Peru (Puno, Cusco & Huacachina) by Nicola: Mit dem Schiff die Berge erkunden, dem Inka ins Wohnzimmer trampeln und in der Wüste vom Snowboard fallen

Wo “normale” Leute in Europa höchstens Skifahren, Bergsteigen oder mit Fallschirmen ab Klippen oder aus Flugzeugen springen, machen wir Sightseeing und essen niedliche Haustiere. Häääääää??? Nun aber alles einmal der Reihe nach: Unser gut zweiwöchiger Peru-Trip beginnt auf über 3’800 Metern über Meer…und zwar nicht auf irgendeinem beliebigen Berggipfel – die sind in der Regel hier höher als 5’000 – sondern in der Stadt Puno am Ufer des Titicaca-Sees, welcher auch Hauptgrund unseres Besuchs hier war: auf diesem See, welcher Peru von Bolivien trennt und nebenbei noch das höchstgelegene navigierbare Gewässer der Welt ist, lebt das Volk der Uros. Von Steuern und sonstigen Abgaben befreit, leben diese Menschen auch heute noch in Familienverbänden auf ihren Inselchen. Was weiter nicht speziell klingen mag erhält eine ganz neue Dimension, wenn man weiss, dass alles hier aus Schilf besteht – ja, sogar die Inseln selbst. Weil dadurch sowohl die eigenen vier Wände, wie auch der – mehr oder weniger feste – Boden unter den Füssen langsam vergammeln, muss hier alles jährlich ersetzt werden. Ausserdem gibt es auf den “Wohnsinseln” nicht einmal Toiletten…wer dringend einmal muss, schwingt sich dafür auf eines der (Schilf-) Boote und fährt zu einer der dafür vorgesehenen Orte. Alles sehr interessant. Allerdings gibt es sicherlich einfachere Methoden, um sich vor Steuern zu drücken Smiley

Die zweite interessante Inselgruppe, welche man während einer Tour auf dem Titicaca-See besucht zeichnet sich zwar nicht dadurch aus, dass sie sich langsam selbst versenkt, dafür gibt es auf Taquile aber ein streng reglementiertes System zur Kennzeichnung des Beziehungsstatus eines jeden Einwohners: Knaben unter fünf Jahren tragen bunte Wollmützen in knalligen Farben. Diese wird später ersetzt durch das Zeichen für unverheiratete Männer: eine Mütze, deren untere Hälfte weiss, die obere in einem dunklen Rotton gehalten ist. Dabei noch besonders erwähnenswert: je qualitativ hochwertiger die Mütze, umso besser die Parte für die Frau… Männliche Individuen “unter der Haube” tragen schliesslich nur noch eine gemusterte Kappe in Rot. Qualität spielt dabei übrigens nur noch eine untergeordnete Rolle… Und wie siehts bei der Damenwelt aus? Vergleichsweise simpel: die Umhänge des schönen Geschlechts haben an den Rändern vielfarbige Puschel: sind diese hell gehalten, ist die Dame noch zu haben, bei dunkeln Farben sollte man dagegen die Finger davon lassen. Wer braucht da noch Partnerbörsen im Internet???

Die verbleibenden vier Tage in Puno wollten wir ursprünglich mit Besichtigungen auf eigene Faust ausfüllen. Leider ist dies aufgrund der angeblichen Gefahrenlage in der Stadt – Touristen, welche sich nicht im Zentrum aufhalten werden regelmässig Opfer von Überfällen – nur sehr begrenzt möglich. Entsprechend haben wir lediglich einen einzigen Aussichtspunkt bestiegen. Ganz unglücklich darüber waren wir aber nicht, haben wir mit jedem verstrichenen Tag doch immer mehr Auswirkungen der enormen Höhe gespürt: wenn selbst das Steigen einer kurzen Treppe zur körperlichen Höchstleistung wird, ist es eventuell besser, wenn man sich statt anzustrengen eher den kulinarischen Seiten der Region zuwendet. Natürlich konnten wir es uns auch nicht nehmen lassen, die Spezialität Perus zu kosten: das “Cuy”, zu Deutsch Meerschweinchen. Nicht besonders reich an Fleisch, hat es mit der richtigen Würze doch ganz ordentlich geschmeckt Smiley

Um Puno gebührend abzuschliessen und uns bereits möglichst optimal auf das königliche Cusco einzustimmen, haben wir die Strecke zwischen den beiden Städten mit dem “Andean Explorer”, einem Touristenzug im Stile des Orientexpress zurückgelegt. Während einem ein exquisites 3-Gänge-Menü und später der obligatorische “Afternoon-Tea” serviert werden, ziehen die wunderschönen Landschaften der peruanischen Anden vor dem Fenster vorbei. Zwischenzeitlich sorgen eine typisch peruanische Band und eine traditionelle Modenschau (natürlich mit Kaufoption) für Abwechslung. Und wenn einem trotz allem einmal langweilig werden sollte, kann man sich immer noch in den halboffenen Panoramawagen am Ende des Zuges begeben, um frische Luft zu schnappen: empfiehlt sich insbesondere bei der Durchquerung der Märkte in den Städten unterwegs: weil der Zug nur einmal täglich verkehrt, werden in der Regel auch die Schienen als Verkaufsfläche genutzt; bei Eintreffen der Eisenbahn werden die Waren dann auf den Geleisen einfach so verstaut, dass der Zug mühelos darüber hinwegfahren kann.

In der ehemaligen Hauptstadt der Inkas angekommen, zeigt sich ziemlich schnell, dass Cusco eine der touristischsten Städte unserer gesamten Weltreise ist: unzählige Hotels, Restaurants und Läden mit völlig überteuerten Produkten aus Lama Wolle reihen sich aneinander, während aufdringliche Taxifahrer und Schlepper versuchen, einem eine “incredibly cheap tour to Machu Picchu” zu verkaufen… Da man ausserdem vor jedem Bankomaten eine halbe Stunde warten muss, bis man an der Reihe ist, hält uns trotz der vergleichsweise schönen Plaza entsprechend nicht allzu viel hier. Ist aber nicht weiter schlimm, sind wir doch nur in der Stadt, um die legendäre Inkastätte “Machu Picchu” zu besuchen. Dieses – wenn auch teure – Vergnügen ist definitv Highlight einer jeden Südamerikareise: dazu geht es zuerst mit dem Sammeltaxi nach Olantaytambo, wo man in einen Touristenzug umsteigen muss (Tickets für die günstige “Einheimischen-Klasse” kann man als Nicht-Peruaner leider nicht kaufen…), welcher einen nach Aguas Calientes bringt. Die Übernachtung dort hat – zumindest in unserem Fall – hat diesen Namen nicht verdient, feiern die Einheimischen am Wochenende jeweils doch unter einem X-beliebigen Vorwand (bei uns “Santa Cruz” genannt) lautstark. Als die Party vorbei war, hiess es auch schon aufzustehen, um den Bus auf den Berg zu kriegen und noch vor den Tausenden Gleichgesinnten da zu sein. Wir habens geschafft und noch einige schöne Fotos schiessen können, bevor die grossen Tourgruppen mit ihren Guides (inklusive unserem) eingetroffen sind. Die Führung selbst war dann sehr interessant, erfährt man so doch viel über die Inkas: grosse Astronomen, hatten sie damals schon einen exakten Kalender und waren darüber hinaus exzellente Architekten, welche für die Ewigkeit gebaut haben! Am Nachmittag wollten wir dann noch den “Cerro Machu Picchu” – den Gipfel neben den Ruinen – erklimmen. Leider hat uns das sehr wechselhafte Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, weshalb wir uns mit der Wanderung zum “Sonnentor” am Ende des Inka-Trecks begnügt und einigen Lamas beim Liebesspiel zugeschaut haben Smiley

Die – hoffentlich – letzte lange Busfahrt unserer Weltreise führte uns von Cusco in das ersehnte Tiefland, nach Huacachina. Dass wir dabei die teuerste Luxusklasse im Bus gebucht haben (inkl. “eigenem” Fernseher und WLAN), konnte nicht wesentlich über die katastrophalen Strassenverhältnisse mit so zahlreichen Kurven, dass selbst bei eingefleischten Busveteranen beim Anblick der servierten Mahlzeiten ein Brechreiz geweckt wurde, hinwegtäuschen. Zwar noch mit vollständigem Mageninhalt, dafür aber völlig entkräftet sind wir in der kleinen “Touri-Oase” Huacachina angekommen. Und obwohl “Oase” hier wörtlich zu nehmen ist – die Ortschaft ist umringt von gewaltigen Sanddünen – findet man hier definitiv keine Ruhe: bestehend aus billigen Hostels, Restaurants und Bars, zieht das Fleckchen vor allem junge, partywütige Singles aus der ganzen Welt an: Sex, Drugs & Techno in der Wüste… Der einzige Weg, dem Rummel kurzzeitig zu entfliehen, besteht darin, auf selbstgebauten Buggies mit halsbrecherischem Tempo durch die Dünen zu rasen und ab und zu eine ebensolche selbst mit dem Snowboard herunterzufahren. Einfach keine Kurven machen, ist seeeeehhhr ungesund…

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