Spannungsfeld von Fortschritt und Tradition

Nachdem wir uns in Bangkok an Asien anklimatisieren konnten, waren wir bereit für neue Erfahrungen in – für uns – noch unbekannten Gefilden. Und wo ginge dies besser, als in einem Land, welches bis vor einigen Jahren von einer brutalen Militärjunta regiert wurde und deshalb lange komplett von der restlichen Welt abgeschottet war? In einem Land, dass durch diese Abschottung verhältnismässig arm ist, sich aber auch gerade deswegen seinen traditionellen und kulturellen Reichtum erhalten konnte, ohne dass er von äusseren Einflüssen „verwässert“ worden wäre. In einem Land, in welchem Bildung auch heute noch der reichen Elite vorenthalten ist, damit „der Pöbel“ nicht aufmüpfig wird. In einem Land, in dem ausländische SIM-Karten nicht funktionieren, Internet langsam und/oder zensiert und Stromausfälle an der Tagesordnung sind.

Dieses Land heisst Myanmar (früher Burma) und befindet sich zur Zeit in starkem Umbruch: praktisch täglich öffnen neue Hotels und Restaurants, Technologie hält immer mehr Einzug (sogar bei den Mönchen; manch einer hat ein iPad oder Smartphone), Fluggesellschaften spriessen wie Pilze aus dem Boden (und so manche geht auch wieder ein), die Gepäckbänder an den riesigen, ursprünglich vom Militär errichteten und pompösen Flughäfen werden teilweise wieder benutzt (sehr oft aber auch nicht, da menschliche Träger noch billiger zu sein scheinen, als Strom) und sogar der Konsum von Alkohol wurde – zumindest für Männer – (leider?) legalisiert (Jenny hat bei der Aufnahme von Getränkebestellungen jeweils nur die Karte mit den Softdrinks erhalten 🙂 ). Gleichzeitig sind viele – überwiegend buddhistische – Traditionen noch intakt: die Kleiderordnung ist im ganzen Land und speziell in Tempeln sehr strikt, Mönche dürfen von Frauen nicht berührt werden und die Schuhe müssen in fast allen Räumlichkeiten (öffentlich und privat) immer ausgezogen werden.

Unser erstes Ziel in Myanmar war die ehemalig Hauptstadt Yangon, welche auch heute noch die grösste Stadt des Landes darstellt und vor allem wegen der Shwedagon Pagode (grosses buddhistisches Kloster), deren Stupa unter anderem aus viel Gold besteht, bekannt ist. Natürlich haben auch wir uns dieses imposante Bauwerk nicht entgehen lassen und mehr als 6 Stunden auf der riesigen Anlage verbracht, in denen wir nicht nur unzählige Fotos geschossen, sondern vor allem auch die vielen Menschen beobachtet haben. Neben dieser Pagode haben wir uns an einem Markt mit Essständen mit den burmesischen Spezialitäten vertraut und eine Zugfahrt mit dem Regionalzug rund am Yangon gemacht. Auf dieser rund 3 stündigen Fahrt erhält man für 30 Rappen pro Person einen guten Überblick der burmesischen Bevölkerung und ihrer Lebensweise. Und zwar sowohl in der Statd, wie auch auf dem Land. Von arm, wie auch von wohlhabend.

Zweites Ziel unserer kurzen Rundreise in Myanmar war Mandalay, die grösste Stadt des Nordens. Wenn man diese Stadt betritt, fällt einem sofort der immense Unterschied im Standard auf: war Yangon noch verhältnismässig modern und mit guter Infrastruktur ausgestattet, präsentiert sich Mandalay eher als typische asiatische Grossstadt: laut, chaotisch, müffelnd und mit katastrophalen Strassen, gleichzeitig aber auch mit dem – für diese Städte – ganz eigenen Charme. In der schwülen Nachmittagshitze haben wir uns zu Fuss zu einem buddhistischen Kloster aus Teakholz durchgeschlagen, bevor wir mit einem einheimischen Sammeltaxi mit etwa 30 anderen Passagieren aus der Stadt hinausgefahren sind, um den legendären Sonnenuntergang auf dem Taungthaman-See mit der bekannten U-Bein-Brücke (längste Teakholz-Brücke der Welt) zu geniessen. Die Bootsfahrt auf dem See ist äusserst empfehlenswert. Vor unserer Weiterreise nach Bagan wollten wir eigentlich noch früh morgens zum Sonnenaufgang den Mandalay Hill besteigen. Leider fiel diese Unternehmung aufgrund von heftigen Regenfällen während der Nacht im wahrsten Sinne des Wortes „ins Wasser“.

Der andauernde Regen (es ist zur Zeit auch Regenzeit in Südostasien) hätte uns auch beinahe bei unserer Reise nach Bagan einen Strich durch die Rechnung gemacht, musste sich unser Bus doch immer wieder einmal durch komplett überflutete Strassen mit reissenden Bächen kämpfen. Nach sechs Stunden war dann aber auch diese Hürde gemeistert und wir kamen in Bagan an, dem eigentlichen Highlight unseres Myanmar-Trips. Diese Region – von welcher viele überzeugt sind, dass sich der Ursprung des Buddhismus hier befindet – ist übersäht mit Pagoden und Stupas von jeder Grösse und Form. Manche der Tempel kann man betreten (ein Buddha in jede der vier Himmelsrichtungen), andere besteigen (für Sonnenauf- und -untergänge). Die rund 40 Quadratkilometer erkundet man dabei am besten per E-Bike, ist es mit „normalen“ Fahrrädern in der grossen Hitze doch sehr anstrengend. Wir haben je einen Tag mit beiden Verkehrsmitteln absolviert und empfehlen die E-Bikes, sofern man denn die Batterieanzeige im Auge behält. Ansonsten drohen lustig anzuschauende, aber äusserst kräfteraubende „Abschleppaktionen“.

Abgesehen von den etwas mühsamen Verkäufern rund um die bekannten Tempel in Bagan, sind die Einheimischen immer sehr hilfsbereit und freundlich. Durch ihre chaotische Art wird zwar immer wieder die Planung über den Haufen geworfen, eine – i.d.R. sehr gute – Alternativlösung steht aber immer schnell bereit.

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